Investor an insolventer Hamburger Pella Sietas Werft interessiert
HAMBURG-NEUENFELDE. Kommt jetzt doch die unerwartete Rettung für die insolvente Pella Sietas Werft in Neuenfelde?
Ein Investor aus der Region ist am Gelände und den Anlagen interessiert. Ein Hoffnungsschimmer für die Altländer Schiffsbauer - aber erst mal auch nicht mehr.
Überraschend hat der Bauunternehmer Steffen Lücking aus Rosengarten Interesse an der Werft bekundet. Gemeinsam mit anderen Mittelständlern wolle er verhindern, dass das Unternehmen zerschlagen wird, heißt es laut verschiedenen Medienberichten. Zunächst hatte das "Hamburger Abendblatt" über das Vorhaben berichtet.
Sportboote und Traditionsschiffe
Demnach plane Lücking, mit Sportbooten und Traditionsschiffen den Schiffsbau an der Este am Leben zu erhalten. Und: Auch für private Windkraftanlagen - wie berichtet kürzlich in Niedersachsen genehmigt - sollen Teile gefertigt werden. Die verbliebenen 20 Pella-Sietas-Mitarbeiter, die derzeit das Gelände bewachen, sollen übernommen werden.
Christoph Möller, Geschäftsführer von Möller PR aus Köln und Sprecher des Insolvenzverwalters bestätigte auf Nachfrage, dass ein Angebot von Lücking eingegangen ist. Wie hoch dieses ist und ob er den Zuschlag erhält, ist unklar. "Wir wollen das bestmögliche Ergebnis für die Gläubiger erzielen", sagt Möller. Das Grundstück werde im Bieterverfahren vergeben. Heißt: Das Angebot, das am Ende das meiste Geld bringt, bekommt den Zuschlag. Details oder konkrete Zahlen nannte Möller allerdings nicht. Denn: Auskünfte zum Prozess mache das Unternehmen generell nicht, um das Bieterverfahren nicht zu gefährden. "Jeder seriöse Bieter darf sich gerne beteiligen", so Möller.
Arbeitsplätze erhalten
Bei der IG Metall zeigten sich die Gewerkschafter von der Nachricht eines möglichen Investors überrascht. "Aber wir freuen uns über jeden Investor, der ein Angebot abgibt", sagt Emanuel Glass, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Hamburg. "Besonders, wenn es jemand hier aus der Region ist." Glass hoffe, dass Schiffsbau und Arbeitsplätze an dem Standort erhalten werden können. "Auch Angebote an ehemalige Mitarbeiter wären toll." Der mögliche Verkauf des Geländes und die bereits laufende Auktion einzelner Maschinen und Anlagen sind im Übrigen zwei voneinander unabhängige Verfahren. Auf der Internetseite des Hamburger Industrieauktionshauses "Netbid" wird seit dem 16. April die Ausstattung der Werft versteigert.
Ende Juli hatte die Pella Sietas GmbH - 2014 von der Pella Shipyard aus St. Petersburg gekauft - Insolvenz angemeldet. Der Insolvenzverwalter Achim Ahrendt gab die Insolvenzmasse zur Auktion, weil trotz diverser Gespräche kein Investor gefunden wurde, der den Werftbetrieb an der Este aufrecht halten wollte oder konnte. Das Problem: Die Altländer kämpfen seit Jahren mit der Verschlickung im Hafenbecken und in der Este. Das machte es nicht gerade leichter, einen Investor für die Werft zu finden. Jetzt scheint es mit Steffen Lücking nun doch einen möglichen Kandidaten für die Rettung der Pella Sietas Werft zu geben.
Von Mario Battmer