Ganztagsunterricht? - Irritation an Ostener Schule
OSTEN. Das "Bürgerforum" hatte es eigentlich gut gemeint, doch der Vorstoß, in Osten einen Ganztagsunterricht an der Grundschule anzubieten, sorgte mitten in den Sommerferien bei vielen Eltern für reichlich Irritationen. Jetzt sind die Wogen (vorerst) geglättet.
"Die Grundschule Osten muss Ganztagsgrundschule werden" - so hatte es das Bürgerforum Mitte Juli nach einer Fraktionssitzung in einer Pressemitteilung an die NEZ formuliert und gleichzeitig angekündigt, einen entsprechenden Antrag im nächsten Schulausschuss zu stellen. Und das geschah jetzt auch. "Erweiterung der Grundschule zur verlässlichen Ganztagsgrundschule" lautete die Überschrift eines Antrages des Bürgerforums für den Schulausschuss der Samtgemeinde. Man wolle damit den Schulstandort Osten langfristig sichern, hieß es beim Bürgerforum.
Verbindlich? Freiwillig?
Doch bedeutet "verlässlich" auch verbindlich und damit verpflichtend für alle Schülerinnen und Schüler? Diese Frage schreckte viele Eltern in Osten auf. Kein Wunder: Bereits vor zwei Jahren hatte sich bei einer Umfrage der Eltern eine deutliche Mehrheit generell gegen einen Ganztagsschulunterricht ausgesprochen. Auf die Frage "Ganztagsschule gewünscht?" votierten 36 Eltern mit "Nein" und nur 21 mit "Ja".
Als "nicht glücklich" bezeichnete Ostens Schulleiterin Anke Wegner die Vorgehensweise und Wortwahl des Bürgerforums. Bevor man sich in der Politik derartige Gedanken mache, hätte man vorab wohl erst einmal mit der Schule ins Gespräch kommen sollen. Zudem hätten viele Eltern die Pressemitteilung so aufgefasst, dass die Einführung einer - wie auch immer strukturierten - Ganztagsschulbetreuung in Osten bereits weitgehend beschlossene Sache sei.
Eltern- und Infoabend
Dabei habe die inhaltliche Diskussion im Elternrat und auch im kleinen Kollegium eigentlich noch gar nicht begonnen: "Es gibt doch nicht einmal ansatzweise ein Konzept" kritisierte Wegner im Schulausschuss. Unter "bestimmten Bedingungen" könne man sich an der Schule ein Ganztagsangebot zwar vorstellen: "Aber da darf man nichts mit heißer Nadel stricken." Einzig realistisch sei zudem nur eine "offene Ganztagsschule" und kein für alle Schüler verpflichtendes Angebot.
Kritisch sieht die CDU ohnehin die Erfolgsaussichten und die Notwendigkeit für eine Ganztagsschule. "Das Schülerpotenzial muss auch vorhanden sein", meinte Lasse Weritz (CDU). "Die Betroffenen müssen zu Wort kommen", sagte Uwe Dubbert (SPD) mit Blick auf einen in der Sitzung geforderten Eltern- und Infoabend.
Dazu wird es jetzt auch kommen. Darauf einigte sich zwei Tage später der Samtgemeindeausschuss. Man benötige Informationen, ein Datengerüst und eine Ermittlung des Bedarfs.
Varianten
In einer "Offenen Ganztagsschule" finden außerunterrichtliche Angebote grundsätzlich nach dem Unterricht statt. Die Teilnahme an den außerunterrichtlichen Angeboten ist freiwillig.
An einer "Voll gebundenen Ganztagsschule" sind alle Schülerinnen und Schüler dagegen an mehr als drei Wochentagen zum ganztägigen Besuch verpflichtet.