Die Unterschiede sind noch erkennbar: Der "Frontmann" der Deicharbeiter, der 2011 neu gegossen und aufgestellt wurde, ist etwas heller und bläulicher als seine beiden älteren Kollegen. Torsten Heitsch, Geschäftsführer des Hadelner Deich- und Uferbauverbandes, ist jedenfalls froh, dass das Trio seit neun Jahren wieder vereint ist. Foto: Mangels
Die Unterschiede sind noch erkennbar: Der "Frontmann" der Deicharbeiter, der 2011 neu gegossen und aufgestellt wurde, ist etwas heller und bläulicher als seine beiden älteren Kollegen. Torsten Heitsch, Geschäftsführer des Hadelner Deich- und Uferbauverbandes, ist jedenfalls froh, dass das Trio seit neun Jahren wieder vereint ist. Foto: Mangels
Kriminalität

Diebstahl vor zehn Jahren in Otterndorf: Was passierte mit dem Kunstwerk?

von Christian Mangels | 07.12.2020

OTTERNDORF. Vor zehn Jahren "entführten" Unbekannte die vordere Figur des Otterndorfer Deichbauer-Denkmals.

Zugegebenermaßen, der Vergleich mit dem Juwelen-Diebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden ist vielleicht etwas übertrieben, aber auch Otterndorf hatte einen spektakulären Kunstraub: Vor zehn Jahren stahlen und zerstörten Unbekannte den "Vordermann" des Deichbauer-Denkmals. Die Täter wurden nie gefasst.

Es ist eine kalte und weiße Winternacht im Dezember 2010, als der "Anführer" der Deichbauarbeiter-Skulpturengruppe des Künstlers Frijo Müller-Belecke spurlos verschwindet. Zurück bleiben nur die Stiefel des Bronzemannes - und eine Menge Fragen: Wer macht so etwas? Wieso hat niemand etwas bemerkt? Und was wollen die Diebe mit der Bronzefigur?

Torsten Heitsch, Geschäftsführer des Hadelner Deich- und Uferbauverbandes, kann auch zehn Jahre später nur mit dem Kopf schütteln, wenn er an den Kunstklau denkt: "Das war ein echter Hammer", sagt Heitsch. Er habe damals durch einen Anruf erfahren, dass aus dem Trio am Deich über Nacht ein Duo geworden war. Mit der Metallsäge oder der Flex hatten die unbekannten Täter den Bauarbeiter schamlos durchtrennt. "Uns war dann relativ schnell klar, dass hier Material- und nicht Kunstdiebe am Werk waren", erzählt Heitsch. Damals habe es eine ganze Reihe von Kupferdiebstählen gegeben, da passte der Skulptur-Diebstahl ins Bild. "Die Täter haben sich bestimmt erschrocken, als sie merkten, dass der Mann von innen hohl ist", glaubt der Bauingenieur für Wasserwirtschaft und Kulturtechnik.

Brauchbare Spuren? Augenzeugen? Fehlanzeige. "Es gab zwar eine Kamera am Deich, aber die guckte drüber weg", erinnert sich Heitsch. Auch eine Belohnung, die der Hadelner Deich- und Uferbauverband damals aussetzte, führte nicht zum Auffinden des Bronzemannes.

Ein beliebtes Fotomotiv

Erschaffen wurde die Skulpturen-Gruppe am Deich von dem Hemmoorer Künstler Frijo Müller-Belecke Mitte der 1990er-Jahre. Das Kunstwerk war zum Abschluss der 15-jährigen Bauarbeiten zur Erhöhung der Elbdeichlinie vom Hadelner Deich- und Uferbauverband in Auftrag gegeben worden und hatte damals ungefähr 187 000 Mark gekostet.

Die Gruppe soll an die Mühen der Küstenbewohner erinnern, das Land vor den Fluten zu schützen. Daher auch der offizielle Arbeitstitel für das Kunstwerk: "Keen nich will dieken, de mutt wieken." Die Bronze-Männer sind ein beliebtes Fotomotiv und für Torsten Heitsch die fleißigsten Kollegen, "weil sie 365 Tage im Jahr arbeiten".

Auch wenn die Kunstdiebe nie gefasst wurden, gab es für die Skulpturen-Gruppe doch noch ein "Happy End": Die Witwe von Frijo Müller-Belecke hatte die Gussform der Figuren noch nahezu komplett im Atelier in Hemmoor aufbewahrt. Der neu gegossene dritte Mann kam ein Jahr nach dem Kunstdiebstahl wieder an den Deich. Etwa 12 000 Euro ließ sich der Verband die Wiederkehr kosten.

Damit sich der Metallklau nicht wiederholt, sei die Skulpturen-Gruppe heute viel besser gesichert, versichert Heitsch.

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Christian Mangels

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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