Neuwerk bald abgeschnitten? Viel Aufsehen um Protest am Duhner Loch
KREIS CUXHAVEN. Über 40 Wattwagenunternehmer trafen sich mit Vertretern aus Medien und Politik am absinkenden Priel. Dieser droht, Neuwerk bald abzuschneiden.
Sie kamen in Scharen und ließen das Wattenmeer zwischen Cuxhaven und Neuwerk gelb leuchten. Über 40 Wattwagenfahrer -und fahrerinnen von Neuwerk, aus Sahlenburg und Duhnen trafen sich am Dienstag am "Duhner Loch". Ihr Ziel: So viel Aufmerksamkeit wie möglich für den immer tiefer abfallenden Priel. Da half es durchaus, dass neben politischen Vertretern aus Hannover, Hamburg und Cuxhaven auch viele Medienvertreter dabei waren.
Fernsehteams vom NDR, RTL und Radio Bremen
Drei Kamera-Teams von RTL, dem NDR sowie Radio Bremen kletterten von den Wattwagen herunter und berichteten in farbenfrohen Gummistiefeln über die Aktion. Hinzu kamen Journalisten mit klickenden Kameras und hochgehaltenden Handys für die mobile Berichterstattung. "Das haben die gut gemacht", hörte man immer wieder von verschiedenen Wattwagen in Richtung der Organisatoren rufen. Diese wollen vor allem, dass endlich etwas passiert.
"Wasser steht bis zum Hals"
Mit einem Banner von vier Metern, angebracht auf einem Anhänger im Priel, machten sie auf ihre Situation aufmerksam. "Uns steht das Wasser bis zum Hals", ließ sich dort in Großbuchstaben lesen. "Der Wattweg ist die Hauptversorgungsroute der Insel", sagen Inselobmann Christian Griebel und Wattwagenunternehmer Jan Bütt. Die beiden Männer organisierten die Aktion. "90 Prozent aller Güter sowie der überwiegende Teil der rund 120 000 jährlichen Touristinnen und Touristen sind auf diesen Weg angewiesen." Auch sei dies neben dem Hubschrauber und der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) der einzige Rettungsweg.
Der Bau des Kugelbake-Leitdamms ist laut Gutachten des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Ursache der Vertiefung des "Duhner Lochs". Auch die Verlandung anderer Priele im Watt kann darauf zurück geführt werden. Versuche, den Priel dauerhaft passierbar zu machen, sind bislang erfolglos geblieben.
Baustelle schon nächstes Jahr?
Jedoch gebe es Pläne. Das bestätigt das Niedersächsische Umweltministerium erst vorige Woche gegenüber unserem Medienhaus. "Seitens des Landes gibt es eine Verpflichtung, diesen Weg durchs Watt zu sichern, zusätzlich zur Schiffverbindung", betont Pressesprecher Christian Budde. "Neuwerk ist ein wahnsinnig wichtiger und spannender Tourismuspunkt, ein echtes Highlight an der Küste." Auf die Behebung der Probleme am "Duhner Loch" angesprochen, gibt er Einblick in die aktuelle Planung: "Wir sind an dem Punkt, dass wir Ideen und Vorschläge haben. Jetzt geht es um die abschließende Prüfung und die Umsetzung." Um erneut deutlich zu machen, wie wichtig sie ist, waren auch Politiker ins Watt eingeladen. Gekommen waren Frank Doods, Staatssekretär des Niedersächsischen Umweltministeriums, Thiemo Röhler, CDU-Landtagsabgeordneter für Cuxhaven und das Land Hadeln sowie Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer. Vom NLWKN sowie von der Hamburger Politik sei, so Griebel, trotz Einladung niemand dabei gewesen.
Aufmerksamkeit gewünscht
Die Betroffenen freuen sich trotzdem. "Wir hoffen, dass wir durch dieses große Aufkommen auch etwas besser gehört und ernst genommen werden", sagt Hendrik Brütt. Der 27-Jährige fährt vom Hof seines Vaters Christian regelmäßig von Duhnen nach Neuwerk. Doch er wisse auch, dass "wir die nächsten Jahre noch zu kämpfen haben werden, bis überhaupt etwas passiert. Solange müssen wir eben damit zurechtkommen, wie es ist."
Umweltministerium prüft Lage
Dass schnell etwas passieren muss, weiß auch Uwe Santjer. "Ich glaube, dass wir eine schnelle Lösung brauchen, und die werden wir auch finden", beteuert er. Auf die Nachfrage, wann diese Lösung konkret erfolgen soll, hat er ein klares Versprechen: "Ich will noch in diesem Jahr wissen, wie es weiter geht. Die Untersuchungen, die das Umweltministerium angekündigt hat, müssen umgehend starten. Wir haben keine Zeit mehr. Vielleicht noch drei oder vier Jahre." Der Priel wird indes immer breiter - und die Mienen der Betroffenen immer bedrückter. Das gemeinsame Feedback am Ende des Watt-Termins: "Es ist Eile geboten."
Leitdamm-Problem
Laut der NLWKN-"Forschungsstelle Küste" ist die Vertiefung des "Duhner Lochs" eine Spätfolge der Lückenschließung des Kugelbake-Leitdamms. In diesem Bereich sind folglich etliche Priele und Rinnen verlandet, sodass sich die Be- und Entwässerung des küstennahen Watts in Richtung Westen verlagert hat. Der Wasserstand im Priel steigt seither immer weiter an, jährlich um 15 bis 20 Zentimeter. 2020 wurde mit 30 abgebrochen Querungsversuchen ein Höchststand erreicht.