Das Elb-Link-Fährschiff am Steubenhöft im Jahr 2015. Foto: Adelmann
Hoffnung um Fährverbindung

Elbfähre Cuxhaven-Brunsbüttel: Glaube an "Wunder" stärker als Tatsachen?

von Ulrich Rohde | 22.01.2020

KREIS CUXHAVEN. Kritiker betrachten die neuen Bemühungen um die Fährverbindung zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel mit großer Skepsis.

Kürzlich trafen sich Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer und Brunsbüttels Bürgermeister Martin Schmedtje, um sich gegenseitig in dem Willen zu bestärken, eine Fährverbindung zwischen beiden Städten wieder aufzunehmen. Allerdings warnen nun Schifffahrtsexperten wie der Cuxhavener Sachverständige Jürgen Grzeskowiak davor, die gleichen Fehler zu wiederholen, die zum Scheitern der bisherigen Versuche geführt haben, die Elbe an der Mündung zu überqueren.

Vorhaben stößt auf Kritik

Insbesondere das Vorhaben, bereits vorhandene Fährschiffe zu chartern, stößt dabei auf Kritik. Laut Cuxhavens Wirtschaftsförderung sei ausreichend gebrauchte Tonnage auf dem Markt vorhanden. Dem widerspricht der Grzeskowiak. 

Ansprüche nicht erfüllt

Danach halte die Klassifikationsgesellschaft Bureau Veritas seit Jahren Ausschau nach geeigneten, gebrauchsfähigen und für das Einsatzgebiet "technisch und wirtschaftlich" vertretbaren Fährschiffen. Zwar lägen etliche alte Fährschiffe auf, sie erfüllten aber nicht die vielseitigen Ansprüche, die an Schiffe für das Fahrgebiet gestellt werden müssten.

Geltende Geschwindigkeitsbegrenzung

Dazu zähle unter anderem die geltende Geschwindigkeitsbeschränkung von 15 Knoten für Schiffe mit mehr als 90 Metern Länge. Diese Vorgabe grenze die zur Verfügung stehenden gebrauchten Schiffe erheblich ein. Auch die Schiffsform, ob Ein- oder Doppelrumpf, die Seetüchtigkeit und die Antriebsart spielten eine wichtige Rolle.

Vertrauensverlust droht

In einem Schreiben an Cuxhavens Oberbürgermeister warnt Grzeskowiak vor weiterem Vertrauensverlust, sollte auch das nächste Fährvorhaben schiefgehen. Aus dem "Elb-Link"-Desaster mit ungeeigneten Fährschiffen seien keine Lehren gezogen worden. Auch den Versprechungen von Elbferry-Geschäftsführer Heinrich Ahlers, todsicher eine Fähre an den Start bringen zu können, habe man leichtfertig vertraut. Für Grzeskowiak ist es nicht nachvollziehbar, dass trotz des Glaubwürdigkeitsverlustes auch weiter das Gespräch mit Ahlers gesucht werden soll.

Loch noch nicht tief genug?

Grzeskowiak: "Anscheinend ist das Loch, in das man mit der Elbferry GmbH im letzten Jahr gefallen ist, noch nicht tief genug gewesen, beziehungsweise die Hilflosigkeit ist dermaßen groß, dass der sogenannte Strohhalm retten soll." Offenbar sei der Glaube an ein "Wunder" stärker gewesen, als die Tatsache der eingetretenen Insolvenzen.

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Ulrich Rohde

Stellv. Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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