Hadelner Kanalschleuse: Neubau in Otterndorf exakt im Zeitplan
OTTERNDORF. Gute Nachrichten vom NLWKN: Der Neubau der Hadelner Kanalschleuse in Otterndorf geht voran und ist "exakt im Zeitplan".
Der fünfte Bauabschnitt für den Neubau der Hadelner Kanalschleuse in Otterndorf hat begonnen. "Wir sind exakt im Zeitplan, sodass der geplante Fertigstellungstermin im April 2022 bisher gehalten werden kann", sagt der Bauleiter Udo Westermann vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).
Der Neubau der Hadelner Kanalschleuse ist eine dringende Küstenschutzmaßnahme. Dabei wird die alte Kanalschleuse durch ein neues Siel- und Schleusenbauwerk ersetzt und auf das aktuelle Küstenschutzniveau gebracht. Das im August 2018 begonnene Bauprojekt mit einem Volumen von ungefähr 25 Millionen Euro ist notwendig, weil die 1852 erbaute alte Schleuse dem Küstenschutz nicht mehr gerecht wird.
Auch die Anschlussdeiche werden auf die aktuell geforderte Bestickhöhe (Solhöhe des Deiches) gebracht. "Aufgrund der notwendigen Deicherhöhung wären die Lasten auf der alten Tunnelgewölbeschleuse zu stark gewesen", erklärt der Bauleiter für die Erneuerung der Schleuse.
Verbindung derzeit gesperrt
Mit der Fertigstellung 2022 soll die derzeit gesperrte schiffbare Verbindung zwischen Elbe und Weser über den Hadelner Kanal wiederhergestellt, die Entwässerung des Sietlandes sichergestellt und insbesondere der Küstenschutz auf einem zukunftssicheren Niveau gewährleistet werden.
Trotz des Denkmalschutzes durfte die in den 1960er-Jahren erweiterte Schleuse vollständig zurückgebaut werden und Platz für den Neubau zu machen. "Küstenschutz hat Vorrang vor Denkmalschutz", erläutert Westermann.
Die Schleuse in Otterndorf steuert die Entwässerung des Hadelner Kanals. Es ist geplant, dass die Schleuse nach der Fertigstellung bei Normalbedingungen zweimal täglich - bei Niedrigwasser der Elbe - öffnen soll. Dies reicht aus, um das Wasser aus dem Hadelner Kanal, der sich von Otterndorf bis Lintig erstreckt, abzuführen.
Beim Hadelner Kanal handelt es sich um einen etwa 32 Kilometer langen schiffbaren Entwässerungskanal zwischen der Elbe bei Otterndorf und dem See bei Bad Bederkesa. Kleine Pumpwerke befördern das Wasser der Zuflüsse zum Hadelner Kanal, der es in die Elbe abführt. Bis 2003 fand auf dem Hadelner Kanal noch Berufsschifffahrt statt, anschließend wurde der Kanal überwiegend von Sportbooten als Abkürzung zwischen der Weser und der Elbe genutzt. Errichtet wurde der Kanal zwischen 1852 bis 1854.
Auch bei Stromausfall sicher
Das neue Schleusensystem wird mit zwei Hubtoren ausgestattet sein. Jedes Hubtor soll mit einem Elektromotor betrieben werden. Mit dem hohem Eigengewicht der beiden Hubtore ist die Schleuse auch bei Stromausfall gesichert. "Die schweren Hubtore haben den Vorteil, dass sie sich aufgrund ihres hohen Gewichtes auch dann noch schließen lassen, wenn der Elektromotor ausgefallen ist", erklärt der Bauleiter. "Mit den zwei Hubtoren ist eine doppelte Sicherheit gegeben. Dies ist bei allen künstlich geschaffenen Küstenschutzanlagen notwendig", fügt der Diplom-Ingenieur hinzu.
Da seit dem Baubeginn keine gesteuerte Entwässerung durch die Schleuse mehr möglich ist, wurde ein Notschöpfwerk an dem sogenannten "Durchstich" geschaffen. Dieses Notschöpfwerk hat mit seinen drei Pumpen eine Leistung von jeweils 4000 Liter pro Sekunde. Das Notschöpfwerk wird nach der Fertigstellung zusammen mit der Schleuse an den Betreiber, die Wasser- und Bodenverbände Otterndorf, übergeben. Es bildet dann einen weiteren Baustein zur Sicherstellung der Entwässerung des Sietlandes.
Bei ungünstigen Wetterlagen kam es früher trotz Entwässerung durch den Hadelner Kanal immer wieder zu Überschwemmungen des Hinterlandes. Der Bau des Verbindungskanals zwischen dem Hadelner Kanal und der Medem brachte Entspannung. Bei hohen Wasserständen pumpen zusätzlich die Schöpfwerke des Medemsystems das Wasser aus dem Kanal. Während der Bauphase für die neue Kanalschleuse kann über die alte Schleuse nicht entwässert werden.
Zukünftig werden sich zwei Schleusenwärter die Arbeit auf der neuen Schleuse teilen. Auch hier wird dann wieder die doppelte Sicherheit gegeben sein.
Von Stephan Dankers
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