Die große Einsamkeit des Bernt Lüchtenborg

26.06.2009

Trans Ocean verabschiedet 55-Jährigen zu Doppel-Nonstop-Weltumseglung

Von Thomas Sassen Die Motivation? "Leidenschaft, Begeisterung für das Segeln, frag? nicht nach dem Sinn.? Auf diesen Satz bringt Bernt Lüchtenborg das bislang einmalige seglerische Projekt, zu dem er am Sonnabend um 17 Uhr in Cuxhaven starten wird. Er will die Erde nicht nur einmal, sondern zweimal umsegeln. Und das nonstop und allein. 18 Monate kalkuliert Lüchtenborg für die Strecke von mindestens 65 000 Seemeilen ein. Nur einmal wird er im Vorhafen von Gran Canaria oder Teneriffa Anker werfen, um frisches Wasser und 1,3 Tonnen Proviant an Bord zu nehmen. Ohne an Land zu gehen, soll es nach längstens einem Tag dann wieder weitergehen. So weit der verwegene Plan des 55-Jährigen, der vor vier Jahren in Cuxhaven von seiner ersten, fünf Jahre dauernden Weltumseglung zurückkam. Ohne viel Aufhebens landete der Einhandsegler damals in der SVC. Von Kapstadt war er 6000 Seemeilen gesegelt, ohne zwischendurch einen Hafen anzulaufen. "Das war hart damals, aber mich fasziniert es, besonders lange Strecken zu segeln?, erinnerte sich der braun gebrannte Tausendsassa gestern. Was sich der ehemalige erfolgreiche Bauunternehmer aus Weyhe bei Bremen jetzt vorgenommen hat, übersteigt die Vorstellungskraft selbst gestandener Seeleute, wie Trans-Ocean-Vorstandsmitglied Jürgen Mittelstädt, der Lüchtenborg heute offiziell verabschieden wird. Wilfried Erdmann, der bekannte deutsche Weltumsegler, war 2000 nach 343 Tagen die erste deutsche Nonstop-Erdumrundung "gegen den Wind? (von Ost nach West) gelungen, die er in Cuxhaven begann und beendete. Denn Erdmann ist ebenso wie Lüchtenborg Mitglied im Verein Trans Ocean. Für seine erste Weltumseglung erhielt Lüchtenborg 2005 sogar den Trans Ocean Preis. Auch beim neuen Unternehmen, das unter dem Titel "sail2horizons? in Fachzeitschriften und besonders im Internet vermarktet wird, unterstützt ihn der Verein aus Cuxhaven finanziell. Weil der Verein für den Abenteurer ein fester Bezugspunkt ist, segelt auch seine neue Jacht, die "Horizons? unter Heimathafen Cuxhaven. Dunkelblauer Rumpf, weißer Mast. Eine schöne, schiffige Linie und ein stabiles, aber flaches Deckshaus zeichnen die 16-Meter-Sloop aus Aluminium (Typ Glacer 52) aus, die 17,5 Tonnen wiegt und sogar für die Fahrt ins Eis klassifiziert ist. Die besonders starken Segel lieferte die Segelwerkstatt von Jens Nickel. Sie müssen, wie auch die umfangreiche Navigations- und Kommunikationstechnik, die nächsten eineinhalb Jahre ? trotz Dauerbetrieb ? unbeschadet überstehen. Dazu gehören auch Kameras, die via Satellitenantenne ständig Bilder von Bord ins Internet liefern. Andersherum will der Segler aus bestimmten Meeresregionen aktuelle Daten über Wetter und Wasserqualität an das Institut für Ostseeforschung in Warnemünde liefern. Wer den Weg Lüchtenborgs verfolgen will, erhält auf dessen Internetseite www.sail2horizons.com jederzeit den aktuellen Standort der Jacht geliefert und kann sogar ins Logbuch einsehen. Auch der Abschied von Cuxhaven wird live zu verfolgen sein. Über winkende Menschen auf der Seebäderbrücke würde sich Lüchtenborg aber noch mehr freuen.

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