Hemmoorerin entwickelt eigenes Modelabel: Leidenschaft zum Beruf gemacht
HEMMOOR. Matina Stüven näht, was das Zeug hält, hat ihr eigenes Modelabel entwickelt und setzt dabei voll auf Nachhaltigkeit.
Die Oste scheint einen positiven Einfluss auf die Kreativität der dort lebenden Menschen zu haben. Mit vielen kleinen und größeren Projekten haben sie ihre Region zu einer bundesweit beachteten Marke entwickelt. Eine dieser Ideenschmiedinnen ist Matina Stüven mit ihrem Modelabel namens Ostedesign.
Bereits im zarten Alter von zehn Jahren lernte Matina Stüven das Nähen bei ihrer Mutter. Aber ihr größtes Interesse galt damals der Seefahrt. Aufgewachsen direkt hinterm Ostedeich in Oberndorf war der heute 57-Jährigen schnell klar, wo die Reise hingehen sollte: Aufs Schiff ihrer Eltern und dann in die Welt hinaus. Aber daraus wurde nichts. "Immerhin habe ich es als Teenager bis nach Hamburg geschafft. Das war auch gut so. Nur wer mal weggeht, kann auch zurückkommen." Das tat Matina Stüven dann ziemlich schnell. Wie so oft war Liebe die Antriebsfeder. Und so wohnt sie heute mit ihrem Mann in Hemmoor. Die Oste zwar nicht mehr in Sichtweite, aber dennoch nah genug dran, um sich von ihr inspirieren zu lassen. Dem Wasser ist sie als passionierte Seglerin auch immer verbunden geblieben.
Ihre zweite große Leidenschaft, das Nähen, hat sie bei all den Dingen wie Arbeit, Haushalt und Kindererziehung nie ganz aufgegeben und vor zwei Jahren zu ihrem neuen beruflichen Standbein gemacht. Da ging es raus aus den Privaträumen in den eigenen Laden in der Hemmoorer Hauptstraße 54. "Bei der Gewerbeanmeldung im Rathaus wurde ich gefragt, wie mein Geschäft denn heißen soll. Ehrlich gesagt, hatte ich mich damit noch gar nicht beschäftigt. Ganz spontan kam mir 'Ostedesign' in den Sinn." Bislang hat Matina Stüven nur Mode für Frauen ab Mitte 30 im Angebot. "Das soll sich mittelfristig ändern. Ideen gibt es schon genug, allerdings hat Corona auch mich ganz schön ausgebremst."
Alltagstaugliche Mode
Das Entscheidende an ihrer Mode ist neben der Alltagstauglichkeit und der Individualität die Nachhaltigkeit. "Manchmal muss ich meinen Kundinnen einen kleinen Schubs geben, ihr Selbstbewusstsein in Sachen Farben und Stil stärken. Falls ein ausgesuchtes Stück wirklich nicht zu seiner Trägerin passen sollte, dann sage ich das auch. Ehrlichkeit ist eine der Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Verkauf. Hinzu kommt, dass ich den Anspruch habe, Mode so nachhaltig wie möglich herzustellen. Das fängt bei der Auswahl hochwertiger Stoffe an und hört bei der Produktion in einer kleinen Hamburger Schneiderei auf. Hier wird noch fast alles von Hand genäht", sagt Matina Stüven.
Deshalb könne es auch vorkommen, dass die Kundinnen manchmal warten müssen, bis ihr Wunschstück fertig ist. Im Angebot ist von der Bluse bis zum Mantel alles, was sich aus Stoff fertigen lässt. Dazu gibt es noch Umhängetaschen aus recycelten Lederjacken sowie jede Menge Accessoires in ihrem kleinen Laden. Ihr neuester Coup: Kaffeefilter aus Leinen - immer wieder verwendbar und dadurch besonders nachhaltig.
Sehnsüchtig wartet Matina Stüven, wie so viele, auf eine Lockerung der Coronabeschränkungen. "Ich habe zwar auch einen Onlineshop, aber der persönliche Kontakt ist durch nichts zu ersetzen. In meiner Werkstatt können mir die Kundinnen bei der Arbeit über die Schulter schauen. Besonders bitter war für mich, dass meine geplante erste Modenschau in der Hemmoorer Kulturdiele im März vergangenen Jahres ausfallen musste, nachdem quasi alles vorbereitet war." Aber davon lässt sich die Frau mit dem ungewöhnlichen Vornamen nicht unterkriegen. So richtig verraten will sie den Grund für das fehlende "r" nicht. "Den Buchstaben hat mein Vater wohl auf dem Weg zum Standesamt verloren." Auf jeden Fall macht dieser Umstand sie so unverwechselbar wie die Mode aus dem Osteland, die sie mit großer Leidenschaft produziert.
Von Thomas Schult
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