J. D. Hahn in Hechthausen: Die älteste Baufirma Deutschlands
HECHTHAUSEN. Die Hechthausener Baufirma J. D. Hahn besteht seit 1664 und ist ununterbrochen in Familienhand. Das Unternehmen ist in unterschiedlichen Sparten erfolgreich tätig.
Bekannt ist das Unternehmen in der Region aus dem Straßenbau, durch die Erschließungen von Baugebieten sowie durch diverse Ingenieurbauwerke. Was nur wenige wissen: Die Hechthausener Firma J. D. Hahn ist das älteste Bauunternehmen Deutschlands und seit mehr als 350 Jahren in Familienhand. Hahn ist nicht nur im Straßenbau unterwegs, sondern sehr vielfältig aufgestellt.
Lennart Hahn leitet seit 2013 als geschäftsführender Gesellschafter das Unternehmen. Der heute 30-Jährige wurde als junger Student des Bauingenieurwesens nach dem frühen Tod seines Vaters quasi ins kalte Wasser gestoßen. Gemeinsam mit den Führungskräften des Hauses hat er schon während der schweren Erkrankung des Vaters Verantwortung übernommen - und das in Zeiten, in denen die Baukonjunktur keinesfalls so boomte wie heute. Der junge Unternehmer hat den Betrieb übernommen und aus der Talsohle wieder nach oben gebracht.
Dabei hatte er Ralf Kraeft zur Seite. Der Bauingenieur blickt auf langjährige Erfahrungen in vielen Bereichen des Bauens zurück. Seit fünf Jahren steht er Lennart Hahn in der Geschäftsleitung zur Seite. Aus dem angeschlagenen Traditionsunternehmen wurde in wenigen Jahren wieder eine echte Branchengröße in Norddeutschland.
Zwei Zahlen belegen das: Der Umsatz verdreifachte sich im zweistelligen Millionenbereich, und die Mitarbeiterzahl wurde von 100 auf heute 150 hochgefahren. "Ein Unternehmen mit einer solchen langen Tradition hat immer Höhen und Tiefen zu durchlaufen", weiß Lennart Hahn. Gezielt wurde bei Hahn investiert. "Wir haben Millionen für neue Maschinen, Geräte und Steuerungstechnik ausgegeben. Und unser Fuhrpark wurde erneuert", zieht Ralf Kraeft Bilanz.
Für den Fuhrpark mit heute 25 Sattelzügen, Tiefladern und Vierachsern wurde 2013 mit der Hahn Transport GmbH eine eigene Gesellschaft gegründet, die entsprechende Logistikdienstleistungen anbietet. Auch im Personalbereich gab es im Unternehmen starke Veränderungen - sowohl auf der technischen Ebene als auch im gewerblichen Bereich. Kraeft: "Wir haben heute Topleute und eine gute Mischung der Altersstruktur mit der Erfahrung der Älteren und der Kraft der Jugend."
Gut durchmischt ist auch das Leistungsspektrum des Bauunternehmens. Dazu gehört der klassische Straßenbau, etwa mit dem Ausbau der B 74 zwischen Wiepenkathen und Elm oder mit der Herstellung von 100 000 Quadratmeter Hafenlogistikfläche in Cuxhaven. Zusätzlich zum Kanalbau mit der Kompletterschließung von Baugebieten - Hahn war und ist in Dollern, Drochtersen, Horneburg und Harsefeld aktiv - bieten die Hechthausener Beton- und Ingenieurbauleistungen wie Brücken oder Klärwerke, Industriebauten wie schlüsselfertige Hallen und Wasserbau an. Zu Letzterem gehören Deichbau, Ufersicherungen oder Spundwände.
Hahn gehört seit zwei Jahren zu den wenigen von der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) zugelassenen Unternehmen, die Deckwerksverklammerung an Deichen oder zur Uferbefestigung herstellen dürfen. Zurzeit arbeitet das Unternehmen am zeitgemäßen Ausbau der Standorte in Hechthausen und Stade. Am Stammsitz wird momentan das Bürogebäude umgebaut und erneuert. In Stade, von wo aus vor allem die Industriedienstleistungen etwa für die Dow, AOS und das Kraftwerk abgewickelt werden, ist ein komplett neues Bürogebäude geplant.
Lennart Hahn und Rolf Kraeft wissen, dass sich die Unternehmensgruppe Hahn im Moment in der Phase der Hochkonjunktur der Baubranche befindet. Sie wissen aber auch, dass das nicht unbedingt so bleiben muss. Deshalb wurde und wird die Zeit genutzt, um den Betrieb zukunftssicher aufzustellen. Das bedeutet Investitionen, aber auch ein diversifiziertes Angebot durch die einzelnen Sparten des Unternehmens.
Die Mitarbeiter sind hier zum Teil flexibel einsetzbar. Und das sei das große Plus von J. D. Hahn. Stolz berichtet Lennart Hahn von einem Auftrag in Dagebüll an der schleswig-holsteinischen Westküste. Dort musste der Deichdurchlass für Straße und Bahngleis zum Anleger der Fähre zur Insel Föhr erneuert werden. In nur zehn Wochen Kernbauzeit musste Hahn das schaffen. Normalerweise würde eine solche Baustelle sechs bis acht Monate dauern. Hahn schaffte es in der vorgegebenen Zeit mit mehreren Schichten rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche. Kraeft: "Das schafft man nur mit einem guten Team. Mitbewerber haben sich das nicht zugetraut. Wir waren der einzige Bieter."
Die wichtigsten Daten aus der Firmengeschichte:
Das in Hechthausen ansässige Bauunternehmen J. D. Hahn wurde im Jahr 1664 gegründet und ist mit 356 Jahren das älteste Bauunternehmen Deutschlands.
1664: Johann Hane gründet im Hechthausener Ortsteil Laumühlen eine Zimmerei. Er ist unter anderem schon im Deichbau tätig.
1706: Jürgen Hahn übernimmt den Betrieb und baut unter anderem die Kirche in Osten.
1749: Mit Adolf Benedix Hahn verlegt die dritte Generation den Firmensitz an den heutigen Standort in Hechthausen.
1784: Carl Hinrich Ernst Hahn ist der vierte Chef und avanciert zu einem der bedeutendsten Deich- und Schleusenbauer in Norddeutschland.
1833: Dessen sechs Söhne übernehmen den Betrieb. Jürgen Dietrich Hahn, der fünfte Sohn, übernimmt die Firmenleitung. Für ihn stehen die heute noch gültigen Initiale J. D. Hahn.
1859: Adolph Jürgen Hahn nutzt die Zeit der aufkommenden Industrialisierung und forciert in sechster Generation die technische Entwicklung im Unternehmen.
1898: Johann Diedrich Hahn entwickelt den Hochbau im Unternehmen. Hahn ist am Bau der Schwebefähre in Osten maßgeblich beteiligt.
1942: Mit Ernst Christian Hahn, der Großvater des heutigen Chefs, ist ein weiterer Neuerer in der Geschäftsführung. Unter seiner Leitung werden die Sparten Straßen-, Kanal- und Klärwerksbau eingeführt. Hahn entwickelt sich prächtig.
1993: Johannes Diederich Hahn übernimmt das Unternehmen, nachdem sein Bruder Christian Diederich plötzlich im Jahr 1993 stirbt. Auch der Vater von Juniorchef Lennart stirbt früh im Jahr 2013 an den Folgen einer schweren Erkrankung.
2013: Lennart Hahn übernimmt in zehnter Generation im Alter von 24 Jahren die Geschäftsführung und bringt das Unternehmen deutlich nach vorne. Er wird in der Geschäftsführung von Diplomingenieur Ralf Kraeft unterstützt.
Von Peter von Allwörden
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