Benefiz-Spiel:

Kicker helfen krebskranker Mutter

29.06.2015

CUXHAVEN. Seit gut drei Jahren läuft Ramona Trägers Martyrium. Von der niederschmetternden Erstdiagnose Lungenkrebs über Operationen, Bestrahlungen, Chemo bis bis zu extremen Nebenwirkungen und weiteren schwerwiegenden Krankheitsbildern. Die 42-Jährige hat noch eine Hoffnung, die Alternativ-Medizin bei einem biologischen Krebstherapeuten. Doch ihre Krankenkasse finanziert das nicht, obwohl das günstiger als eine erneute Chemotherapie wäre. Nun soll ein Benefiz-Fußballspiel zumindest die finanziellen Sorgen lindern.

Heutzutage könne es nicht sein, dass das Schicksal eines Menschen vom Bankkonto abhängig ist, so Sven Budel. Der Fußballtrainer kennt Ramona Träger schon viele Jahre, hat vor knapp einer Woche über seine Mutter von den unglaublichen Rahmenbedingungen gehört und gleich die Initiative ergriffen. Er rief Michael Buhlmann vom TSV Altenwalde an, denn dort kicken Ramona Trägers Sohn Marcel und ihr Bruder Dennis in der ersten Herrenmannschaft. Budel, der bereits vor sechs Jahren ein erfolgreiches Benefizspiel für den ehemaligen Torwart Matthias Andersen (nach einem Verkehrsunfall querschnittsgelähmt) organisiert hatte, und Buhlmann waren sich sofort einig, gemeinsam den Fußballabend zu Gunsten der Erkrankten zu veranstalten.

„Sven und Michael sind Engel“, schwärmt die Mutter zweier Kinder. Dies ist nach langer Zeit mal wieder ein Hoffnungsschimmer, denn die Alternativ-Therapie könne sie sich nicht leisten. Sie bezieht eine Erwerbsminderungsrente. Mit ihrem in der Ausbildung befindlichen Sohn Marcel (19) und ihrer zehnjährigen Tochter Jamie-Lee lebt sie einer Wohnung im Cuxhavener Stadtteil Groden.

Ihr Freund Richard Staffl unterstützt sie außerdem. Er ergreift auch bei der chronologischen Aufzählung der Leidenszeit das Wort für sie, denn allein das Berichten über die Stationen des Leidens fällt ihr schwer. Kurze prägnante Sätze von ihr verdeutlichen aber die einzelnen Phasen. „Das war die Hölle“, schildert die 42-Jährige den Zeitraum nach der Erstdiagnose in 2012. Ihr wurden Teile der Lungen operativ entfernt, aber schon bald wurden Metastasen in den Lymphknoten festgestellt. Zwei Operationen im Sommer 2013 – das Jahr, in dem ihre Mutter an der gleichen Krebsart gestorben ist – sowie die kombinierte Therapie mit Chemo und Bestrahlung folgten – bis zum Nikolaustag. „Alle Nebenwirkungen, die man so haben kann, hatte ich“, so Ramona Träger.

Lungenentzündung beidseitig war die nächste Diagnose. Es folgten mehrere Klinikaufenthalte, eine Blutvergiftung ließ ihren Zustand nochmals verschlechtern. Ein Rollstuhl und ein mobiles Sauerstoffgerät wurden lange Zeit zu ihren ständigen Begleitern. Bis April 2014 dauerte diese Leidensphase an. „Dann wurde es langsam besser, bis ich dann auch noch Wasser in der Lunge hatte“, erzählt die Grodenerin. Die Flüssigkeit wurde punktiert, bis heute hat sich dieser Vorgang vielfach wiederholt – mal wurde ein halber Liter Wasser herausgeholt, mal etwas mehr, einmal sogar 1,2 Liter. Dennoch, gefühlt ging es tendenziell nach oben. Der Schein trog. Im Januar 2015 erlitt Ramona Träger einen epileptischen Anfall und wurde ohnmächtig.

Vom Krankenhaus Reinkenheide ging es zügig in die Klinik Bremen-Ost, weil die dortigen Ärzte sie und ihre gesamte Leidensgeschichte schon in- und auswendig kennen. Es wurde ein Tumor im Kopf festgestellt. „Der Krebs hatte die Blut-Hirn-Schranke überschritten“, beschreibt Richard Staffel diesen dramatischen Moment. Der als relativ klein eingestufte Tumor wurde in der Neurochirurgie der Klinik Bremen-Mitte entfernt.

Fragte sich dann anschließend noch, wie die Bestrahlung erfolgen sollte. Nach einem Besuch des nationalen Tumor-Zentrums an der Uniklinik Heidelberg entschied sich Ramona Träger für die „stereotaktische Bestrahlung“, also die gezielte Bestrahlung des Hirnbereichs, wo der Tumor saß. Die Alternative wäre gewesen, den gesamten Kopf zu bestrahlen. Bei einem möglichen Rückfall sei eine Wiederholung der Bestrahlung des Schädels nicht mehr möglich, anders wenn vorher nur die betroffene Stelle bestrahlt werde. Nun stellt sich die Frage: Wie geht’s weiter? Welche nach Aussagen der Heidelberger Mediziner dringend erforderliche Anschlusstehrapie ist die richtige? „Ein Arzt hat mir mal gesagt, dass ich so etwa noch zweieinhalb Jahre zu leben hätte – die sind nun bald rum“, so Ramona Träger mit Tränen in den Augen, auch anspielend auf die unter zweiprozentige Heilungschance von Lungenkrebs bei Anwendung der Chemotherapie. Nachdem sie nun im Großen und Ganzen alles was die klassische Schulmedizin anbieten kann, durchgezogen hat, bleibt aus Sicht von Ramona Träger die Alternativ-Medizin beim biologischen Krebstherapeuten. „Ich habe meinen Kindern versprochen, ich versuche alles!“ Sie setzt große Hoffnung in diese Therapie, die mindestens acht Wochen dauern soll, drei- bis viermal in der Woche muss die Cuxhavenerin nach Stade. Ozon-Therapie, Blutanalyse, Ernährungsberatung, Psychotherapie und hoch dosierte Vitamin-B17-Infusionen sind nur einige Schlagwörter.

Es wird erwartet, dass das Gesamte rund 15 000 Euro verschlingen wird. „Immer noch weniger als 20 000 Euro für eine Chemo“, fügt die Betroffene hinzu. Die Kasse würde die schon mit wenig Erfolg absolvierte Chemotherapie noch einmal zahlen, aber die Alternative nicht, macht sie deutlich. Und weiter: „Es kann doch nicht sein, dass ich sterben muss, nur weil ich mir die Therapie nicht leisten kann...“

Weitere Informationen:

Das Spendenkonto: Die Benefizspiel-Organisatoren haben ein Spendenkonto eingerichtet, auf das schon eingezahlt werden kann. Kontoinhaber: Sven Budel und Michael Buhlmann IBAN: DE 71 2415 0001 0025 126343 BIC: BRLADE21CUX.

Der Therapiestart:  Ramona Träger sollte so schnell wie möglich mit der Therapie beginnen, rät ihr der Stader Alternativ-Mediziner. „Jeder Besuch dort kostet aber Geld, deshalb haben wir unser Spendenkonto jetzt schon eingerichtet und hoffen, dass da nun schon Geld eingezahlt wird“, verdeutlicht Benefizspiel-Organisator Sven Budel.

Die Kontaktdaten: Die beiden Organisatoren freuen sich über jede Hilfe. Wer einen Beitrag leisten möchte, kann sich direkt wenden an Sven Budel – svenbudel@t-online.de, Telefon (0 47 21) 6 42 39, Handy 0170-478 43 04 – oder Michael Buhlmann – michael.buhlmann@ewetel.net, (0 47 23) 53 88, 0173-302 0412.

Das Benefizspiel: Am Freitag, 31. Juli, finden eigentlich sogar zwei Benefizspiele auf dem Jahnplatz II statt. Um 18 Uhr treten „Ältere Altenwalder“ gegen eine Ü32-Stadtauswahl an. Eineinhalb Stunden später folgt das Hauptspiel des Abends, wenn eine Stadtauswahl gegen den Bezirksligisten TSV Altenwalde antritt.

Von Frank Lütt

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