Wird gar nicht mehr von der Seebäderkaje fahren: die "Fair Lady". Foto: pr
Wird gar nicht mehr von der Seebäderkaje fahren: die "Fair Lady". Foto: pr
"Fair Lady" fährt nicht

Keine Fahrt von Bremerhaven aus: Helgoland-Saison komplett abgesagt

12.07.2022

BREMERHAVEN/CUXHAVEN. Zehntausende Passagiere fahren normalerweise im Jahr von Bremerhaven nach Helgoland und zurück. Nun wurden alle Schiffspassagen gestrichen.

Die Reederei Cassen Eils hat die Helgolandfahrten ab Bremerhaven für dieses Jahr komplett abgesagt. Die "Fair Lady" liege noch immer im Winterlager in Cuxhaven auf, außerdem fehle Personal, um das Schiff zu besetzen, klagt Geschäftsführer Peter Eesmann. 2023 werde man aber wieder fahren, verspricht er.

Auch in Bremerhaven ist die Enttäuschung groß, denn in guten Jahren seien mehr als 60.000 Menschen von hier nach Helgoland gefahren, sagt Dr. Ralf Meyer, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven. Im Mai hatte Cassen Eils bereits den Saisonstart kurzfristig abgesagt und als einen Grund dafür die hohen Dieselpreise angeführt. Aber in den Ferienmonaten Juli und August sollte die "Fair Lady" ablegen.

Schlechte Faktoren

Daraus werde nun auch nichts mehr, sagt Eesmann, zu viele Faktoren seien zu schlecht, um den Betrieb aufzunehmen. "Wir finden keine Decksleute und auch keine Ingenieure für die Maschine", sagt er. Auch für die Gastronomie sei Personal schwer zu finden. Sechs Saisonkräfte benötige man allein für die "Fair Lady" - "haben wir alles nicht".

In dieser Situation müsse man besonders pfleglich umgehen mit der verbliebenen Mannschaft, um sie zu halten. "Normalerweise arbeiten wir durch im Sommer", sagt Eesmann über den Saisonbetrieb. Aber dazu seien immer weniger Beschäftigte bereit, sie verlangten auch in der Hochsaison freie Tage und Wochenenden. Darauf habe man reagieren müssen.

Unterbrochene Lieferketten

Hinzu kämen auch unterbrochene Lieferketten durch den Ukraine-Krieg. Er habe selbst nicht gewusst, was an Ersatzteilen für den Schiffsbetrieb alles aus der Ukraine komme, sagt Eesmann.

Die Rahmenbedingungen für den Seebäderverkehr sind ungünstig. Auch in Cuxhaven sei die Saison bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben, "die ersten zwei Ferienwochen in Nordrhein-Westfalen haben nicht das gebracht, was wir gehofft hatten", sagt Eesmann. Die Touristen sparten offenbar auch im Urlaub. Touristisch sei die Entscheidung höchst bedauerlich, sagt Meyer. Coronabedingt sei die Seebäder-Saison bereits zwei Sommer ausgefallen. "Wir hoffen nun fest aufs nächste Jahr", sagt er. "Unbedingt" wolle man 2023 wieder fahren, verspricht Eesmann. Bremerhaven bleibe fester Bestandteil des Seebäderverkehrs. Der Seebäderverkehr von Bremerhaven nach Helgoland hat eine lange Tradition: 1837 legte das erste Dampfschiff nach Norderney und Helgoland ab. (bro)

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