Aussegnung

Ihlienwortherin im Glauben verwurzelt

28.09.2017

IHLIENWORTH. Wenn am kommenden Sonntag die Glocken der St.-Wilhadi-Kirche läuten und die Menschen in Ihlienworth und umzu zum Gottesdienst rufen, schwingt auch ein bisschen Wehmut mit. (ts)

Dann wird Inge Kopf aus dem Lektoramt entpflichtet, ein ehrenamtlicher Verkündigungsdienst in der evangelischen Kirche, der gut zwei Jahrzehnte ihr Leben mitbestimmt hat. Viel zu spät habe sie diesen Weg eingeschlagen, sagt die 77-Jährige rückblickend: „Da waren zunächst andere Dinge wichtiger. Der Hof, die Kinder, die Tätigkeit bei den Landfrauen, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Gemeinde. Aber am Ende baute alles aufeinander auf und sollte wohl so sein.“ Inge Kopf und ihr Mann Georg wohnen in Ihlienworth Mislag, einer Straße, an der optimistische Verkehrszeichen eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h vorgeben, auf der die Physik allerhöchsten Tempo 30 zulässt und die irgendwo in der Weite des Sietlandes endet. Das Altenteilerhaus, in dem das Paar jetzt lebt, liegt in Sichtweise des Hofes, der seit über 300 Jahren in Familienbesitz ist , sagt Georg nicht ohne Stolz. „Ich bin froh, dass unsere Kinder jetzt dort wohnen, keine Selbstverständlichkeit in der heutigen Zeit und ein wahres Himmelsgeschenk.“

Dort, im Wohnzimmer mit Blick auf die Weite der Natur, erzählt die gebürtige Osterbrucherin Inge Kopf von ihren Glaubenserfahrungen, von ihren Gottesdiensten und der Arbeit für die Gemeinde. Begonnen habe alles vor über 57 Jahren, als sie ihren späteren Mann Georg beim Tanzen kennenlernte. Er war damals Verwalter auf einem Gut in Altenbruch und am 1. Oktober 1962 übernahmen beide den Hof in Ihlienworth. Alles lief glatt und die Lebensleiter ging steil bergauf bis...

Inge Kopf wird nachdenklich und schweigt, ihr Mann Georg formuliert das so: „Ich lief bereits Gefahr, überheblich zu werden, als uns der tragische Unfalltod unseres Sohnes auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Erst da merkte ich, worauf es ankommt im Leben.“ Die Beerdigung und das Gefühl, von so vielen Menschen getragen zu sein, waren eine extreme Glaubenserfahrung für seine Frau. Die Gebete, die Fürbitten haben ihr Kraft und Hoffnung gegeben. Dinge, die Inge und Georg Kopf an die Gemeinde zurückgaben und geben. Er war 30 Jahre lang im Kirchenvorstand tätig, sie gestaltete 20 Jahre lang Gottesdienste für Kinder und Jugendliche, saß sechs Jahre in der Synode, dem Parlament der Landeskirche Hannovers, und übte mehr als zwei Jahrzehnte den Lektorendienst aus. Das Spannendste daran war immer die intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Predigttext. „Häufig habe ich mit Georg über die richtige Auslegung diskutiert. Das wird mir fehlen. Denn ohne den positiven Druck, einen Gottesdienst vorzubereiten, werde ich wohl nicht mehr so aufmerksam in der Bibel lesen.“

Raum für andere Dinge

Bleibt Raum für andere Dinge, sagt sie ganz pragmatisch. Denn da sei ja noch die Flüchtlingsarbeit, die beiden sehr am Herzen liege. Alles habe eben seine Zeit. Die Gottesdienste waren eine schöne. Genau kann sie sich noch an den ersten erinnern: „Da habe ich den Text des Glaubensbekenntnisses vergessen. Hätte da nicht jemand in der ersten Reihe laut vorgesagt, das wäre wohl in die Hose gegangen.“ Auch die Frage nach dem Beeindruckendsten ist schnell beantwortet: „Das war in Ihlienworth in der Adventszeit. Zusammen mit Jan Hauschild ein pantomischer Gottesdienst.“ Davon hätte sie gerne mehr gemacht, überhaupt wünscht sie sich, dass mehr Menschen sich für den Lektorendienst ausbilden lassen. „Für mich war das eine große Bereicherung, eines von jenen Himmelgeschenken, das ich nicht missen möchte.“

Darum sieht sie der Aussegnung am Sonntag, 8. Oktober, um 10 Uhr auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. „Passend finde ich, dass wir dann auch Erntedank feiern. Denn ich sehe in der Verabschiedung auch ein wenig die Ernte meines kirchlichen Lebens.“

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