"Der Gast ist König und keine Aktie"
LAMSTEDT. Friedrich Hinck ist stinksauer und das zeigt er auch. "Wir machen den Gasthof Ende März dicht." Hinck übt scharfe Kritik an der Börde-Verwaltung, die würde zum Gaststättensterben in Lamstedt beitragen, schimpft Hinck.
Friedrich Hinck war einst erfolgreicher Börsenmakler. Jetzt ist der 61-Jährige Privatier und in Winsen ansässig. Doch zum elterlichen Betrieb Hinck's Gasthof in Lamstedt an der Großen Straße mitten im Ort, pflegt er enge Kontakte. Dort steht er nämlich seiner Nichte Marlies Holst (45) mit Rat und Tat zur Seite.
Friedrich Hinck sieht den Niedergang der Gastronomie in Lamstedt und wollte gegensteuern. Den Schuldigen für die seiner Meinung nach schlimme Misere im gastronomischen Bereich hat er schon ausgemacht. "Hier herrscht ein Preiskampf und die Verwaltung selbst steht in Konkurrenz zu den Gaststätten", schimpft Hinck. Konkret richtet er seine Kritik an Rat und Verwaltung, denn die Vermietung vom "Bördehuus Loomst" ist seiner Meinung nach wettbewerbsverzerrend.
Das schmucke "Bördehuus", das im Jahr 2001 eingeweiht wurde (siehe nebenstehende Information) und seitdem gern für Feiern genutzt wird, war Anlass für Hinck, sich mit Samtgemeindebürgermeister Werner Otten und Bürgermeister Manfred Knust in Verbindung zu setzen. Um dem Niedergang der Gastronomie in der Börde zuvorzukommen, entwickelte er mit seiner Nichte Marlies Holst - übrigens eine gelernte Köchin - einen Plan, um das Überleben des Gasthauses Hinck zu sichern. Friedrich Hinck schlug der Gemeinde Lamstedt vor, die Bewirtung im samtgemeindeeigenen Bördehuus zu übernehmen. "Wir hatten geplant, Hinck's Gasthof weiterhin an den Tagen Dienstag, Donnerstag und Freitag sowie auf Kundenwunsch auch an anderen Tagen für Veranstaltungen jeglicher Art zu öffnen", so Hinck. Beide Häuser hätten so unter einer Führung gestanden und eine Überlebenschance, so die gastronomische Vision von Hinck und Holst. "Die jetzige Form der Bördehuus-Vermietung ist für uns die größte Konkurrenz bei privaten Feiern, denn bei der geringen Miete kann ein Gastwirt preislich nicht mithalten." Und weiter: "Nur mit den jetzigen Veranstaltungen lohnt sich die Fortführung von Hinck's Gasthof nicht, dafür sind die festen Kosten zu hoch." Doch die Rechnung von Hinck ging nicht auf. Der Samtgemeindeausschuss hat sein Ansinnen abgelehnt.
Hinck ist nun so sauer, dass er einen gepfefferten Brief verfasste und darin seinem Ärger richtig Luft macht. Dieser Brief geistert durch Lamstedt und die Diskussion an den Stammtischen, bei Sportvereinen und bei Politik und Verwaltung hält an.
In dem Brief schreibt Hinck, warum die Bewirtung des Bördehuus auch für das Überleben von Hinck's Gasthof von Bedeutung sei. Dort hatte der vermögende Mann 1992 noch rund 600 000 Mark in eine der modernsten Kegelbahnen der Region investiert. In dem Schreiben an die Gäste des Hauses begründet Hinck wörtlich sein Ansinnen so: "Die Anzahl der Kegelclubs hat sich seit 1992 von 47 auf aktuell 16 Clubs reduziert. Logischerweise sind dadurch auch die Umsätze geringer geworden. Um das Lokal in Zukunft weiter wirtschaftlich erfolgreich führen zu können, benötigen wir zusätzliche Veranstaltungen. Daher hatten wir uns bei der Gemeinde um die Bewirtung des Bördehuus beworben."
Da der Samtgemeindeausschuss den Antrag von Hinck und Holst abgelehnt habe, sei die Entscheidung zur Schließung von Hinck's Gasthof nun endgültig, so Friedrich Hinck. Und er schimpft in dem Brief weiter: "Die Lamstedter Bevölkerung wird sich wohl bald daran gewöhnen müssen, keine von hiesigen Gastwirten betriebene Gaststätte mehr vorzufinden, denn lange wird es wohl auch die Betriebe unserer Kollegen Funk, Hölling und Stelling nicht mehr geben, da nirgends ein Nachfolger in Sicht ist." Mokant fügt Friedrich Hinck hinzu: "Aber es bleiben dann ja noch das von der Gemeinde verpachtete Lambada und der Dönerimbiss." Friedrich Hinck: "Bisher sind wir immer davon ausgegangen, dass Politik Wirtschaft fördern und stützen sollte, dies ist offensichtlich in unserer Samtgemeinde nicht der Fall und führt damit zu den oben genannten Konsequenzen."
Für Samtgemeindebürgermeister Werner Otten kommt die massive Kritik an Verwaltung und Politik nicht überraschend. Herr Hinck sei schließlich in der Börde ein bekannter Mann. Und er fügt hinzu: "Die Schließung einer Gaststätte - wo auch immer - ist zunächst einmal bedauerlich. Dies gilt natürlich im Besonderen dann, wenn sich der Standort im Ortskern eines Dorfes befindet." Leider werde im Fall der Schließung des Gasthauses Hinck versucht, die Ursachen woanders zu finden. Otten: "Dass möglicherweise auch eigene Fehler eine Rolle spielen, bleibt unbeachtet." Auch Otten hält sich mit Kritik nicht zurück. "Ich habe den Eindruck, dass man irgendwie Bodenhaftung und Realitätssinn verloren hat."
Schließlich sprechen die Fakten für sich, so der Bürgermeister. "Wenn von ursprünglich 47 Kegelclubs nur noch 16 Clubs im Gasthof Hinck ihrem Hobby nachgehen, hat dieses doch Ursachen. Es wurden keine 31 Clubs aufgelöst, sondern einige sind auf andere Stätten in der Umgebung ausgewichen." Otten kann sich eine dröge Bemerkung nicht verkneifen. "Das Bördehuus verfügt jedenfalls über keine Kegelbahn."
Und dann setzt er noch einen drauf: "Es stellt sich doch die Frage, warum die meisten Familienfeiern nicht im Gasthaus Hinck, sondern im Gasthaus Hölling stattfinden. Das Bördehuus als Ursache vorzuschieben, ist nicht nur unredlich, sondern geht an der Realität vorbei."
Die Samtgemeinde und die Gemeinde werden sich auf das Schwarze-Peter-Spiel nicht einlassen, versichert er. Zu den Diskussionen in zahlreichen Lamstedter Vereinen, dass möglicherweise die Gastlichkeit im Hause Hinck fehle, mochte Otten sich so direkt nicht äußern.
Einen Zweifel an seiner Meinung über die Vorgehensweise von Friedrich Hinck lässt er trotzdem nicht. "Der Gast ist nun mal König und keine Aktie", so Otten mit einem Seitenhieb auf den ehemaligen Börsenmakler.
Von Frauke Heidtmann
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