Wird es einen Neustart der Elbfähre geben? Foto: Archiv
Kommentar zur Elbfähre

Elbfähre: Vor Neustart noch viele Fragezeichen

von Thomas Sassen | 18.11.2018

Nun mehren sich die Anzeichen, dass eine Neuauflage der Fährlinie zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel für das kommende Frühjahr bevorsteht.

Heinrich Ahlers ist der Mann, der in der Angelegenheit die Strippen zieht. Er ist optimistisch, dass er die Linie wieder in Gang bekommt und dass sie sich auch rechnet. Und Ahlers ist weiter als viele gedacht haben. Die neue Firma heißt Elbeferry GmbH und wird in der nächsten Woche im Handelsregister eingetragen.

So weit die gute Nachricht, die vor dem Hintergrund der schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit natürlich noch mit einiger Vorsicht zu genießen ist.

Denn der oder die neuen Betreiber müssten zunächst einmal plausibel erklären, woher sie den Optimismus nehmen, es besser zu können als ihre Vorgänger, die immerhin schon dreimal gescheitert sind, rechnet man die Elbe-Ferry von 1999 bis 2001 hinzu.

Natürlich würden sich die Menschen hüben und drüben freuen, leichter über den großen Fluss zu kommen. Für die Wirtschaft wäre es ein großer Gewinn. Endlich könnten große und gefährliche Ladungen an Hamburg und Wischhafen vorbei über die Elbe transportiert werden. Eine "neue Fähre" wäre das Weihnachtsgeschenk 2018.

Doch - und das ist die schlechte Nachricht - es wird sie nicht umsonst geben, sondern den Steuerzahler Millionen kosten, bevor es richtig losgehen kann.

Denn wenn es Ahlers gelingen sollte, Investoren und Schiffe für den Betrieb der Fährlinie zu aktivieren, müsste besonders auf der schleswig-holsteinischen Seite noch kräftig in die Infrastruktur investiert werden. Das betrifft sowohl den Anleger als noch viel mehr die Zufahrtstraße dorthin. Anlieger hatten schon zu Zeiten von ElbLink auf den völlig unzureichenden Zustand der Straße mit Namen "Zum Elbdeich" hingewiesen. Ein kurzes Stück von vielleicht einem Kilometer, aber das hat es in sich. Die Straße ist mit rund sechs Metern viel zu schmal für Schwerlast- und Gefahrgut-Lkw. Das hat ein Gutachten nachgewiesen, das die Stadt Brunsbüttel noch zu Zeiten der alten ElbLink in Auftrag gegeben hatte. Doch genau diese Gefahrgut-Lkw haben die neuen Fährbetreiber im Blick, wenn sie die Wirtschaftlichkeitsrechnung für diese Verbindung aufstellen. Schließlich dürfen Gefahrgüter nur sehr eingeschränkt durch den Elbtunnel in Hamburg und über die Elbefähre Wischhafen-Glückstadt transportiert werden.

Lkw-Transporte würden also das Rückgrat der neuen Fährverbindungen darstellen. Von 50 000 Lkw jährlich geht das Gutachten aus, das Ahlers für seine Berechnungen zugrunde legt. Das wären täglich mehr als 130 und entspräche einer Länge von über 1,7 Kilometern, wenn man sie hintereinander aufstellen würde.

Thomas Sassen

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tsassen@no-spamcuxonline.de

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