Ehrenamtliche wollen in Altenwalde weitermachen
ALTENWALDE. Die Notunterkunft für Flüchtlinge in Altenwalde war auch ein Musterbeispiel für bürgerschaftliches Engagement. Nun wollen die Ehrenamtlichen weitermachen. Von Maren Reese-Winne
Die Notunterkunft in Altenwalde hat innerhalb kürzester Zeit Kräfte freigesetzt. Menschen standen Schlange, um Hilfe anzubieten: Für den Sprachunterricht, die Kinderbetreuung, Freizeitbegleitung, Handwerk, Sport... Ganz plötzlich kam die Entscheidung über das Ende der Nuk. Und jetzt? Viele sind entschlossen, den Schwung mitzunehmen und weiterzumachen.
Die Flüchtlingsinitiative „Offenes Herz Altenwalde“ hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Menschen zusammenzuführen. Erste Angebote wie Schwimmen oder Malen für Kinder laufen bereits oder stehen kurz bevor. Grundsätzlich ist dabei das ganze Stadtgebiet im Blick.
In großer Runde trafen sich Nuk-Helferinnen und -helfer vergangene Woche im evangelischen Gemeindehaus in Altenwalde. Im Mittelpunkt standen die Ideen für die ersten Nachfolgeangebote:
- Sprachunterricht/Sprachbegleitung in Süderwisch, im Lehfeld, im Haus der Jugend, in Altenwalde
- Kinderbetreuung während des Sprachunterrichts
- Einbindung der Väter bei der Kinderbetreuung
- Unterstützerkreis für verschiedenen Aufgaben (Möbelbeschaffung, Begleitung bei Arztbesuchen, Behördengänge...)
- Begleitung von Schwangeren (zum Beispiel beim Kauf der gebrauchten Erstausstattung oder Suche nach Arzt oder Hebamme)
- Lesepaten in der Süderwisch-Schule.
Die einzelnen Bereiche wurden kurz vorgestellt, Sorgen und Nöte, aber auch positive Erfahrungen geschildert. Eines der größten Probleme: An die Menschen heranzukommen, sobald sie die Notunterkunft verlassen haben.
Behörden dürfen über den Wohnort keine Auskunft geben. Auch, wenn viele Flüchtlinge gut vernetzt seien, gebe es diverse, die seit Wochen ohne Ansprechpartner in der Stadt lebten und über keinerlei Kontakte verfügten, hieß es. Dabei müsste dringend vermieden werden, was in den Großstädten droht: Vereinzelung, Frust, Depression, Gefährdung.
Vor allem Flüchtlinge, die noch keine offiziellen Integrationskurs zugewiesen bekommen haben, müssten aufgefangen werden. Susanne Rademacher, Koordinatorin der Sprachkurse in der Nuk, stellte das Konzept vor, das dort erfolgreich gelaufen ist. Der ehrenamtliche Sprachunterricht basiert reinweg auf freiwilligem Engagement und ist offen für alle Interessierten – auch ohne Lehrer zu sein. Susanne Rademacher: „Es ist eine Unterstützung, kein Kurs.“
Mohamed Aalami vom „Café Vielfalt“ des Paritätischen berichtete, dass die Flüchtlinge darauf brennen, das, was sie gelernt haben, anzuwenden: Sie wollen sprechen, sprechen, sprechen.
Sprechen ist alles
Das gelte im übrigen auch für viele Menschen, die schon lange in Cuxhaven wohnten und in drei Jahren noch keinen offiziellen Kurs erhalten hätten. Daher werden für September wieder Sprachpaten gesucht.
Wer mitmacht, muss sich erstmal nur für sechs Wochen binden. Pro Woche ist ein Treffen mit dem Sprachpartner vorgesehen. Die Unterstützergruppe gibt die Möglichkeit, sich auch für ein einzelnes Projekt zu engagieren, das dann auch beendet ist. Beim Thema „Arztbegleitung“ entwickelte sich eine Diskussion, ob dies nicht zu persönlich sei.
Schon Weg ist Problem
Dabei stellte sich heraus, dass das eigentlichen Probleme bereits vorher liegen: Schon beim Weg zum Arzt, der für die Neuankömmlinge ein unüberwindbares Hindernis ist, oder beim Vereinbaren eines Termins.
„Ehrenamtliche können und müssen nicht alles“, so war die einhellige Meinung. Die derzeitige Lage könne auch eine Chance sein: „Sie zeigt gut, welche Strukturen bisher bei uns gefehlt haben.“
Kontakt
Während Alexandra Marx und Hans-Wilhelm Schüring übergangsweise ehrenamtlich die Angebote koordiniert hatten, ist mittlerweile Mirjam Schneider als Koordinatorin der Flüchtlingsinitiative angestellt worden.
Helfer sind ihr dringend willkommen: Telefon 01 63-35 90 644.