Nordseegarnelen im Kescher: In der Küchensprache werden sie generisch Krabben genannt. Foto: Fischer
Nordseegarnelen im Kescher: In der Küchensprache werden sie generisch Krabben genannt. Foto: Fischer
Schaufischfang

Die Unterwasserwelt im Wandel: Deshalb sind Elbe und Nordsee vor Cuxhaven so schützenswert

von Tim Larschow | 12.08.2022

CUXHAVEN. Die Elbe steckt voller Überraschungen und verbirgt unter der Wasseroberfläche eine große Artenvielfalt. Auf einer Schaufischfangfahrt mit der "Wappen von Borkum" vor Cuxhaven wird jedoch auch deutlich, das die Erwärmung der Ozeane große Auswirkungen auf die Elbe vor Cuxhaven hat.

Schaufischfang auf der Elbe, das heißt das Netz zum Fischefangen auswerfen, aufmerksam sein und Fragen stellen. Die Erklärungen zu den im Netz gelandeten Lebewesen und der komplexen Zusammenhänge liefert an Bord Karsten Bronk. Er ist unter anderem Wattführer, Autor und Journalist. Seit seinem fünften Lebensjahr hat er eine Leidenschaft für alle Ozeane und seine Bewohner entwickelt.

Schutz der Meere

"Ich erkläre an Bord alles, was aus dem Wasser kommt oder durch die Luft fliegt", beschreibt der 62-Jährige. Bronk versucht den Gästen - vor allem den Kindern - seine Faszination für den Lebensraum weiterzugeben. "Dabei ist es mir besonders wichtig, deutlich zu machen, wie wichtig der Schutz der Meere ist. Was Kinder riechen, schmecken und berühren können, begreifen sie schnell." Fischstäbchen würden eben nicht im Meer schwimmen, lacht er.

Nordseegarnelen und Plattfische

Doch wie landen die Tiere eigentlich auf dem Ausflugsdampfer? Am Heck der "Wappen von Borkum" befindet sich ein Ausleger mit einem sogenannten Kurren. Das sind spezielle beutelartige Grundschleppnetze, die für den Fang von Nordseegarnelen und Plattfischen eingesetzt werden.

Nachdem die Besatzung das Netz zu Wasser gelassen hat, wird es in etwa fünf bis sechs Metern Tiefe 15 Minuten über den Medemgrund gezogen. Dann wird es spannend. "Man weiß vorher nie, was einen erwartet. Wir hoffen natürlich immer möglichst viele verschiedene Fischarten und Krabben im Netz zu haben. Dann macht mein Job nämlich richtig Spaß", erzählt Karsten Bronk.

"Das ist ein gutes Zeichen"

Glück gehabt! Die Tiere werden direkt sortiert. Stinte, Heringe, Schollen, Krabben und vieles mehr rutscht aus dem Netz in eine Box mit Meerwasser. Damit die Fische nicht zu viel Zeit außerhalb des Wassers verbringen, beginnt Bronk sofort mit den Erklärungen. Auch Anfassen ist möglich - aber Vorsicht mit den Scheren der Krebse. Besonders freute sich der Experte über die große Anzahl an Jungfischen. "Das ist ein gutes Zeichen."

Um 1,3 Grad Celsius gestiegen

Doch einige Arten gehen der Cassen Eils-Crew nur noch selten ins Netz - und das hat einen Grund. Nord- und Ostsee haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erwärmt, berichtet das Bundesverkehrsministerium als Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Die mittlere Oberflächentemperatur der Nordsee sei demnach zwischen 1969 und 2017 im Schnitt um 1,3 Grad Celsius gestiegen. Dadurch tummeln sich mittlerweile einige ungewöhnliche Gäste in der Nordsee. Sepien, Kalmare und Sardinen gefalle es hier immer besser. Die Sardinen würden zum Beispiel in der Helgoländer Bucht laichen. Diesem neuen Nahrungsangebot folgt der Blauflossen-Thunfisch, der bis vor etwa 50 Jahren in der Nordsee verbreitet war. In den 1960er-Jahren begann die Population aufgrund von jahrzehntelanger Überfischung dramatisch zu schrumpfen, in den 1970ern war der imposante Raubfisch schließlich gänzlich aus den nordischen Gewässern verschwunden.

Heimische Arten auf dem Rückzug

Doch nicht alle Fische lieben die wärmeren Temperaturen. "Dem heimischen Kabeljau und der Makrele macht der Temperaturanstieg zu schaffen, sie laichen zu früh und finden nicht genug Plankton als Nahrung, sie ziehen immer weiter nach Norden", erklärt Bronk. Aber wenn sich eine Lücke öffnet, biete das Platz für andere Arten.

Es werde immer Fisch in Elbe und Nordsee geben. Manche Arten, die man an der Küste gewohnt sind, würden allerdings verschwinden, dafür andere hier ein neues Zuhause finden. Dennoch sei es unerlässlich, alles zu tun, um diesen Lebensraum zu schützen und einen weiteren Temperaturanstieg der Meere zu verhindern, fordert Karsten Bronk.

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Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tlarschow@no-spamcuxonline.de

 

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