Ein deutliches Zeichen von Zivilcourage

22.05.2018

Der geschasste Chefarzt der Otterndorfer Capio-Klinik, Dr. Bernward Steinhorst, hat sich für die Krankenhaus-Betriebsratswahl aufstellen lassen.

Dazu ein Kommentar von Wiebke Kramp.

 

Das nennt man wohl Chuzpe. Maulkorb, Hausverbot und Kündigung zum Trotz hält Dr. Bernward Steinhorst seinem Krankenhaus und der Belegschaft die Treue. Mehr noch, er lässt sich zu den Betriebsratswahlen aufstellen und wird dann sogar gewählt. Unter 18 Bewerbern mit dem viertbesten Ergebnis. Gratulation.

Dabei hatte der geschasste Chefarzt noch nicht einmal die Chance, an seiner Otterndorfer Capio Klinik Land Hadeln wegen besagtem Hausverbot proaktiv Wahlwerbung zu betreiben. Umso mehr muss das Ergebnis als ein Zeichen gedeutet werden, dass Steinhorst immer noch als beliebter, respektierter und geschätzter Kollege sowie Vorgesetzter von den Klinik-Mitarbeitern gesehen wird, dessen Zwangsweggang man ganz offensichtlich bedauert. Immer wieder hört man Wertschätzung für sein Wirken, weil er für Medizin mit menschlichem Antlitz steht und Patientenwohl vor Profit stellt. Gleichwohl ist Steinhorsts Wahl zum Betriebsrat ein deutlicher Ausdruck, dass am Krankenhaus keineswegs nur eitel Sonnenschein herrscht. Dies wird zwar gern in vorformulierten Presseerklärungen oder schwer nachprüfbaren Marktforschungsanalysen beispielsweise von Krankenkassen kommuniziert. Doch das Klima an der Klinik ist kälter, ist ungemütlicher geworden. Schärferer Wind bläst der Belegschaft aus der verwaltenden Chefetage entgegen.

Da ist es wohltuend, wenn es Menschen wie Steinhorst gibt, die mutig für Mitarbeiter und Patienten eintreten, die Systemfehler benennen, damit sie sich nicht wie ein böser Keim ausbreiten und das Krankenhaus befallen.

Man kann dies als Zeichen von Zivilcourage werten – oder es eben Chuzpe nennen. Das ist jiddisch und steht für eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit.

Lesen Sie auch...
Kommentar zum Trainerwechsel

Die Baskets machen den Bock zum Gärtner

von Frank Lütt | 06.12.2018

Die Cuxhaven Baskets geraten in eine finanzielle Schieflage und Entscheidungen müssen getroffen werden. Neben dem Insolvenzantrag ist die richtungsweisendste Handlung die Trainerentscheidung.

Kommentar zur Ärzteversorgung

Hausärzte im Cuxland: Nicht allein die Papierlage betrachten

von Wiebke Kramp | 29.11.2018

Zwischen Plan und Wirklichkeit klaffen manchmal Welten. Dass im Gebiet Cuxhaven-Steinau und Otterndorf die hausärztliche Versorgungsquote im Bedarfsplan bei annähernd 100 Prozent liegt, dürfte bei den dort praktizierenden Medizinern für Verblüffung sorgen.

Kommentar zur Stadtschreiberin

Knatsch in Otterndorf: Auch im Streit Größe zeigen

29.11.2018

Ja, es hat zuletzt mächtig geknirscht zwischen der Stadt Otterndorf und der Stadtschreiberin. Doch auch im Streit, so bitter er auch sein mag, sollte man Größe zeigen, statt sich beleidigt wegzuducken.

Kommentar zur Archäologie

Städtische Funde: Cuxhaven darf stolz sein

von Maren Reese-Winne | 29.11.2018

Die Stadt täte gut daran, gerade in dieser aufstrebenden Zeit den Posten der Stadtarchäologie abzusichern und auf eine fachliche Neubesetzung hinzusteuern.