Das Aus für die Karstadt-Filiale in Bremerhaven ist beschlossene Sache. Archivfoto: Ingo Wagner/dpa
Bremerhaven betroffen

Karstadt und Kaufhof: Sechs Filialen in Niedersachsen und Bremen schließen

19.06.2020

BREMERHAVEN. Es war absehbar, dass die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof bundesweit Standorte dicht machen wird. Nun ist bekannt, welche Häuser in Niedersachsen und Bremen betroffen sind.

Im Zuge der Sanierung von Galeria Karstadt Kaufhof sollen in den Bundesländern Niedersachsen und Bremen insgesamt sechs Filialen geschlossen werden. Das geht aus einer internen Liste der Unternehmensgruppe hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach ist Kaufhof in Braunschweig, Bremen und Osnabrück sowie Karstadt in Bremerhaven, Goslar und Hannover betroffen.

Schlag ins Gesicht

"Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle betroffenen Kolleg*innen!", teilte die Gewerkschaft Verdi am Freitag mit. Nach mehr als 16 Jahren der Sanierung und des damit verbundenen Gehaltsverzichts stünden alleine in Niedersachsen die Existenzen von mehr als 350 Beschäftigten auf dem Spiel. Im Land Bremen sind demnach 144 Beschäftigte betroffen. "Wir werden alles tun, um ihnen in dieser Situation zu helfen", sagte Gewerkschaftssekretär Tobias Uelschen.

Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) will bundesweit insgesamt 62 der 172 Filialen und zwei Schnäppchencenter schließen. Rund 6000 der insgesamt 28.000 Mitarbeiter dürften dadurch ihre Arbeitsplätze verlieren. "Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden", sagte der GKK-Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz am Freitag. Letztlich gehe es darum, Galeria Karstadt Kaufhof und damit viele tausend Arbeitsplätze zu sichern.

Keine Perspektive

Demnach werden Filialen geschlossen, für die das Unternehmen angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive mehr sieht. Galeria Karstadt Kaufhof war durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen.

Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund nannte die geplanten Schließungen einen herben Schlag. "Wir verlieren wichtige Anker in unseren Innenstädten und müssen nun noch mehr tun, um die Menschen wieder zum einkaufen, aber auch zum Schauen, Spielen, Feiern und Verweilen in die Innenstädte zu holen", sagte Sprecher Thorsten Bullerdiek. In der Coronakrise sei dies eine besondere Herausforderung.

Für Beschäftigte dramatisch

Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) sagte, die Schließung sei vor allem für die Beschäftigten dramatisch. "Gut ist, dass der Konzern immerhin seiner Verpflichtung nachkommen will, den Personalabbau sozialverträglich auszugestalten." Für die Attraktivität der Bremer Innenstadt stelle der Verlust von so viel Verkaufsfläche eine Herausforderung dar. "Der Senat muss nun gemeinsam mit den Investoren weiter mit Hochdruck am Umbau der Innenstadt arbeiten." Der Bremerhavener Oberbürgermeister Melf Grantz sieht ähnliche Folgen. "Nicht nur der Verlust der Arbeitsplätze schmerzt, sondern auch die Situation in der Innenstadt kann durch diese Entscheidung geschwächt werden", sagte der SPD-Politiker.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Unternehmensführung. "Die Fehler sind hausgemacht, und die Corona Krise war letztlich nur der Brandbeschleuniger", sagte Sabine Gatz vom Landesbezirk Niedersachsen-Bremen. "Und schon wieder zahlen die alleinerziehende Verkäuferin und der Familienvater mit ihren geringen Einkommen für die Fehler des Managements." Verdi zufolge braucht es schnell ein Konzept für die verbleibenden Standorte. Die Beschäftigten müssten dabei eingebunden werden. "Jede Chance der Weiterbeschäftigung bzw. Unterbringung in einer der verbliebenen Filialen sollte genutzt werden", sagte Gatz. (dpa)

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