Zwischen der Insel Neuwerk und dem Festland ist im Watt ein sehr großer Priel entstanden. Es besteht die Gefahr, dass die Insel demnächst vom Festland abgeschnitten und nur noch per Schiff zu erreichen sein wird. Die Bewohner der Nordseeinsel Neuwerk und die Wattwagenfahrer demonstrieren für den Erhalt des Weges über das Watt. Foto: Sina Schuldt/dpa
Tiefer werdender Priel

Harter Vorwurf: "Hamburger Senat lässt Neuwerk im Stich"

von Redaktion | 07.06.2021

HAMBURG/NEUWERK. Die Insel Neuwerk ist eine Touristenattraktion im Wattenmeer. Bei hohen Wasserständen ist die Hamburger Exklave aber nicht mit dem Pferdewagen erreichbar. Jetzt macht sich die Linke in der Bürgerschaft für die rund 30 Inselbewohner stark.

Angesichts eines immer tiefer werdenden Priels im Hamburgischen Wattenmeer macht sich die Linksfraktion der Bürgerschaft Sorgen um die Erreichbarkeit der Insel Neuwerk mit Pferdekutschen. «Ohne Tourismus hat die Insel keine Zukunftsperspektive», erklärte der bezirkspolitische Sprecher der Fraktion, Stephan Jersch. Die Insel vor Cuxhaven ist mit ihren rund 30 Bewohnern der kleinste Stadtteil Hamburgs und gehört zum Bezirk Mitte. Auch die geplante behutsame Entwicklung des Eilands sei nicht vorangekommen - ebenso wenig wie eine Einbeziehung in die Hamburgische Tourismuswerbung, bemängelte Jersch und resümierte: «Alles in allem scheint der Senat Neuwerk im Stich zu lassen.»

Priel bald nicht mehr passierbar?

Auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten erklärte der Senat, dass die Passage mit Pferdewattwagen bei mittleren Tidewasserständen sichergestellt sei. Derzeit versuche Hamburg gemeinsam mit Niedersachsen, eine Lösung für den neuralgischen Punkt Duhner Loch zu finden.

Nach Angaben der niedersächsischen Landesregierung hat sich das Duhner Loch zwischen 2010 und 2012 mit dem Sahlenburger Loch zu einer Rinne verbunden, die sich immer weiter vertieft. Es bestehe die Gefahr, dass Wattwagen den Priel nicht mehr passieren könnten, hieß es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion.

120 000 Gäste im Jahr

Ein Gutachten im Auftrag der Hamburger Umweltbehörde empfiehlt, den Wattweg nach Südwesten zu verlegen. Die Strecke nach Cuxhaven-Sahlenburg würde sich dadurch um 450 Meter verlängern, die nach Cuxhaven-Duhnen um 700 Meter. Die niedersächsische Landesregierung hob die Bedeutung der Insel für den regionalen Tourismus hervor. Jährlich kämen rund 120 000 Gäste nach Neuwerk. «Die Fahrten mit der Kutsche bieten ein besonderes Erlebnis der Natur, das bei Besuchern und Besucherinnen die Akzeptanz für Naturschutz im Wattenmeer fördert», hieß es.

Demo im Watt

Mitte Mai hatten rund 60 Inselbewohner und Cuxhavener Wattwagenfahrer mit einer Demonstration im Watt auf ihre Lage aufmerksam gemacht. Die Landesregierung versicherte, das Land Niedersachsen werde im Rahmen der technischen und finanziellen Möglichkeiten die Wegeverbindung sichern. (dpa)

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