Dieser 20-Jährige hat alles im Griff auf der Vogelinsel Scharhörn
KREIS CUXHAVEN. Auf dem Watteneiland Scharhörn kartiert der 20-jährige Christopher Esser Pflanzen, Vögel und angeschwemmten Müll.
Mal so richtig abschalten, nur Nordsee-Natur um sich herum haben - und tausende Vögel in der Nachbarschaft. Für Christopher Esser ist das gerade Alltag. Er ist der aktuelle Vogelwart auf Scharhörn, mitten im Hamburger Wattenmeer. Für den Münsteraner ist es seine ganz eigene, andere Welt. Zumindest für drei Monate. Unsere Reporterin hat sich mit ihm im getroffen.
"Ich hatte schon immer diesen Naturschutzaspekt in meinem Leben", so der 20-Jährige, der zukünftig Biowissenschaften, Landschaftsökologie und Meeresbiologie studieren möchte. "Wir haben früher mit der Familie immer viel Urlaub an der Küste gemacht, hauptsächlich in Dänemark." An die Küste zieht es ihn auch für seinen Bundesfreiwilligendienst nach dem Abi. Auf Sylt arbeitete er ein Jahr lang ehrenamtlich für die dortige Naturschutzgemeinschaft, einen gemeinnützigen Verein. Dort sammelte Christopher auch seine ersten Kenntnisse rund um das Biotop Wattenmeer und zur Ornithologie, der Lehre der Vögel. "Wir haben damals auch Springtidenzählungen und Wattwanderungen gemacht. Das fand ich richtig toll."
Auszeit bis zum Studienplatz
Für seine Auszeit bis zum ersehnten Studienplatz bewarb sich der sympathische 20-Jährige direkt bei anderen, ähnlichen Organisationen. Doch wegen Corona sei das gar nicht so einfach gewesen. Dann wurde er auf die Stelle als Vogelwart aufmerksam. "Ich fand die Idee sehr spannend, einfach mal drei Monate ganz alleine zu sein, sich viel mit sich selbst zu beschäftigen und diese Natur zu genießen." Komplett abgeschnitten sei er jedoch nicht. "Ich schaue abends auch mal Nachrichten, Netflix oder skype mit Freunden oder meiner Familie", erzählt während eines Besuchs auf der Nachbarinsel Neuwerk. "Ich komme hier immer mal wieder rüber. Dann machen wir auch mal ein Lagerfeuer und reden den ganzen Abend." Mit "hier" meint er das Nationalpark-Haus auf Neuwerk. Der Verein Jordsand beschäftigt hier immer wieder freiwillige Naturbegeisterte.
Seine Vorgesetzte ist Carolin Rothfuß, alle sind per "Du". Sie war es auch, die Christopher als neuen Vogelwart ausgewählt hat. "Er hat sich letztes Jahr im Herbst initiativ bei uns beworben und auch geschrieben, dass er schon mal Feldlerchen kartiert hat. Da habe ich ihn mir direkt geschnappt." Es folgten zwei Telefonate. "Dann war das eigentlich beschlossene Sache", bestätigen die zwei.
Auf der Nachbarinsel Neuwerk
Eine Entscheidung, die Christopher mehr als freut. Das spürt man mit jedem ganz bewussten und entspannten Schritt, den er während des Interview-Spaziergangs tut. Ganz weit weg, und doch so nah. "Letztens war ich meine Familie besuchen, das war echt schön, aber auch sehr anders", erzählt er, während der Wind an den Ohren vorbei pustet und das Wasser vor der Insel ansteigt. Die Flut kommt.
"Man bekommt hier draußen schon mehr mit, als man denkt, Aber es fühlt sich trotzdem alles so anders an, so ,abgespaced‘." Das gilt auch für die Corona-Krise. "Das wirkt irgendwie wie ein Problem einer anderen Welt, eine Welt, in der ich gerade nicht bin", sagt Christopher
Pflanzen und Vögel kartieren
In seiner Welt geht es vor allem ums Kartieren von Austernfischern, Brandgänsen, Lachmöwen, Silbermöwen und all den anderen Vögeln oder Pflanzen, die sich rund um Scharhörn wohl fühlen. Aber auch Müll sammeln und kartieren gehört dazu. "In den sozialen Medien wird immer wieder verbreitet, dass es in Cuxhaven kein Plastikproblem gibt. Das stimmt aber nicht. Es wird nur alles hier angeschwemmt, und das nicht gerade wenig." Noch bis Juni geht seine Auszeit auf scharhörn. Dann zieht es ihn für ein Praktikum zur nächsten Naturstation, zu den "Rieselfeldern" in Münster - einem Europareservat für Wat- und Wasservögel.