Hausarzt Toborg praktiziert in der Ostener Heimat
OSTEN. Im ländlichen Raum klagen immer mehr Gemeinden über die Schwierigkeit, Nachfolger für ihre Hausarztpraxen zu finden.
In vielen Fällen bedeutet die Pension eines verdienten Landarztes auch das Aus für die gesamte Praxis. In Osten stellt sich die Versorgungslage mit einer Apotheke und zwei Allgemeinmedizinern noch komfortabel dar. Einer von ihnen ist Lars Toborg, der die Praxis bereits in zweiter Generation führt. Nach Stationen in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg kehrte er 2011 mit seiner jungen Familie zurück in die Heimat. Er sieht besondere Reize in dem Medizinerdasein auf dem Land.
Die Medizin zieht sich durch die Berufswege aller Teile der Familie Toborg: Vater Manfred führte seine Praxis in der Hofstraße gemeinsam mit Mutter Antje als Helferin, ihre beiden Töchter sind ebenfalls Ärztinnen, genauso wie Sohn Lars, den es vor einigen Jahren zurück zu den Ostener Wurzeln zog.
"Eigentlich wollte ich Leuchtturmwärter oder Schiffsbauer werden", erinnert sich der 43-Jährige an seine früheren Berufswünsche zurück. Der Großvater prägte ihn mit seiner Leidenschaft für das Segeln, zudem gab der Tischler das Heimwerker-Gen weiter. "Die Begeisterung meines Vaters, der mit Leib und Seele Landarzt war, hat am Ende aber doch mehr angesteckt." Spätestens nach dem Zivildienst am Otterndorfer Krankenhaus und einer Krankenpflegerausbildung in Berlin stand fest, in welche Richtung es gehen sollte.
Studium in Berlin
Es folgte das Medizinstudium in der Hauptstadt "Für mich war es unabdingbar, die Heimat erst einmal zu verlassen und andere Erfahrungen zu sammeln", betont er rückblickend. "Ich musste erst etwas anderes gesehen haben." Dazu zählt er auch seine ersten beruflichen Stationen, die ihm verschiedene Blickwinkel auf die Medizin ermöglicht haben. Er erinnert sich an seine Arbeit in der Chirurgie in Neuss, in der lange und stressige Tage an der Tagesordnung waren, er durch den Anschluss an die pädiatrische Station aber auch wertvolle Erfahrung bei der Untersuchung von Kindern sammeln konnte. In der Klink im brandenburgischen Bad Belzig ging es anschließend deutlich ruhiger zu, hier schätzte er vor allem die familiäre Atmosphäre.
In dieser Zeit suchte Vater Manfred bereits einen Nachfolger für die Praxis im heimischen Osten. "Er wollte die ärztliche Versorgung unbedingt aufrechterhalten", berichtet Lars Toborg. "Er hätte die Praxis dafür auch verschenkt." Umso passender, dass sein Sohn sich eine Rückkehr mittlerweile vorstellen konnte. Viele seiner alten Schulfreunde waren ebenfalls in die Region zurückgekehrt - ein großes Plus. "Wenn ich keine Bindung zur Region und den Menschen gehabt hätte, könnte ich heute nicht sagen, ob ich Landarzt geworden wäre", sagt er.
Es bedurfte zunächst zwar einiger Überzeugungsarbeit, um seine Frau Katrin, die als Apothekerin arbeitet, vom Umzug aufs Dorf zu überzeugen, doch auch sie erkannte die Reize der Region, vor allem in Hinblick auf die Familienplanung. Daher fanden sie 2011 ihren Weg nach Osten, wo sie heute im alten Elternhaus in der Hofstraße leben, das direkt an die Praxis angeschlossen ist.
Seite an Seite praktiziert
Vier Jahre praktizierten Vater und Sohn Seite an Seite. "Wir haben uns gut ergänzt", findet Lars Toborg. "Ich lernte von seiner Erfahrung, vor allem im Umgang mit den Kindern, und ich hatte tiefere Einblicke in die moderne Medizin." Diese familiäre Zusammenarbeit fand 2015 allerdings ein tragisches Ende, als Vater Manfred bei einem Segeltörn in Dänemark plötzlich verstarb. Vor dessen Fußstapfen hatte Lars Toborg durchaus Respekt. "Du weißt ja nicht, ob die Patienten weiter kommen", berichtet er. "Wir sind in der Art ja auch unterschiedlich." Diese Sorge sollte sich letztlich als unbegründet erweisen. Mit seiner angenehmen und unkomplizierten Art ist seine Praxis bis heute Anlaufstelle für viele Patienten. Während viele junge Ärzte sich heutzutage scheuen, eine eigene Hausarztpraxis im ländlichen Raum zu führen, sieht Toborg Reize in seiner Arbeit, die er in anderen Bereichen der Medizin so nirgends findet. "Man begleitet Patienten auf dem gesamten Lebensweg, vom Säuglingsalter bis zum Tod", erklärt er. Zudem schätzt er den persönlichen Kontakt in der Gemeinde, auch außerhalb der Sprechzeiten wird er immer mal wieder von Patienten angesprochen. "Es ist natürlich ein anderes Arbeiten als unter dem Zeitdruck, der in vielen Kliniken herrscht", so Toborg.
Nachwuchs bringt Schwung
Privates und Berufliches versucht er dennoch, so weit wie möglich voneinander zu trennen. "Während meiner Kindheit unter Führung meines Vaters sind Patienten und Arzthelfer auch dauernd durch unsere Wohnung gelaufen, die ja direkt mit der Praxis verbunden ist", berichtet er. Heute passiere das in diesem Ausmaß nicht mehr.
Über zu wenig Leben in den eigenen vier Wänden kann er sich ohnehin nicht beschweren: Seit der Geburt seiner beiden Söhne Georg (3) und Julius (1) kümmert sich Toborg neben den Patienten vor allem um den eigenen Nachwuchs.
Von Joël Grandke