Das braune Erbe Willi Klencks

21.12.2011

LAMSTEDT. Niemand hat die Ausstellung der Schülergruppe "Zebras" von der Schule am Hohen Rade über die nationalsozialistische Vergangenheit des Nindorfer Heimatforschers Willi Klenck (gest. 1959) bisher zu Gesicht bekommen, aber alle reden darüber. "Wir haben nicht geahnt, welche Wogen das Thema schlägt", ist Schulleiterin Christiane Link-Fitschen im Nachhinein überrascht.

Was war geschehen: Seit Oktober 2010 hatten sich vier Schülerinnen der Realschulklasse 10b gemeinsam mit ihrem Geschichtslehrer Thomas Doege mit der Biografie des früheren Dorfschullehrers Klenck beschäftigt. Dazu gehört neben seiner unbestreitbaren Bedeutung als Heimatkundler ("Heimatkunde des ehemaligen Kreises Neuhaus an der Oste", erschienen 1957) eben auch seine Rolle als Rassenforscher während der Nazi-Zeit.

Vor allem mit der Frage, ob Klenck lediglich ein harmloser Mitläufer oder doch ein Täter war, der durch seine Arbeit die Grundlage schuf, auf der Menschen aufgrund ihrer Rassenzugehörigkeit in den Tod geschickt wurden, haben sich die Schülerinnen auseinandergesetzt. Und sie haben darauf eine klare Antwort gefunden. Das Resümee der Schülergruppe: "Auf jeden Fall aber gehört Klenck zweifellos zu der Reihe gewissenloser ,Schreibtischtäter‘, die dem nationalsozialistischen Regime aus Überzeugung und mit großem Eifer zugearbeitet haben."

Auf zehn Tafeln aus Tonpapier hielten die Schülerinnen ihre historischen Erkenntnisse über Willi Klenck fest, der 1956 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden war und zu dessen Ehren in den 60er-Jahren auch eine Straße in Lamstedt benannt worden ist. Die Ergebnisse sollten zunächst in einer kleinen Ausstellung während des Weihnachtsbasars der Schule aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des Schulfördervereins neben anderen Projektarbeiten am vorigen Donnerstag gezeigt werden.

Doch dann entschied sich die Schulleitung eine Woche vor dem Weihnachtsbasar trotz vorheriger Ankündigung anders: "Wir fanden das Thema zu hart für einen Weihnachtsbasar", erklärt Christiane Link-Fitschen die Entscheidung der Schulleitung. "Wir haben auch festgestellt, dass an Willi Klenck ein ungeheures Interesse besteht. Deshalb wollten wir nicht Gefahr laufen, dass der Schulförderverein dadurch ins Hintertreffen gerät." Zuvor hatte die Schule bereits die Zusage der Gemeinde erhalten, dass die Bild- und Textdokumentation der "Zebras" im Januar im Foyer des Lamstedter Rathauses, das gegenüber der Schule liegt, präsentiert werden soll.

"Die Tafeln können dort viel besser gezeigt werden. Das Rathaus bietet dafür einen angemessenen Rahmen", so die Schulleiterin. "Für die Schüler ist es eine Ehre, dass ihre Arbeit auf diese Weise gewürdigt wird und im Rathaus die alleinige Aufmerksamkeit erfährt." Genauso habe sie die Verschiebung der Ausstellung auch gegenüber den Schülern argumentiert. Die Ausstellung im Rathaus soll am 26. Januar eröffnet werden. Davor wird es eine außerordentliche Sitzung des Gemeinderates geben, auf der die Schülerinnen Gelegenheit erhalten, ihre Arbeit vorzustellen.

Dennoch waren Mutmaßungen laut geworden, dass womöglich auf Druck von außen die Klenck-Ausstellung am vorigen Donnerstag in der Schule unterbunden worden sei. Dem tritt die Schulleiterin entgegen: "Wir haben nichts unterdrückt und uns ist auch nichts von außen nahe gelegt worden." Tatsächlich sei es so gewesen, dass die zehn Klenck-Tafeln in einen Raum gelegt worden seien, der anschließend vom Hausmeister für die Dauer des Basars abgeschlossen worden sei. Der gesamte Trakt sei wegen der öffentlichen Veranstaltung am Donnerstag für den Publikumsverkehr gesperrt gewesen.

Der Schule am Hohen Rade sei es wichtig gewesen, ihren 2004 erworbenen Titel als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" zu rechtfertigen. Und dazu gehöre eben auch die Beschäftigung mit historisch zwiespältigen Persönlichkeiten wie Willi Klenck.

Von Ulrich Rohde

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