Dieser Gastronom ist der neue Inhaber des "Café Central" im Ostedorf
OSTEN. Er tauschte das pulsierende Großstadtleben in Hamburg gegen das ländliche Idyll in Osten ein, dort, wo noch beinahe jeder jeden kennt.
Oliver Porth lächelt zufrieden. Seit zwei Jahren lebt der in der Hansestadt an der Elbe aufgewachsene Gastronom nun schon im Schwebefährenort und ist Inhaber des historischen "Café Central".
"Als ich 18 Jahre alt war, noch während der Zeit meines Abiturs, fand ich Gefallen an der Gastronomie", blickt Oliver Porth zurück. "Zu dieser Zeit habe ich bereits begonnen, nebenbei an den Wochenenden auf der Reeperbahn in Kneipen zu arbeiten", so der 48-Jährige. "Mein Studium der Politologie habe ich zwar begonnen, aber dann doch recht schnell abgebrochen. Ich habe quasi die Politik gegen die Wirtschaft eingetauscht", sagt der Mann mit dem schütteren Haupthaar. Das Szene-Lokal "Woodpecker" in Hamburg-Altona, das er leitete, war ab 1996 für die nächsten acht Jahre die berufliche Heimat von Oliver Porth.
2004 sollte ein besonderes Jahr für Oliver Porth werden. Das Feuerschiff "LV 13" (LV steht für "Light Vessel"), das zuvor im Stadthafen von Stade lag, wurde an seinen neuen Standort in den City-Sporthafen nach Hamburg geschleppt. Und mit der mittlerweile knapp 70 Jahre alten englischen Lady wechselte auch Verena Urban, die Geschäftsführerin des Feuerschiffs, in die Millionenmetropole. "Ich heuerte dort an und arbeitete zunächst als Kellner. Später übernahm ich als Leiter den 'Maschinenraum‘", erzählt Oliver Porth. Er erklärt: "Das ist ein spezieller Teil des Feuerschiffes. Dort finden alle Events, Hochzeiten und andere Veranstaltungen mit Büfett und Musik, statt."
Porth erinnert sich: "Jeden Montag hatten wir dort unseren 'Blue Monday‘, eine über Hamburg hinaus bekannte Jazz-Veranstaltung." Oliver Porth und Verena Urban verliebten sich und sind seit ihrem Kennenlernen auf dem englischen Feuerschiff in Hamburg ein Paar. "Weil Verena aus Stade kommt und in der Nähe von Osten ihre Pferde hat, zogen wir im Jahr 2018 dort hin. Ich wollte meinen Lebensmittelpunkt ins Cuxland verlegen", schildert Oliver Porth. "Ich habe eine besondere Beziehung zum Wasser im Allgemeinen und zur Nordsee im Besonderen."
Ortswechsel ins Cuxland
Die Folge: Oliver Porth kaufte ein Haus in Ostens Ortsmitte, in idyllischer Lage, direkt auf dem Deich an der Oste gelegen. "Bis 2019 bin ich noch regelmäßig nach Hamburg gependelt", erzählt er "und nach Feierabend mit der ersten Bahn morgens um 4 Uhr nach Hause zurück nach Osten." Es war April 2019 und Oliver Porth bot sich die besondere Chance auf einen beruflichen Neuanfang: das Ostener "Café Central". "Der Vorgänger musste das Café aus Zeitgründen schweren Herzens abgeben, da griff ich zu." Seitdem ist Oliver Porth der Inhaber des um das Jahr 1800 errichteten klassizistischen Fachwerkbaus, das eines von über 20 Baudenkmalen in der historischen Ortsmitte von Osten darstellt. "Seitdem stecken wir beide unsere ganze Liebe und Arbeitskraft in das Café", schwärmt Oliver Porth. "Und wir haben es noch nicht bereut", bekräftigt der Inhaber. "Es ist jedes Mal toll zu sehen, wenn die Menschen zu uns ins Café kommen und wegen der besonderen und vor allem gemütlichen Atmosphäre strahlen." Sein Credo: "Wir freuen uns natürlich über Touristen, aber wir wollen hier auch der Treffpunkt für die Einheimischen sein."
Man sei ein "kinder- und hundefreundliches Lokal", hebt er hervor. Ist denn, weil das "Café Central" bis auf den Ruhetag Montag täglich geöffnet hat, überhaupt noch Zeit für andere Aktivitäten? "Weil mein Vater seit Jahren Schachtrainer ist, bin ich zu dieser Sportart gekommen. Ich spiele seit Jahren Schach im SV Bargteheide im Kreis Stormarn. Wir nehmen mit unserer Mannschaft aktiv am Spielbetrieb in der Oberliga, der dritthöchsten Spielklasse, teil."
Ja, und dann ist da ja noch sein Haus auf dem Ostedeich. Oliver Porth liebt das Schwimmen in der Oste. "Wenn es heiß ist, wie in den vergangenen beiden Sommern, dann springe ich auch mal von meinem Anleger in den Fluss." Während er das sagt, strahlt er über das ganze Gesicht. Wenn er also "seiner" Nordsee mal nicht so nah ist, dann genießt er das Leben am längsten niedersächsischen Nebenfluss der Elbe. "Ich fühle mich pudelwohl hier in Osten", sagt Oliver Porth voller Überzeugung. Das glaubt man dem ehemaligen Hamburger aufs Wort.
Von Arno Grewe