In den Ferien zum Forschen

23.07.2010

BAD BEDERKESA. Globale Meeresströmungen untersuchen, Windenergie sinnvoll nutzen, die Artenvielfalt im Meer erkennen, eine moderne Tanzperformance und einen Soundtrack zu einem Stummfilm entwickeln - am Ende der Woche stehen hinter diesen Aufgaben für die Teilnehmer der "Juniorakademie" keine Fragezeichen mehr. Neun Tage forschen und entwickeln sie kreative Ideen rund um das Thema "Wind und Meer" - per Du mit renommierten Wissenschaftlern und Pädagogen.

Ferienzeit? Im evangelischen Bildungszentrum in Bad Bederkesa wird eifrig gearbeitet. 61 Jugendliche aus ganz Niedersachsen zwischen zwölf und 15 Jahren sind Teilnehmer der diesjährigen "Juniorakademie". Johannes Helbrecht aus Nordholz ist Hobby-Segelflieger und nimmt am Workshop "Windenergietechnik" teil. "Darüber gibt es weit mehr zu lernen als ich je gedacht hätte", sagt der 15-jährige Schüler.

Er freut sich aufrichtig über das gute und kreative Lernklima in seiner Gruppe. "Wir kommen hier schnell voran und können uns gut untereinander austauschen." Seinen Workshopleiter, Professor Henry Seifert von der Hochschule Bremerhaven, duzt Johannes. "Es macht hier mehr Spaß als in der Schule, wir müssen nicht so ruhig sein. Am Ende muss man natürlich aufräumen, aber es macht nichts, wenn mal etwas herumliegt." Dass Johannes schon mal etwas von Aerodynamik gehört hat, hilft weiter. Ein besonderes Interesse und etwas Vorwissen sind Voraussetzungen für die Teilnahme.

Die Juniorakademie soll leistungsfähige Jugendliche in ihren Begabungen fördern, intellektuell und sozial fordern. Das ist beliebt: "Wir hatten weit mehr Bewerbungen als wir annehmen konnten", so Dr. Jörg Matzen, Leiter des Bildungszentrums und der Akademie. Der Tagesablauf ist straff strukturiert und voll gepackt. Wer will, trifft sich morgens um sieben Uhr schon zum Frühlauf. Bis zum Mittagessen wird in den Workshops gearbeitet, nach einer Pause geht es am Nachmittag weiter. Versuchsprotokolle und Referate werden ausgearbeitet.

Nach den Workshops ist die Puste noch nicht aus: Wer ein Instrument beherrscht, trifft sich abends zum Spielen im gemischten Orchester, rund 20 Jugendliche sind hierfür aus allen Gruppen zusammen gekommen.

Viele Exkursionen stehen ebenfalls auf dem Programm. In dieser Woche waren die Workshops "Ozeanografie" und "Meeresbiologie" mit einem Forschungsschiff des Alfred-Wegner-Instituts auf der Außenweser unterwegs. Begeistert erklären die Jugendlichen ihre Versuche zu Meeresströmungen und Klimaveränderungen: Was passiert, wenn in der Dänemarkstraße vor Island Schmelzwasser einfließt? Anhand von gefärbtem Süß- und Salzwasser stellen sie die Effekte von Dichteunterschieden bei Erdrotation nach, ein Computermodell dokumentiert anschließend die Ergebnisse. Nebenan untersuchen die Meeresbiologen die Auswirkungen auf die Artenverteilung im Ökosystem Ozean.

Das Angebot der Juniorakademie ist breit gefächert. Ein Haus weiter hat sich eine Gruppe von Mädchen um Choreograf Hans Fredeweß geschart. Gemeinsam erarbeiten sie eine moderne Tanzperformance, diskutieren, wie sie Sturm und Wellen darstellen können. Die Musik reicht von Peter Fox bis Vivaldi.

Die rund 15-minütige Präsentation am Ende ist wichtig für die Tänzerinnen, es geht jedoch auch um den kreativen Prozess in einem Team. "Ich gebe zwar eine Basis, aber keine fertigen Bilder vor, die Teilnehmer sollen hier selber etwas entwickeln", betont Fredeweß.

Um 23 Uhr bereits ins Bett zu gehen finden manche der Akademie-Teilnehmer recht früh, "aber ich merke auch, dass ich nicht zu wenig schlafen sollte, sonst bin ich nicht fit", sagt der 15-jährige Lasse Cordus. Er sitzt im Workshop "Stummfilmvertonung" am Schlagzeug. Dieser Workshop, geleitet von Wladimir Bogdanov, ist in diesem Jahr neu in der Juniorakademie. Der Konzertmusiker und Musikpädagoge aus Berlin freut sich über die kleine Runde von sechs Leuten, mit denen er "entsprechend ins Detail gehen kann." Die Jugendlichen bringen ihre eigenen Kompositionen mit ein. "Der ganze Tag ist schon anstrengend", sagt Franziska Schuir, 13 Jahre, die Bassklarinette und Saxofon spielt, "aber die Akademie ist total cool."

Für das kommende Jahr der Juniorakademie schmiedet Dr. Jörg Matzen mit seinen Kollegen schon Pläne. Es soll international werden und eine Zusammenarbeit mit Südafrika entstehen.

Von Janna van Diepen

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