Der Panzerknacker von Spieka-Neufeld
NORDHOLZ. "Schälmaschine" steht unübersehbar über der Eingangstür. Aus dem Raum dahinter dringt das lautstarke Getöse einer mehr als mannshohen Maschine. Sie verrichtet eine Arbeit, die sonst flinke Hände zumeist ziemlich lautlos erledigen: Krabben pulen. Bis zu 70 Kilo der Schalentiere pro Stunde verarbeitet die Maschine. Am Ende spuckt sie etwas mehr als 20 Kilo schieres Krabbenfleisch aus, der Rest ist Abfall, wird zu Fischmehl verarbeitet. "Um eine solche Menge in der gleichen Zeit per Hand zu schälen, bräuchte man mindestens 20 Leute", sagt Alwin Kocken. Der Fischer und Fischhändler aus Spieka-Neufeld hat seine Krabben-Schälmaschine selbst entwickelt. Eine aufwendige Konstruktion.
Jahrzehnte brauchte Kocken, um dafür zu sorgen, dass sein Automat die einzelnen Krabben in die richtige "Pul-Position" bringt. Jedes Tier muss kopfüber in eine sich drehende Trommel geraten. Dort wird es von einem kleinen Messer eingeritzt und durch ein Vakuum festgehalten. Druckluft bläst das Fleisch aus dem Garnelenschwanz heraus. "Etwa 90 Prozent der Krabben können wir so sauber schälen, die anderen müssen per Hand nachbearbeitet werden", sagt Kocken.
Die Krabbenpulmaschine, sie funktioniert - dennoch werden die allermeisten der in den 20 niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Krabbenkutterhäfen an der Nordseeküste angelandeten Garnelen in Marokko, Polen oder den baltischen Staaten per Hand gepult. "Das maschinelle Schälen ist eben doch ein bisschen teurer", sagt Alwin Kocken.
Der entscheidende Vorteil ist die Frische. Die Kockens beziehen ihre Garnelen frisch von den Krabbenkuttern, die in den Gründen um Neuwerk auf Fang gehen. Innerhalb eines Tages wandern die Krabben erst vom Netz in den Kochtopf, dann in die Kühlung und schließlich in die Schälmaschine.
Kocken setzt seinen frischen Krabben nur einen Bruchteil der erlaubten Menge Konservierungsmittel zu. Zwei statt sechs Gramm pro Kilo Krabbenfleisch. Das wird vorwiegend in der Region verkauft. Im eigenen Laden, an Restaurants in der Umgebung und an die Geschäfte der Nordsee-Kette.
Wie viele Krabbenpulmaschinen es weltweit gibt? Alwin Kocken hat keine Ahnung. Einige Tüftler seien aber wahnsinnig geworden, am Krabbenproblem zerbrochen, weiß der Fischhändler zu berichten. Er selber sei normal geblieben, weil er sich nie ausschließlich auf die Maschine konzentriert habe. Wenn er ein bisschen jünger wäre, würde er sich an die Erfindung einer Nachsortiermaschine machen.
Von Jens-Christian Mangels