Ein deutliches Zeichen von Zivilcourage
Der geschasste Chefarzt der Otterndorfer Capio-Klinik, Dr. Bernward Steinhorst, hat sich für die Krankenhaus-Betriebsratswahl aufstellen lassen.
Dazu ein Kommentar von Wiebke Kramp.
Das nennt man wohl Chuzpe. Maulkorb, Hausverbot und Kündigung zum Trotz hält Dr. Bernward Steinhorst seinem Krankenhaus und der Belegschaft die Treue. Mehr noch, er lässt sich zu den Betriebsratswahlen aufstellen und wird dann sogar gewählt. Unter 18 Bewerbern mit dem viertbesten Ergebnis. Gratulation.
Dabei hatte der geschasste Chefarzt noch nicht einmal die Chance, an seiner Otterndorfer Capio Klinik Land Hadeln wegen besagtem Hausverbot proaktiv Wahlwerbung zu betreiben. Umso mehr muss das Ergebnis als ein Zeichen gedeutet werden, dass Steinhorst immer noch als beliebter, respektierter und geschätzter Kollege sowie Vorgesetzter von den Klinik-Mitarbeitern gesehen wird, dessen Zwangsweggang man ganz offensichtlich bedauert. Immer wieder hört man Wertschätzung für sein Wirken, weil er für Medizin mit menschlichem Antlitz steht und Patientenwohl vor Profit stellt. Gleichwohl ist Steinhorsts Wahl zum Betriebsrat ein deutlicher Ausdruck, dass am Krankenhaus keineswegs nur eitel Sonnenschein herrscht. Dies wird zwar gern in vorformulierten Presseerklärungen oder schwer nachprüfbaren Marktforschungsanalysen beispielsweise von Krankenkassen kommuniziert. Doch das Klima an der Klinik ist kälter, ist ungemütlicher geworden. Schärferer Wind bläst der Belegschaft aus der verwaltenden Chefetage entgegen.
Da ist es wohltuend, wenn es Menschen wie Steinhorst gibt, die mutig für Mitarbeiter und Patienten eintreten, die Systemfehler benennen, damit sie sich nicht wie ein böser Keim ausbreiten und das Krankenhaus befallen.
Man kann dies als Zeichen von Zivilcourage werten – oder es eben Chuzpe nennen. Das ist jiddisch und steht für eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit.