Klimaschützer, darunter Vertreter des BUND und die Initiative "Parents for Future", demonstrieren im Vorfeld einer SPD-Veranstaltung in Drochtersen gegen die Kraftwerkspläne in Cuxhaven. Foto: Koppe
Klimaschützer, darunter Vertreter des BUND und die Initiative "Parents for Future", demonstrieren im Vorfeld einer SPD-Veranstaltung in Drochtersen gegen die Kraftwerkspläne in Cuxhaven. Foto: Koppe
Bei Videokonferenz

Holzkraftwerk in Cuxhaven findet nur wenige Fürsprecher

von Kai Koppe | 06.05.2021

CUXHAVEN. Auf einer von den Grünen geleiteten Videokonferenz ging es unter anderem um die Frage, ob das Vorhaben nach Cuxhaven passt.

"Ist Holz verbrennen eine Alternative?: Ausgangsfrage einer Videokonferenz, die Vertreter von Umweltinitiativen und die Partei Bündnis 90/Die Grünen am Dienstagabend anberaumt hatten. Nicht weniger als 70 Teilnehmer waren online dabei - eine Zahl, die belegt, dass ein in Cuxhaven geplantes Holzheizkraftwerk ein Thema ist, das vielen Menschen vor Ort auf den Nägeln brennt.

Bei der Energiegewinnung habe die Nutzung von Biomasse sicherlich ihre Nische, räumte Constantin Zerger (Deutsche Umwelthilfe) zu Beginn der von Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Deutschen Bundestag, moderierten Web-Diskussion ein. "Für uns als DUH", fuhr Zerger jedoch unmissverständlich fort, "hat die Verbrennung von Holz keine Zukunft."

Keine Einzelmeinung am Dienstag: Die Kreisvorstandssprecherin der Grünen, Elke Roskosch-Buntemeyer, gab zu bedenken, dass der für das Holzkraftwerk auserkorene Standort nicht eben von Waldwirtschaft geprägt sei: Inwieweit ein "HKW" überhaupt nach Cuxhaven passt, ist die zentrale Frage die Kritiker des Vorhabens aufwerfen. Dabei problematisieren sie noch nicht einmal so sehr die mit dem Antransport des Brennstoffs einhergehenden Belastungen, sondern verweisen (wie auch am Dienstagabend geschehen) auf das Image der Küstenstadt als Zentrum für die emissionsfreie Windenergie. Mit einem Hinweis auf die Solartechnik verwies Roskosch-Buntemeyer auf weitere Potenziale des Standorts, die sich ausschöpfen ließen. Frisch geschlagenes Holz zu verfeuern, so ihr Resümee, sei nicht das, was man sich als Grüne unter Stichworten wie Nachhaltigkeit oder Klimaschutz vorstellt.

Offiziell klimaneutral

Nichtsdestotrotz wird das Projekt von staatlicher Seite her unter eben jenen Aspekten gefördert: Weil bei der Verbrennung nur so viel CO2 austritt, wie ein Baum im Zuge seines Wachstums aufgenommen hat, ist das Heizen mit Holz nach offizieller Lesart klimaneutral. Um davon reden zu können, muss der Brennstoff aus Sicht von Klimaschützern erst einmal nachhaltig erzeugt werden. Nach den Worten der Holzheizkraftwerk-Projektierer ist dies der Fall; unabhängig davon, so argumentieren Kritiker, werden Schadstoffe freigesetzt. "Wir reden hier allerdings nicht über ein Kohlekraftwerk!", mahnte ein um einen objektiven Diskurs bemühter Diskussionsteilnehmer am Dienstagabend. Trotzdem sollte man auch aus seiner Sicht ganz genau überlegen, "ob wir es uns noch leisten können, CO2 aus den letzten 80 Jahren freizusetzen".

Aus Sicht von Tobias Söhl ("Parents for Future") gibt es noch ein ganz anderes Problem: "Wenn man Wälder ausräumt, sterben die Arten", warf er in die Online-Debatte ein, in der auch darüber spekuliert wurde, ob das Holzheizkraftwerk seine Rentabilität einbüßt, wenn Regierungen auf die Idee kämen, den Ausstoß von Kohlendioxid neu zu besteuern. Andere trieb die Frage um, ob das Kraftwerksareal im Cuxhavener Hafen nach Ablauf der auf 20 Jahre festgesetzten Förderung zur Brache verkommt. Offen bleibt aus ihrer Sicht bis dato auch, inwieweit und an welchen Stellen es in der Stadt Bedarf an der im Werk erzeugten Fernwärme gibt.

Der Planer der Anlage zeigte am Dienstag übrigens via Webcam Gesicht: Frank Berghorn stellte unter anderem klar, dass das Vorhaben 2015 mit der landeseigenen Hafen-GmbH (NPorts) "und unter rot-grüner Landesregierung" entwickelt worden und immissionsschutzrechtlich in trockenen Tüchern sei.

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Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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