Gibt es bald neben Neuwerk und Scharhörn auch noch eine Schlickinsel?
CUXHAVEN. Was zukünftig mit dem giftigen Hamburger Hafenschlick passieren könnte, war Thema einer Informationsveranstaltung in das Restaurant Oberdeck im Cuxhavener Hafen.
Wohin mit dem Schlick? Dieses Thema wird auch in den kommenden Jahren heiß diskutiert bleiben. Um sich eine mögliche Lösung für das Problem erklären zu lassen, lud der FDP Kreisverband Cuxhaven zu einer Informationsveranstaltung in das Restaurant Oberdeck im Cuxhavener Hafen ein. Referent war Stefan Woltering, Geschäftsführer der Zech Group - die sich unter anderem mit Bau- und Gebäudetechnologie befasst.
Baggergutdeponie an der norddeutschen Küste
Stefan Woltering präsentierte eine technische Möglichkeit, wie belastetes Baggergut aus Häfen und Wasserstraßen in einer subaquatischen Baggergutdeponie an der norddeutschen Küste untergebracht werden könnte. Dafür nannte er einige Beispiele dafür, wie die Niederländer schon seit vielen Jahren mit ihrem Schlick umgehen.
Mit verschiedensten Schadstoffen belastet
Damit die Hafenbecken, Wasserstraßen und Nebenflüsse der norddeutschen Häfen befahrbar bleiben, müssen ständig Unterhaltungsbaggerungen durchgeführt werden. "Das gebaggerte Sediment ist jedoch häufig mit verschiedensten Schadstoffen belastet und darf aus Sicht der FDP Cuxhaven nicht, wie derzeit üblich in die See zurückgeführt oder auf dem Landboden verteilt werden", forderte Günter Wichert, Vorsitzender der FDP-Kreisverbands auf der Veranstaltung.
Da die Häfen aber ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor sind und diese Ausbaggerungen stattfinden müssen, sei eine nachhaltige und langfristige Lösung zur Unterbringung des Baggergutes wichtig, ergänzte Woltering.
Auch außerhalb des Nationalparks möglich
Ein Beispiel ist "De Slufter". Dabei handelt es sich um ein 250 Hektar großes Depot für verunreinigten Baggerschlamm im südwestlichen Teil der Maasvlakte in den Niederlanden. Das Depot wird seit 1987 genutzt, um den aus Hafenbecken und der Fahrrinne stammenden Baggerschlamm aufzunehmen. Eine ähnliche Anlage könnte vor der Insel Scharhörn entstehen. Das sei auch außerhalb des Nationalparks möglich, behauptet Wasserbauingenieur Woltering.
Deiche aus Elbschlick
Sofern der Schlick aus der wenig schadstoffbelasteten Unterelbe stammt, könnte das Sediment nach Vorstellungen des Bundes künftig auch als Baustoff verarbeitet werden, der zum Beispiel im Deichbau genutzt werden kann. Woltering hält das nicht für eine zielführende Lösung. Zunächst seien die Kosten, um den Schlick zu entwässern, enorm und es würde so viel gebaggert, dass nur ein Bruchteil für den Deichbau gebraucht würde. Außerdem sei so nicht das Problem mit dem belasteten Schlick gelöst.
Deponie im Watt
Der Bund hält aktuell nichts von der Idee einer Deponie im Watt. Dem Vorschlag, eine Deponie vor der Insel Scharhörn einzurichten, erteilte man eine Absage. Und auch die CDU im Landkreis Cuxhaven lehnt das Vorhaben einer Deponie vor Scharhörn in der Elbmündung strikt ab. "Belastete Sedimente aus dem Hamburger Hafen bei Scharhörn zu lagern, das geht gar nicht", sagte Bundestagsabgeordneter Enak Ferlemann im vergangenen Jahr auf einer Pressekonferenz der Partei. Die Frage, was zukünftig mit dem Schlick passiert, bleibt also offen. Es gibt viele Ideen, doch eine Einigung in dieser Sache scheint noch länger auf sich warten zu lassen.
"De Slufter"
Die Unterwasserdeponie "De Slufter" ist bei Kitesurfern,und Hundehaltern beliebt. Die Grube ist 28 Meter tief und von einem 24 Meter hohen Ringdeich umschlossen. Insgesamt fasst "De Slufter" 150 Millionen Kubikmeter Nassschlick. Das Absetzdepot wurde vor einem Vierteljahrhundert für und mit Baggeraushub aus niederländischen Häfen und Wasserstraßen gebaut. Oberhalb der Wasserlinie hat der Ringdeich auf der Innenseite des Depots eine ein Meter dicke Tondichtung. Das Baggergut wird mit Baggern oder Transportschuten antransportiert und über eine Schwimmleitung zum "De Slufter" gepumpt. Seit 2000 darf auch stärker verunreinigtes Baggergut eingelagert werden.