Inklusion gelebt:

Durchblick mit neuem Stadtplan   

26.06.2014

CUXHAVEN. „Besonders gut finde ich, dass man sehen kann, wo Rampen über den Deich führen“, sagt Andrea Keibel und zeigt auf den brandneuen Cuxhaven-Stadtplan vor ihr – den ersten „Stadtplan für Menschen mit besonderen Bedürfnissen“. Dass es ihn gibt, ist Andrea Keibel, der Schule am Meer und ihrem Förderverein und dem Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ zu verdanken.

Der werbefreie Stadtplan ist gut lesbar und verzeichnet neben den Deichrampen auch behindertengerechte WCs, Ampelanlagen mit akustischem Signal und Behindertenparkplätze. Auf der Rückseite gibt es Lesestoff: Seniorenangebote, Lebenshilfe-Projekte, barrierefrei zugängliche öffentliche Einrichtungen und Vereine werden vorgestellt.

10 000 Exemplare

Dank der Fördermittel und der Hilfe der Sponsoren Stadtsparkasse Cuxhaven und EWE ist der Plan kostenlos. Die Erstauflage beträgt 10 000 Exemplare, von denen bereits gut die Hälfte an zahlreichen öffentlichen Stellen ausgelegt worden ist.

Entstanden ist der Plan im Rahmen des Projektes „MiKoMi“ – „Mit Kommunikation miteinander zur Inklusion“. Neu ist auch ein umfassendes Heft mit dem Titel „Inklusionslotse Cuxhaven“. Bislang ist Inklusion im wahren Leben noch ein Nischenthema. Das Projekt „MiKoMi“ sollte zeigen, dass Inklusion auch mit kleinen Schritten weitergebracht werden kann.

Karin Ladda-Winkler, Leiterin der Schule am Meer, ist erschüttert darüber, dass Betroffene sich selber zusammensuchen müssen, welche Hilfen sie wo erhalten können. „Jeder weiß, dass das verbessert werden müsste, aber keiner kann es machen. Andrea Keibel hat hier so viel Arbeit investiert, das wäre für Ehrenamtliche nicht zu machen gewesen.“

Förderung gibt Freiheit

„Das ist die Freiheit, die einem so ein Förderprojekt gibt“, weiß Gaby Hoffmann, die bei der Stadt die „Toleranz-fördern – Kompetenz-stärken“-Projekte koordiniert. Projektträger war neben der Schule am Meer und der Stadt Cuxhaven der Förderverein der Schule am Meer. Vorsitzender Harald Wewerka: „Endlich konnten wir wieder ein satzungsgerechtes Projekt umsetzen und nicht nur den Bus für die Schulfahrten in Gang halten!“

Neben den Vorbereitungen für den Stadtplan wollte Andrea Keibel auch weitere behindertengerechte WCs in der Stadt finden. Die Stadtsparkasse erklärte sich als erstes bereit, ihre WC-Anlagen für Behinderte zu öffnen, noch sieben weitere zusätzliche WC-Anlagen kamen hinzu, noch nicht eingerechnet die Toilette im Haus der Jugend/Mehrgenerationenhaus.

Dank der Spenden von Stadtsparkasse und EWE konnte die Auflage des Stadtplans erhöht werden. Andrea Keibel: „Wichtiger noch als das Geld war aber das Interesse, das sofort da war – das kann auch ein Vorbild für andere Unternehmen sein.“

Offene Türen habe sie überall erfahren. Besonders eng war die Zusammenarbeit mit Christa Behrend: Die Ansprechpartnerin für Senioren und Behinderte bei der Stadt kann ein Lied von den Nöten der Betroffenen singen. Zum Beispiel, wenn sie bei einer Veranstaltung wieder mal vor der Treppe eines Toilettenwagens stehen: „Sie sind dann automatisch ausgeschlossen.“

„Schon die Vorarbeit hat Kontakt und Kommunikation gefördert“, freut sich Andrea Keibel. Ergebnis ist das Informationsheft „Inklusionslotse“ mit einer Auflage von 500 Stück. Es ist bei vielen Ärzten, in den Krankenhäusern, in der Schule am Meer und bei Christa Behrend im Rathaus erhältlich.

Darin sind zahlreichen Stellen aufgeführt, die helfen, sobald das Thema Behinderung in einer Familie aktuell wird.

Karin Ladda-Winkler weist trotzdem auf einen Fehler im System hin: „Durch die Aufteilung besteht die Gefahr, dass niemand mehr Verantwortung für die betroffene Person übernehmen muss. Viele erfahren gar nicht erst, was ihnen zusteht.“ Dabei seien die Zuständigen meist sehr hilfsbereit – „wenn man sie erstmal gefunden hat...“

Von Maren Reese-Winne

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