Neues Leben für "Steingrund":

Helgoländer Börteboot gerettet

03.05.2016

BAD BEDERKESA. Glanzleistung eines Zimmerers aus Bad Bederkesa: Jochen Crome rettete ein original Helgoländer Börteboot vor dem Verrotten.  Von Wiebke Kramp

Jochen Crome hat es tatsächlich geschafft, den Oldie „Steingrund“ vor dem sicheren Tod zu bewahren. Als vor 13 Monaten das auf einem Schulhofspielplatz in Büsum ausgebuddelte über 60 Jahre alte, original Helgoländer Börteboot auf dem Hänger nach Bad Bederkesa transportiert wurde, hätte kaum einer einen Cent wetten mögen, dass der Bederkesaer Zimmermann es schaffen würde, dem hölzernen Wrack neues Leben zu schenken. Mit Enthusiasmus, Ehrgeiz und Elan klappte die Rettungsaktion – nicht zuletzt durch tatkräftige Unterstützung helfender Hände.

Es schwimmt. Das Börteboot „Steingrund“ hat wieder Wasser unterm Kiel. Bei Jochen Crome löst sich in diesem Moment die Nervenzerreißprobe in Luft auf. Sein Traum ist wahr geworden. „Steingrund“ ist gerettet, flott und in seinem Element.

Freizeit geopfert:

Vorbei ist die Zeit, als der Rudder – wie die Boote auf der Insel heißen – vor einer Grundschule in Büsum zweckentfremdet als Spielgerät diente und in diesem Sandkastengrab immer mehr zu vermodern drohte. Vorbei ist auch die Zeit, als es für den selbstständigen Bederkesaer Zimmermann keine Freizeit mehr gab. Jede Minute nach Feierabend, an Wochenenden, ja sogar Feiertagen werkelte er am Boot. Es steckt viel Arbeit, Kraft, Schweiß, Geld und vor allem Zeit in dem Projekt. 13 Monate hat es gedauert. In seiner Halle im Bederkesaer Gewerbegebiet entstand so aus dem Wrack wieder ein schmuckes Börteboot. Insgesamt stecken bestimmt 2000 Arbeitsstunden in dieser Bootssanierung, schätzt er grob seinen Einsatz.

„So verrückt kann man eigentlich gar nicht sein“, lacht Helgoland-Fan Jochen Crome und Rainer Löwenstrom nickt grinsend. Der gebürtige Helgoländer assistierte dem Zimmermann gern und freiwillig. Dafür hat ist er in jeder freien Minute von Cuxhaven nach Bad Bederkesa gefahren. Die Männer sind sichtlich stolz. „Auf den letzten Metern haben wir uns gegenseitig aufgepuscht – und jetzt sitzen wir hier im Wasser“, gucken sie glücklich und zufrieden auf ihre Leistung.

Noch circa 40 Prozent der alten Substanz konnte gerettet werden, das restliche Holz musste erneuert und ausgetauscht werden. Der überholte Motor ist ein ausrangierter der „Meedland“ (früher „Maria“) des Hamburgers Jan Brauckmann. Er wurde letzte Woche eingebaut. Auch die gesamte Elektronik entstand in Eigenleistung.

Hilfreiche Unterstützung gab es beim Verein zum Erhalt Helgoländer Börteboote (Vzehb). Dessen Vorsitzender ist Werftchef Rainer Hatecke aus Freiburg/Elbe. Auf seiner Werft wurde der „Steingrund“ vor mehr als 60 Jahren aus der Taufe gehoben. Bauherr war sein Opa Heinrich. Persönliche Gründe schwingen auch bei seine, Stellvertreter Detlef Haas, in Odisheim wohnender Helgoländer, mit. Dessen Vater war Eigner des Börtebootes und Haas fuhr es selbst zwei Sommer lang. Bootsbauer Hatecke ist voll des Lobes über die Leistung des Zimmermannes Crome: „Das ist echt top geworden“, so sein Kommentar zur „Steingrund“-Rettung. Weltweit exitieren nach Hateckes Kenntnis nur noch knapp 40 Börteboote. Die Oldies sind also waschechte Raritäten. Die „Steingrund“-Geschichte ist eng mit dem Wiederaufbau Helgolands verknüpft, sie begann kurz nachdem die durch Krieg komplett zerstörte, dann besetzte und erst 1952 freigegebene Insel wieder für Bevölkerung bewohnbar gemacht wurde.

Boots-Historie:

Der Helgoländer Hummerfischer Theo Roolfs gab den „Steingrund“ bei der Hatecke Werft in Freiburg in Auftrag. 1954 lief sein 9,90 Meter langes und 2,94 Meter breites Börteboot auf der Werft an der Niederelbe vom Stapel. Das Boot ist nach seinen Wünschen extra flach und aus gutem Grund von kräftiger Statur gebaut. Es musste nicht nur in der Börte – also dem Ein- und Ausbooten zwischen Dampferreede und Landungsbrücke – sicher und zuverlässig dienen, sondern vor allem auch rauem Wetter, Wind und Wellengang beim Hummerfischen auf hoher Nordsee trotzen. Um die Hummerkörbe besser an Bord hieven zu können, war die Bootskante extra nicht so hoch. Zwischen 1964 und 1970 war Detlef Roolfs am „Steingrund“-Ruder.

James Haas kaufte es schließlich 1970. Guschi Klings fuhr es 1984. 1987 und Detlev Haas war 1985 und 1986 Bootsführer. 1989 war für „Steingrund“ dann endgültig Schluss auf Helgoland. Der neue Eigner Reiner Landsberg aus Büsum schenkte schließlich das ausgediente Börteboot einer Büsumer Grundschule als Spielgerät. Erst nach vielen Gesprächen, Verhandlungen sowie der Zusicherung, der Schule ein neues Spielboot zu bauen und schenken, konnte die „Steingrund“-Rettung beginnen.

Im Bederkesaer Zimmereibetrieb entstand erst ein Spielplatzbörteboot, das im März 2015 Jahr nach Büsum gebracht wurde und seitdem das ausgebuddelte Original ersetzt. Und nun, ein Jahr später erstrahlt jetzt auch der echte „Steingrund“ in schneeweiß lackiertem neuen Glanz. Den Liegeplatz wird der flottgemachte Oldie in Bad Bederkesa haben

 Aber im August soll „Steingrund“ heimatliches Salzwasser unterm Kiel haben. Jochen Crome plant gemeinsam mit gleichgesinnten Börteboot-Eignern den Ausflug zur traditionellen Helgoländer Börtebootregatta.

Als „Bootschafter“ nach Hamburg: 

Aber der erste Törn führt in andere Richtung: zum Hafengeburtstag nach Hamburg.

Gemeinsam mit dem Verein zum Erhalt Helgoländer Börteboote (Vzehb zeigt Jochen Crome mit seiner rundum erneuerten „Steingrund“ von Himmelfahrt, 5. Mai, bis Sonntag, 8. Mai,  Flagge beim 827. Hamburger Hafengeburtstag. Mit mehreren Börtebooten ist der Vzehb als Werbeträger aktiv . Der Verein, der seinen Namen als Programm versteht, macht im Sandtorhafen im Schatten der neuen Elbphilharmonie während des großen Hafen- und Volksfestes auf sich aufmerksam. Standbetreiber sind Gemeinde Helgoland und die Cuxhavener Reederei Cassen Eils, die ab diesem Sommer übrigens an Wochenenden auch mit ihrer neuen „Helgoland“ Abfahrten ab Hamburg im Programm hat. Partnerschaftlich vermarkten Verein, Tourismuszentrale und Reederei Deutschlands einzige Hochseeinsel – die Börteboote sind in den Hafenbecken auf Touren und bieten gegen Spende für den Verein Rundfahrten an.

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