Kein Deichbrand 2021 wegen Corona: Trotzdem Party in Wanhöden
KREIS CUXHAVEN. Am Wochenende hätte das Deichbrand 2021 stattgefunden - wenn es nicht Corona geben würde. Doch das kann eingefleischten Festival-Fans nur wenig anhaben, in Wanhöden stiegen trotzdem Deichbrand-Partys.
Kein Auto weit und breit. Tankwart Holger Schmid hat die Ruhe weg. Als er gegen 10 Uhr seinen Kiosk aufsperrt, ist noch kein Kunde in Sicht. Dann kommt ein Mann mit einem roten Auto vorgefahren, kauft zwei Schachteln Zigaretten und steigt wieder in seinen Kleinwagen, ein E-Auto. So lässt sich kein Geschäft machen. Dabei wäre hier heute eigentlich der Teufel los, wenn nicht das Deichbrand-Festival schon zum zweiten Mal ausgefallen wäre. "Nun hoffen wir auf das nächste Jahr", entfährt es dem leicht übermüdeten Kaufmann.
Wenig Betrieb an der Tankstelle
"Wir haben am Freitag ein bisschen vorgeglüht", sagt sein Nachbar und Geschäftspartner Kolja Kuske (38), der gerade mit einem Aufsitzmäher die kleine Wiese neben der Tankstelle mäht. "Hier hätten sonst 90 Camper ihre Zelte aufgeschlagen", erzählt der 38-Jährige, dem sein Hund Bolle zwischen den Beinen hindurchläuft. "Normalerweise", ja normalerweise wäre am vergangenen Wochenende bei Holger und seinen Freunden von der Wanhödener Tanke der Teufel los gewesen, hätten sie das Geschäft des Jahres gemacht, hätten Unmengen an Bier, Brötchen, Bratwürstchen, Alkoholika, Schokolade und was sonst noch alles verkauft. Denn normalerweise wäre am vergangenen Wochenende "Deichbrand" gewesen.
60.000 Liter Sprit an einem Wochenende
Dann hätte sich das 300-Seelen-Moordorf für ein paar Tage in eine quirlige Zeltstadt mit knapp 60 000 feierwütigen jungen Leuten verwandelt. Und die müssen versorgt werden - eine Aufgabe, der sich Holger gerne gestellt hat. Die Familie und Freunde mussten mit ran, erzählt der Tankwart mit dem kleinen Kiosk. 60 000 Liter Benzin und Diesel habe er an drei Tagen verkauft, so viel, wie sonst in mehreren Wochen nicht.
"Leute bringen eine Superstimmung mit"
"Aber es geht ja nicht nur ums Geschäft - es hat einfach Spaß gemacht", sagt Schmid etwas wehmütig, als er nach seinem ersten Kaffee aus dem Plastikbecher etwas redseliger wird.
"Die jungen Leute bringen eine Superstimmung mit. Die wollen einfach feiern, feiern, feiern." Wie Christian aus dem schleswig-holsteinischen Bollingstedt. Der 38-Jährige holt heute Morgen die ersten Brötchen an der Tanke, für sich und seine zehn Kumpels, mit denen er sich am Freitag in Wanhöden getroffen hat. Auf einer Wiese beim Bauern haben sie ihre Wohnmobile zu einer Wagenburg zusammengestellt und zwei Tage Party gemacht, mit Musik, Bier, Grillfleisch und sogar einem Toilettenhäuschen - alles wie beim Deichbrand. Natürlich könne man die Stimmung nicht herbeizaubern, aber sie hätten wenigstens die Tradition hochgehalten, wie in den Jahren zuvor, erzählt Christian.
Deichbrand-Party in Wanhöden
Darum geht es auch Horst-Dieter Träger und seiner Clique, die das "Deichbrand-Wochenende" nutzten, um auf seinem Grundstück zusammenzukommen und bei fetziger Musik und mancher Flasche Bier Spaß zu haben. "Das machen wir schon seit 2015", erzählt der Zöllner, dessen großes Haus mit Wiese und Vordach genug Platz für seine zwölf Freunde bietet, die alle aus der näheren Umgebung kommen. "Erst waren die Wanhödener skeptisch, aber heute freuen sich auch die Älteren jedes Jahr auf das Deichbrandfestival", sagt Träger: "Hoffentlich klappt es im nächsten Jahr!"