Elbterrassen Otterndorf: Noch in der Findungsphase
OTTERNDORF. Die Lage ist zweifelsohne einzigartig. Der Ferienhausentwickler Planet-Gruppe mit seinem Vorstand Sven Hollesen hat im April dieses Jahres die Traditionsgaststätte am Seglerhafen Otterndorf von Michael Dock gekauft. Seine Pläne: Anstelle der Elbterrassen soll ein neues Hotel mit Veranstaltungsbereich plus Gastronomie für Gäste wie Einheimische entstehen.
Doch dies ist Zukunftsmusik, spruchreif ist gegenwärtig noch gar nichts. Was sich dort an exponierter und sensibler Stelle entwickeln kann und darf, ist in der Findungsphase - und in die ist die Politik eingebunden.
So einfach, wie das Wort Neubaupläne klingt, ist es nicht. Die Gemengelage ist ganz schön kompliziert. Schließlich haben nicht nur die Stadt und der Landkreis ein Wörtchen mitzureden. Denn auch Deich- und Naturschutzbelange gilt es bei diesem Außendeichsgrundstück zu berücksichtigen. In einem Gespräch zum gegenwärtigen Stand bekräftigten die Otterndorfer Fraktionsspitzen Malte Hinck (SPD), Steffen Matzner (CDU), und Carsten Nickel (FDP), Bürgermeister Thomas Bullwinkel (CDU) und Stadtdirektor Harald Zahrte (parteilos), dass der Bau zu Otterndorf passen müsse. Darin sei man sich einig, diese Position vertrete man auch gegenüber dem neuen Eigentümer. Es gebe einen Arbeitskreis, in dem die Investoren gemeinsam mit Vertretern jeder Fraktion, Stadt- und Kreisverwaltung sowie Deich- und Uferbau- und Medemverband zusammenkommen.
Noch Abstimmungsbedarf
Während der Eigentümer offensichtlich auf die Tube drückt, dort die Entwicklung voranzutreiben, ein wirtschaftliches Unternehmen aufzuziehen, sehen Politik und Verwaltungen noch Abstimmungsbedarf. Wichtig sei ihnen, dass die Weiterentwicklung von der Bevölkerung mitgetragen und akzeptiert wird, betonen die Stadtratspitzen unisono. Die Otterndorfer Politiker setzen für einen Bau an derart exponierter, besonderer Stelle auf einen Architektenwettbewerb.
Wie auch bei anderen Bauvorhaben der zurückliegenden Jahre werde auf die städtebauliche Qualität geachtet. Inwiefern ökologisch-nachhaltige Vorgaben und Bauweise eine Rollen spielen werde, stehe gegenwärtig noch nicht fest.
"Eine Bereicherung"
Ein Hotel vor allem in dieser einzigartigen Lage nennt Bürgermeister Thomas Bullwinkel "eine Bereicherung für die ganze Stadt". Carsten Nickel sieht darin "eine Chance die wir wahrnehmen müssen, gerade angesichts stagnierender Übernachtungszahlen". Überzeugt zeigt sich Steffen Matzner: "Die Gäste werden auch Geschäfte und Restaurants in der Innenstadt nutzen." Eines stehe fest, so Malte Hinck: "Alle Fraktionen sind sich einig, sie möchten ein Projekt, mit dem sich auch die Otterndorfer identifizieren können." Harald Zahrte: "Es werden auf der vorhandenen Fläche mit Sicherheit keine 21 Stockwerke entstehen." Er räumt allerdings ein, dass die angedachte Hotelgröße noch nicht ausreichend verhandelt sei. Vielmehr gelte es auszuloten, was dahin passe sowie welche Flächen Deich- und Uferbau- sowie der Medemverband abzugeben bereit sind.
Die Elbterrassen sind wichtiger Baustein im Gesamtpaket Zukunftstourismus. Nach dem Kauf des Otterndorfer Café-Restaurants mit Panoramablick durch die Planet Gruppe hatte Investor Sven Hollesen bereits angekündigt, es als Teilbereich in die kommende touristische Entwicklung zu integrieren. Ausdrücklich wollte der neue Eigner ein Angebot für Urlauber wie Einheinsche gleichermaßen schaffen. Und bis er neu bauen könne, so hat er bereits gegenüber der Stadt signalisiert, werde dort der gastronomische Betrieb weiterlaufen.
Zur Erinnerung: Als Investor plant Hollesen schon seit einigen Jahren, dem Tourismus in Otterndorf neuen Schwung zu verschaffen. Die Planet-Haus-Gruppe des Dänen wollte dazu bis zu 280 weitere Übernachtungseinheiten in drei modernen Feriendörfern hinterm Deich bauen. Die entsprechende Absichtserklärung legte Hollesen gemeinsam mit der Weser-Elbe-Sparkasse und der Stadt Otterndorf bereits im Sommer 2017 vor.
In 2018 präsentierte er seine Pläne öffentlich, die anschließend ausgesprochen kritisch diskutiert wurden. Knackpunkt war seinerzeit die Überplanung der beliebten Frei- und Freizeitfläche am See achtern Diek. Diese Fläche ist mittlerweile als Baugrund vom Tisch. Vielmehr möchte die Stadt Otterndorf, dass sich hinter der Spiel- und Spaßscheue bis zur Medem sowie auf einem bisherigen Maisacker ein neues Feriengebiet entwickeln kann. Dafür fertigt ein Planungsbüro städtebauliche Entwürfe.
Offen ist zurzeit bei den Elbterrassen nicht nur die architektonische Frage, sondern im Zuge eines Hotelbaus müsse auch die Parkplatzsituation noch geklärt werden, erläutert Harald Zahrte, denn der bisherige Parkplatz könne dafür nicht genutzt werden.
Bevor also in neuen Elbterrassen gegessen, gefeiert und übernachtet werden kann, fließt noch jede Menge Wasser die Elbe hinunter. Und es bleibt knifflig: Stadtdirektor Zahrte konstatierte: "Da ist noch ein bisschen Musik drin ..."
Planet-Gruppe entwickelt Feriendörfer
Die Planet-Gruppe, von Sven Hollesen und seinem Bruder Torben 1988 gegründet, ist ein Ferienhaus-Konzern in Dänemark und Norddeutschland. Sie entwickelte viele touristische Ferienhausprojekte - an Nord- und Ostsee und im Harz. Otterndorf zählt bereits mit dem Ferienhauspark in der Seenlandschaft zu ihren Referenzprojekten. Ferienimmobilien in attraktiven Lagen werden Käufern als gewinnbringende Anlageobjekte vermittelt. Projekte existieren in Friedrichskoog nahe der Nordsee, die Marina Wendtorf an der Ostsee, in St. Andreasberg im Harz sowie Tropical Islands bei Berlin. Größtes Hollesen-Projekt ist die Bebauung des Priwalls in Travemündee mit modernen Villen und Ferienwohnungen und einem Tagungshotel.