Computer

Der C64 ist auch im Cuxland einfach nicht totzukriegen

14.02.2018

KREIS CUXHAVEN. Der Commodore 64 kehrt zurück: Der Computer-Klassiker aus den 1980er-Jahren wird neu aufgelegt und kommt als "The C64 Mini" Ende März auf den Markt. Von Jens-Christian Mangels

Diese Nachricht war für unsere Zeitung Anlass, die Leser um ihre Geschichten zum legendären Heimcomputer zu bitten.

Was Commodore im Januar 1982 auf der Computermesse CES zeigte, hatte mit den heutigen Hochleistungsmaschinen wenig zu tun. Das klobige Gehäuse erinnerte an einen Brotkasten, im Inneren taten ein Prozessor mit 0,985 Megahertz und 64 Kilobyte Arbeitsspeicher gemütlich ihren Dienst. Eine Festplatte hatte der C64 wie viele andere Rechner damals nicht. Für das Laden und Speichern von Daten gab es eine Datasette – eine Art Kassettenlaufwerk für Computer.

Cursor auf dem Bildschirm

Auch eine grafische Benutzeroberfläche fehlte. Nach dem Start blinkte ein Cursor auf dem blauen Bildschirm. Zur Bedienung tippte man Befehle ein. Ein paar Kommandos wie LOAD und RUN reichten, um Programme zu starten – vor allem Spiele. Denn der C64 war zwar ein echter Computer, auf dem Tüftler in der Programmiersprache Basic eigene Anwendungen schreiben konnten (einige Fachzeitschriften druckten gar Programmcodes ab, den Hartgesottene von Hand abtippten). Der Reiz des C64 lag für die meisten aber im riesigen Angebot an Spielen mit farbiger Grafik und passablem Sound.

Da gab es Sportspiele wie „Summer Games“, in denen man beim 100-Meter-Sprint am Joystick rüttelte, bis er kaputtging. Es gab Abenteuerspiele wie „The Way of the Exploding Fist“, das Karate-Zweikämpfe vor asiatischer Kulisse bot. Viele Fans hatten auch ein Faible für Simulationen, etwa für das mittelalterlich angehauchte „Kaiser“.

Frank Powils aus Otterndorf erinnert sich mit Freude an die Spiele „Winter Games“, „Defender of the Crown“ oder „Boulder Dash“: „Ich habe noch über 700 Disketten von damals.“ Facebook-Nutzerin Becky Claudia schreibt: „Bei schlechtem Wetter haben wir gedaddelt, bis der Arzt kam. Vor allem ‘The Great Giana Sisters’ und ‘Arkanoid’.“ Und Internet-Nutzer Tom Taylor erinnert sich: „Ich habe die Spieleprogramme aus Heften abgetippt und dann leicht verändert.“

Es gab aber durchaus auch nervige Momente im Umgang mit dem Commodore 64. Stefan Tiedemann erinnert sich beispielsweise an Probleme mit dem Joystick „Competition Pro“: „Der Mikroschalter war immer defekt. Und die Datasette war einfach nur nervig. Und dann noch die ewigen Ladezeiten. Das kann sich heute kaum noch einer vorstellen.“

Stefan Horneborg hat seinen C64 noch heute im Einsatz. „Wer einmal infiziert war, hat nie aufgehört, damit zu spielen. Nächtelange C64-Sessions an den Wochenenden und in den Ferien – was gab es Schöneres“, schreibt er auf der CN-Facebook-Seite. Facebook-Nutzer Drahkrub Snhürb nutzte den Commodore 64 unter anderem im Amateurfunkbereich: „Es war eine tolle Zeit, es gab schon die ersten Mailboxen und um ganze Bilder darzustellen, brauchte man Wandelprogramme. Mein C64 hat nie Probleme gemacht.“

Und warum begeistert der legendäre „Brotkasten“ auch heute noch? Der aus Otterndorf stammende Computer-Sammler Axel Ehrich hat die passende Antwort parat: „Es ist eine sehr eingeschränkte Hardware, die genau definiert ist. Sie wurde über zehn Jahre lang allein in Deutschland verkauft – für viele war es der erste Kontakt zu einem Computer und zu Computerspielen. Der C64 hat einen unvergleichbaren Sound, den man damals sonst nur von Synthesizern kannte, dazu auch eine sehr gute, gerade für Computerspiele ausgereifte Grafik.“ Der C64 werde heute allerdings auch mit einer gewissen Verklärtheit betrachtet à la „Damals war alles besser“.

Begrenzte Anzahl an Spielen

Dass der Computer-Klassiker jetzt als „The C64 Mini“ neu aufgelegt wird, betrachtet Ehrich eher skeptisch, „da es so aussieht, als ob man nur eine begrenzte Anzahl an Spielen darauf nutzen kann.“ Der Computer-Sammler wartet lieber auf eine weniger bekannte Neuauflage des C64, den „C64 Reloaded MK3“ von der kleinen deutschen Firma „Individual Computers“, die eine Emulation herausbringen will, die einem C64 in nichts nachstehen soll.

Der Kult-Computer kommt zurück

Ende März kommt der modernisierte Nachbau des C64 in den Handel. Verkaufsstart ist am 29. März zum Preis von rund 80 Euro. Ab Werk sind 64 Spiele vorinstalliert, darunter sind etwa „California Games“, „Paradroid“ oder „Impossible Mission“. Ob und welchen Zugriff Spieler auf den Speicher der Retro-Konsole haben werden, verrät Hersteller Retro Games noch nicht. Manager Paul Andrews stellt aber zumindest die Chance in Aussicht, dass auch selbst programmiert werden kann. Der verkleinerte Nachbau wird per HDMI-Kabel an moderne Fernseher angeschlossen.

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