Deister - ein Superstar aus Hadeln wurde vor 50 Jahren geboren
OSTERBRUCH. Deister - diesen Namen kannte früher fast jeder. Heute wacht der einstige Superstar, der seinerzeit das erfolgreichste Springpferd der Welt gewesen ist, als Denkmal in der Mitte von Osterbruch über seinen Geburtsort. Der berühmteste Hadler auf vier Beinen ist im dortigen Norderende auf dem Hof von Hermann Hahl am 10. Februar 1971 - also genau vor 50 Jahren - zur Welt gekommen.
Zu Beginn hatte allerdings nicht viel darauf hingewiesen, dass Deister einmal zur Ikone des Springsports werden würde. "Am Anfang war er sehr nervig, ließ sich nur schwer auf der Koppel halten und beförderte meinen Sohn unzählige Male auf den Boden", soll Züchter Hermann Hahl gesagt haben. Für dessen Sohn, den inzwischen verstorbenen Günther Hahl, war es demnach nicht das reinste Vergnügen, den eigenwilligen Halbstarken einzureiten. "Papa hat immer erzählt, dass Deister sich noch während des Umlaufs im Springparcours den Wassergraben ausgesucht hat, in dem er ihn nach der Siegerehrung absetzen wollte", erinnern sich die Töchter Sabine Hahl und Kerstin Müller-Hahl an die damalige Zeit.
Spannende Versteigerung
Familie Hahl war davon ausgegangen, ein Dressurpferd vor sich zu haben, und verkaufte Deister 1974 als solches für 17 000 D-Mark bei der Verdener Auktion. Daran kann sich Elisabeth Hahl, die Witwe von Günther Hahl, noch gut erinnern. "Wir waren damals gerade erst verheiratet, als Deister auf der November-Auktion verkauft wurde", sagt sie und weiß noch, wie spannend die Versteigerung damals ablief. Für die Dressur erwies sich Deister aber letztlich nicht als geeignet, weshalb er als Fünfjähriger zu Hartwig Steenken kam, der ihn als Springpferd ausbildete.
Nachdem Steenken tödlich verunglückt war, wechselte das Pferd aus dem Hadler Stall für 200 000 D-Mark zu Paul Schockemöhle, der mit seinem damaligen Neuzugang zunächst hart arbeiten musste: "Mich beeindruckte seine Mentalität, sein Kämpferherz und sein großes Vermögen. Seine Schwierigkeiten wurden freilich von mir unterschätzt. Hätte ich bloß mein Geld wieder, habe ich anfangs oft gedacht. Wäre einer zu mir gekommen, um Deister zu kaufen, hätte ich ihn auch mit Verlust weitergegeben", blickt Schockemöhle auf seiner Homepage auf die Anfänge mit dem "Pferd seines Lebens" zurück.
Die Mühe zahlte sich aus
Doch all die Mühe zahlte sich am Ende aus: Deister trug Schockemöhle zu drei Einzel-Europameister-Titeln nacheinander von 1981 bis 1985. Fünfmal waren sie zudem Deutscher Meister. Eine Leistung, die mit Erfolgen bei Olympischen Spielen, bei Weltmeisterschaften und in Nationenpreisen bestätigt wurde und die Deister nach und nach berühmt machten.
Landauf, landab war er inzwischen auch bei Nicht-Pferdeleuten bekannt - das natürlich zur Freude der Züchter-Familie Hahl. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Oma und Opa immer stolz die Übertragungen im Fernsehen angeschaut und die Siege ihres Deister mitverfolgt haben", sagt Kerstin Müller-Hahl.
Persönlich anwesend waren die Hahls, als Deister bei den German Classics in Bremen aus dem Sport verabschiedet wurde. Er zählte am Ende seiner Sport-Karriere mit 76 Siegen und einer Lebensgewinnsumme von 1,4 Millionen D-Mark zu den besten Springpferden aller Zeiten. Paul Schockemöhle profilierte sich aufgrund seiner Erfolge mit Deister später zu einem der meistgefragten Experten des Pferdesports.
Eine Beziehung zum Land Hadeln und damit zur Geburtsstätte seines Ausnahmepferdes pflegt Schockemöhle bis heute: Als Schirmherr des Wingster Dobrock-Turniers verleiht er der Traditionsveranstaltung einen besonderen Glamour.
Deister:
- Deister von Diskant aus der Adlerklette wurde geboren am 10. Februar 1971 und starb am 27. August 2000.
- Europameister: 1981, 1983,1985; Deutscher Meister: 1980, 1982, 1983, 1986, 1987. Bei den Olympischen Spielen 1984 gehörte er zur deutschen Bronze-Mannschaft. 1982 Mannschafts-Silber bei der WM.
- Er erzielte insgesamt 76 Siege und eine Lebensgewinnsumme von rund 1,4 Millionen D-Mark.