Christoph Nicol (Nr. 9) übernimmt das Traineramt bei den Baskets. Foto: Lütt
Kommentar zum Trainerwechsel

Die Baskets machen den Bock zum Gärtner

von Frank Lütt | 06.12.2018

Die Cuxhaven Baskets geraten in eine finanzielle Schieflage und Entscheidungen müssen getroffen werden. Neben dem Insolvenzantrag ist die richtungsweisendste Handlung die Trainerentscheidung.

Sicher hat das Duo Darren Stackhouse/Aaron Cook nicht immer glücklich gehandelt, aber nun ausgerechnet Geschäftsführer Christoph Nicol zum Headcoach zu machen... Da fällt einem unweigerlich die Redewendung "Den Bock zum Gärtner machen" ein.

Auch wenn sich Nicol sicherlich als Neuling in Cuxhaven nicht so gut auskannte, er Aufgaben übernehmen musste, die eines Geschäftsführers womöglich unwürdig sind, und er nicht die ihm avisierte Unterstützung erhielt, er trägt ein erhebliches Stück Verantwortung an der Finanzmisere, rechtlich betrachtet ist er sogar alleinverantwortlich.

Nicol hat es nicht geschafft, vor Saisonbeginn alle möglichen Sponsoren anzusprechen. Selbst als der Spielbetrieb schon viele Wochen lief, waren jahrelange Förderer noch nicht einmal kontaktiert worden. Da fragt sich der objektive Betrachter: Warum hat er das nicht getan? Die Gründe dafür scheinen vielschichtig. Ein Beispiel: Der studierte Sportmanager ärgerte sich an den Tagen, als die ersten verpflichteten Spieler eintrafen, mit negativen Überraschungen herum. Spielerwohnungen sollen nicht in einem wohnbaren Zustand gewesen sein. Der Geschäftsführer sah sich genötigt, hier Materialien heranzuschaffen und selbst bei Renovierungsmaßnahmen Hand anzulegen. Seine eigentlichen Kernaufgaben litten darunter sicherlich.

Nicol forderte offenbar aber auch nicht in irgendeiner Form Unterstützung ein. Dabei war ihm doch bei seinem Amtsantritt Hilfe zugesagt worden von vorherigen Baskets-Geschäftsführern. Die Kommunikation ist nicht unbedingt Nicols Kernkompetenz, wie auch die CN/NEZ-Sportredaktion viele Male leidvoll selbst erleben musste nach unzähligen vergeblichen Anrufversuchen.

Auch die interne Kommunikation in der Gesellschaft Cux-Basketball UG läuft alles andere als rund. Von dem Vorhaben, einen Insolvenzantrag zu stellen, haben einige der insgesamt 13 Gesellschafter aus der Zeitung beziehungsweise über unsere Veröffentlichungen im Internet erfahren.

Es ist allerdings auch so, dass von diesen 13 Gesellschaftern der Cux-Basketball UG schon einige gar nicht mehr aktiv sind, sie längst aus der Gesellschaft ausscheiden wollten. Dies soll bisher daran gescheitert sein, dass kein Termin gefunden wurde, an dem alle Anteilseigner Zeit haben. Dementsprechend ist es schwer, allen Gesellschaftern den Vorwurf zu machen, dass sie nicht eingegriffen hätten.

Einer der immerhin zupackt, ist Holger Junghans. Der Unternehmer, der seit Jahren den Cuxhavener Basketball als Sponsor fördert, ist jetzt offensichtlich auch die treibende Kraft gewesen, das Trainerduo zu schassen und Nicol als Trainer zu inthronisieren. Junghans agiert, als ob er wieder in der Geschäftsführung tätig ist. Diesen Posten hatte er sich vor der Beschäftigung von Nicol mit drei anderen Mitstreitern geteilt. In die damalige Ära fällt auch die Nichtverlängerung des Vertrages mit dem Erfolgscoach Moris Hadzija, der mit den Baskets in die ProB aufgestiegen war. Junghans soll auch hier einen nicht unwesentlichen Anteil an dieser Entscheidung gehabt haben. Süffisanterweise gehört übrigens Hadzija immer noch dem Gesellschafterkreis an, aber zu dem Teil, der nicht aktiv in das Geschehen eingreift.

Jetzt bleibt die Frage: Warum wird der Bock zum Gärtner gemacht? Überzeugt er nun mit seinen Referenzen als Trainer? Nicol war immerhin in Gotha Coach der zweiten Mannschaft in der 2. Regionalliga und übernahm später erst interimsmäßig und dann ganz die Aufgaben des Trainers beim ProA-Liga-Team. Oder hat die Umstrukturierung doch nur finanzielle Gründe? Möglicherweise müssen für den Sanierungsprozess einfach nur Personalstellen gestrichen werden. Oder hat womöglich der bei einem Training eskalierte Streit zwischen Trainer Stackhouse und Topscorer Jordan Rezendes dazu geführt? Gut möglich, dass sich die Verantwortlichen entscheiden mussten.

Wichtig bei allem Für und Wider bei den getroffenen Entscheidungen ist es, dass die Baskets wieder an Glaubwürdigkeit und Renommee gewinnen. Nach all den Reibereien und Unzulänglichkeiten in dem Klub wird es perspektivisch immer schwieriger, Fans, Spieler und Förderer von dem Basketball-Projekt in Cuxhaven zu überzeugen.

Frank Lütt

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

fluett@no-spamcuxonline.de

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