Nach Kritik an Helios-Klinik Cuxhaven: So rechtfertigt sich Personalleiter und SPD-Politiker Oliver Ebken
CUXHAVEN. Dass er als Sozialdemokrat Personalleiter der Helios-Klinik Cuxhaven ist, die dem börsennotierten Gesundheitskonzern Fresenius angehört, dafür muss sich Oliver Ebken derzeit häufig rechtfertigen.
Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Cuxhaven muss sich dabei auch gegen persönliche Angriffe verteidigen - vor allem, seit unsere Redaktion sich kürzlich kritisch mit der hohen Fluktuation im Haus auseinandergesetzt hat. Zusammen mit Gunnar Wegener, dem Vorsitzenden der SPD-Ratsfraktion, nimmt er im Gespräch mit unserer Redaktion Stellung.
Natürlich habe er Respekt vor der Aufgabe gehabt, als er vor fast genau einem Jahr Personalleiter (nicht Mitglied der Geschäftsführung, wie er betont) in der Helios-Klinik geworden sei. Genauso aber habe ihn das Umfeld gelockt: "Es liegt mir am Herzen, dass wir eine gute Gesundheitsversorgung haben, und daran möchte ich mitarbeiten." Gerade dieses Umfeld brauche sozialdemokratische Wurzeln. Schließlich mache die SPD Cuxhaven regelmäßig Fragen der Gesundheitsfürsorge zum Thema, etwa mit Veranstaltungen zur Hausärzteversorgung, so Ebken.
Seine Hauptaufgabe als Personalleiter sei, die Beschäftigten bei ihrer Tätigkeit zu begleiten und vor allem neues Personal zu gewinnen. Auch dafür das richtige Umfeld zu schaffen, gehöre von jeher zu den Zielen der Sozialdemokraten. Dazu gehörten nicht nur die Bezahlung, sondern auch "weiche" Standortfaktoren wie Kinderbetreuungsplätze, womöglich sogar in einem Betriebskindergarten, oder andere Anreize.
Nachlegen bei Bezahlung
Gunnar Wegener, Gewerkschaftssekretär im Ruhestand, wird beim Thema Bezahlung konkret: Aus der Historie heraus - dem Übergang des einstigen Stadtkrankenhauses an Rhön und später an Helios - sei mit dem aktuellen Tarifvertrag in der Helios-Klinik Cuxhaven oft deutlich weniger zu verdienen als etwa im Helios-Seehospital Sahlenburg oder dem soeben rekommunalisierten Krankenhaus in Otterndorf. Dafür könne nicht mal der aktuelle Geschäftsführer etwas.
Die Konzernspitze in Berlin und die Regionalgeschäftsführung müssten endlich vergleichbare Arbeitsbedingungen schaffen und sich in den Tarifverhandlungen bewegen, das würde auch die Konkurrenzfähigkeit des Hauses bei der Personalsuche verbessern, so der Fraktionschef. Für Ärztinnen und Ärzte hingegen gelte auch in Cuxhaven der Flächentarifvertrag des Marburger Bunds.
Wegener unterstreicht, dass er seit dem Verkauf des Stadtkrankenhauses den Geschäftsführungen stets im Krankenhausbeirat (der im Gegensatz zum früheren Krankenhausausschuss nichtöffentlich tagt, d. Red.) auf den Zahn gefühlt habe: "Ich bin immer da und frage dort nach Beschwerdemanagement, Zufriedenheit und Baufortschritten." Auch habe er sich schon "massiv" mit der Regionalgeschäftsführung auseinandergesetzt.
"Nicht so viele Beschwerden"
Eine übermäßig hohe Zahl an Beschwerden sei ihm - bis auf manche Abläufe in der Notaufnahme (Ambulanz) - nicht gemeldet worden: "Ich schätze, dass sicherlich 90 bis 95 Prozent der Vorgänge gut laufen." Fehler könnten passieren, doch das gelte für alle Krankenhäuser. Auch von Belegungsproblemen des Hauses habe er nicht gehört.
Die dennoch bisweilen in Cuxhaven zu spürende mangelnde Akzeptanz mache es nicht gerade leichter, Verhandlungen über Anstellungen zu führen, berichtet Oliver Ebken. Natürlich handle es sich um ein Berufsfeld mit hohen Anforderungen, andererseits gebe es aber nach wie vor einen hohen Anteil langjährig Beschäftigter, die auch blieben.
Gunnar Wegener verweist außerdem auf die "hervorragend" laufende Pflegeschule, deren Schülerinnen und Schüler alle ihren Arbeitsplatz schon so gut wie sicher hätten.
Die Beschreibung, es herrsche ein "Klima der Angst" - so, wie es unserer Redaktion von mehreren Quellen geschildert worden ist - werde ihm so nicht weitergegeben, auch nicht vom Betriebsrat. Gleichwohl liege es in der Verantwortung des Geschäftsführers, für das ganze Haus ein Klima des Respekts und des Vertrauens zu schaffen, was vielleicht zuletzt im Umgang mit Ärztinnen und Ärzten nicht immer gelungen sei. "Kommunale Unternehmen sind nicht allein der Schlüssel", findet Gunnar Wegener. Hier wie dort erwarte er Empathie: "Man muss seine Leute hegen und pflegen, das ist das, was ich als Sozialdemokrat von einer Krankenhausleitung erwarte."
Die Träger - in diesem Fall Fresenius - müssten hierzu klare Leitbilder formulieren. Patienten wie Beschäftigte müssten sich sicher, geborgen und geschützt fühlen; das fehle aber an Krankenhäusern vieler Träger.
An Finanzierung arbeiten
Durch Veränderungen in der Bezahlung des Krankenhauswesens Bedingungen zu schaffen, die dies auch zulassen, dies sehen Oliver Ebken und Gunnar Wegener als eine große Aufgaben der überregionalen Politik an.
Über die Frage, ob Krankenhäuser Geld verdienen dürfen und was die SPD dazu sagt, haben wir ein weiteres Gespräch - diesmal mit Gunnar Wegener und dem SPD-Landtagsabgeordneten Oliver Lottke - geführt, über das wir noch berichten werden.
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