Fall Nancy: Polizei sucht nach Leiche
HECHTHAUSEN. Akribisch buddeln und bohren 20 Polizeibeamte auf dem rund 2500 Quadratmeter großen Grundstück in Hechthausen-Bornberg. Meter für Meter des Rasens wird aufgewühlt. Wenig später läuft ein Beamter mit einem Leichenspürhund der Polizeidirektion Oldenburg das Gebiet ab - auf der Suche nach Beweismitteln im Fall der vermissten Nancy Köhn.
Seit über einem halben Jahr ist die 27-jährige Nancy Köhn verschwunden. Die Polizei tappt weiter im Dunkeln - keine heiße Spur und auch kein Lebenszeichen von der jungen Frau.
Viele Indizien sprechen dafür, dass ihr ehemaliger Lebensgefährte etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat. Konkrete Beweise gibt es laut Polizei keine. Eine große Suchaktion auf dem Grundstück des Paares soll Klarheit bringen. Führen diese Grabungen zum Auffinden des Leichnams von Nancy Köhn?
Bis gestern Abend verlief die Suche erfolglos. Rund 1000 Löcher wurden gebohrt und von den Hunden überprüft. "Wir haben nichts gefunden", sagt Polizeisprecherin Anke Rieken. Diese Erkenntnis passt in das Bild des mysteriösen Verschwindens der 27-jährigen Nancy Köhn. Trotz monatelanger Suche, zahlreicher Ermittlungen der Polizei-Einsatzgruppe Nancy, Flugblattaktionen und Befragungen im Umfeld der jungen Frau gibt es keinerlei konkreten Hinweise.
Heute gehen die Durchsuchungsmaßnahmen auf dem Grundstück mit Spezialgeräten und Leichenspürhunden weiter.
Das letzte Lebenszeichen von Nancy Köhn stammt aus dem März dieses Jahres. In einem Telefonat mit ihrer Mutter kündigte sie sich für einen Osterbesuch in ihrer Heimat in Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) an. Angekommen ist sie dort nie. Danach verläuft sich die Spur. Erst im Juli erstattete Nancys Bruder eine Vermisstenanzeige bei der Polizei, da die Familie nach monatelangem Warten in großer Sorge um die 27-Jährige war.
Das Fahrzeug der Vermissten, ein blauer Ford Mondeo, wurde am 30. April von der Polizei Hamburg im Stadtteil Allermöhe aufgefunden. Der Versicherungsschutz war erloschen. Auch diese Spur führte nicht zum Auffinden der jungen Frau.
Zu diesem Zeitpunkt lag aber auch noch keine Vermisstenanzeige bei der Polizei vor. In den Mittelpunkt der Ermittlungen rückt immer wieder der ehemalige Lebensgefährte von Nancy Köhn. Der 32-Jährige gab zu, sich kurz vor ihrem Verschwinden mit ihr gestritten zu haben. Wo sie dann hin sei, wisse er nicht. Als vermisst habe er sie jedoch auch nicht gemeldet. "Der Lebensgefährte hat sich während der Befragungen in Widersprüche verstrickt. Der Anfangsverdacht besteht nach wie vor gegen ihn", sagt Anke Rieken. Viele Indizien sprechen gegen den 32-Jährigen. Es gebe noch keine geschlossene Beweiskette und somit auch noch keinen dringenden Tatverdacht gegen den Hechthausener. "Das ist auch der einzige Grund, warum er noch auf freiem Fuß ist", erläutert der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Stade, Kai Thomas Breas.
Die Befürchtungen der Polizei, dass Nancy Köhn nicht mehr am Leben ist, verfestigen sich von Tag zu Tag. "Der einzige Anhaltspunkt, der gegen den Tod von Nancy Köhn spricht, ist die Tatsache, dass wir bis heute keinen Leichnam gefunden haben", sagt die Sprecherin der Polizei.
Von Jan Unruh