Seit 45 Jahren steht Bernd Flessner auf dem Brett. In dieser Zeit hat er viel erreicht, unter anderem 39 Deutsche Meister Titel. Die Grundlage für seinen Erfolg führt er vor allem auf einen wichtigen Parameter zurück. Foto: Flessner
Seit 45 Jahren steht Bernd Flessner auf dem Brett. In dieser Zeit hat er viel erreicht, unter anderem 39 Deutsche Meister Titel. Die Grundlage für seinen Erfolg führt er vor allem auf einen wichtigen Parameter zurück. Foto: Flessner
Karriere

Kreis Cuxhaven: Surf-Profi Bernd Flessner verrät sein Geheimnis zum Erfolg

25.06.2022

KREIS CUXHAVEN. Im Interview verrät Windsurf-Legende Bernd-Flessner sein Erfolgsgeheimnis und erklärt warum Windsurfen trotz neuer Trends nicht von der Wasseroberfläche verschwinden wird.

Passion zum Beruf machen - Bernd Flessner hat das, wovon viele nur träumen in die Tat umgesetzt: Seit 35 Jahren verdient er seinen Lebensunterhalt erfolgreich mit Windsurfen. Nicht nur erlangte er im Laufe seiner Karriere diverse Meistertitel, er durchquerte auch als erster Windsurfer die deutsche Bucht, ca. 140 Kilometer von Norderney bis nach Sylt. 

Warum Windsurfen?

Eigentlich ist es naheliegend: Ich bin auf der ostfriesischen Insel Norderney geboren und mit dem Wasser, dem Wind und dem Meer aufgewachsen. Die Faszination für die Natur hat mich von klein auf an geprägt. Zufall war vielleicht, dass der Schwiegersohn von unseren Nachbarn das erste Surfbrett mitgebracht hat. Der hat mich mitgenommen. Wenn man als kleiner Junge von sieben Jahren die Faszination des Sports mitbekommt, dann ist der Weg eigentlich schon vorgezeichnet.

Es gehört aber einiges dazu, um eine erfolgreiche Karriere als Profi-Windsurfer zu bestreiten oder?

Das ist richtig. Es müssen ganz viele Komponenten zusammenkommen. Damals waren viele fasziniert von dem Sport. Einige wollten Profi werden, die wenigsten sind es geworden. Der Startpunkt ist aber ganz einfach: Du musst einen Traum haben. Denn ein Traum steht immer in Verbindung mit Zukunft, Leichtigkeit, Innovation, Freude, Aufregung und Motivation. Er ist also durchweg positiv behaftet. Sobald du Profi bist, heißt es allerdings konkrete Ziele zu definieren und viel dafür zu tun, um diese zu erreichen. Der Traum nimmt dir den Druck und sorgt dafür, dass du permanent in diesem Hochgefühl bist.

Es gibt aber sicher noch andere Faktoren, die eine Rolle spielen.

Sicherlich sind Talent, ein Wertekompass, Durchsetzungsvermögen und Professionalität wichtig als Grundvoraussetzung. Aber das sind Bausteine, die erst im Laufe der Karriere zum Tragen kommen. Am Anfang musst du total besessen sein, eine absolute Leidenschaft und Liebe mitbringen. Wenn du das nicht hast, vergiss es! Hätte ich als kleiner Junge nicht 23 Stunden und 55 Minuten über Windsurfen nachgedacht, dann wäre ich nicht so erfolgreich geworden.

Wussten Sie schon als Kind, dass Sie Windsurf-Profi werden wollen?

Wer Kleinkinder fragt, was sie später einmal werden wollen, dann hört man meistens Lokführer oder Arzt. Ich hingegen hatte früher gar keine Idee davon. Mein Traum, einmal Profi-Windsurfer zu sein, kam erst in der Jugend. Mit 14 Jahren hatte ich eine Vorstellung davon, was ich werden will.

Wie ging es dann weiter?

Meine Idee Profi-Windsurfer zu werden, habe ich zuerst gar nicht geäußert. Als ich dann davon erzählt habe, wurde ich oft belächelt oder ausgelacht. Daraufhin ging es für mich nur darum, diesen Traum zu leben. Ich habe zwar eine Ausbildung als Heizungsmonteur gemacht, aber nur, weil sich meine Mutter diese Absicherung gewünscht hat. Keiner glaubte, dass ich mit Windsurfen Geld verdienen könnte. Die Chance ist auch relativ gering. Bis ich volljährig war, hat sich meine Idee verhärtet. Die Transformation zwischen deiner Pubertät und dem Erwachsensein ist die prägende Zeit, in der sich entscheidet, ob du es wirst oder nicht.

Was fühlen Sie heute, wenn Sie auf dem Brett stehen?

Am Ende meiner Karriere konnte ich das Surfbrett oftmals gar nicht mehr sehen. Ich habe so viele Profi-Sportler aus anderen Disziplinen kennengelernt und weiß mit Sicherheit: Ich bin nicht der Einzige, dem es so geht. Wenn du um die Wette fährst, dann geht's um Gewinnen, Bessersein, Ellenbogen raus, Siegen. Das ist ein Unterschied dazu, zu sagen: "Ich darf und möchte heute Windsurfen gehen." Nein, du musst! Diese totale Ekstase, die ich früher empfunden habe, ist heute nicht mehr da. Trotzdem ist es ein vertrautes, sicheres Gefühl auf dem Brett zu stehen, weil es ein ganz elementarer Teil meines Lebens ist. Wir werden heutzutage von allen Seiten mit Informationen bombardiert. Das ist purer Stress! Wenn ich surfen gehe, bin ich vollständig bei mir und auf das fokussiert, was ich mache.

Erinnern Sie sich an einen Moment auf dem Wasser als wäre er gestern erst passiert?

Für mich war die dritte Weltmeisterschaft eines der Top-3-Erlebnisse meiner Karriere. 2011 war ich am Ende meiner Karriere angelangt. Ich war vor dem Wettkampf mental und körperlich total am Boden. Profi-Windsurfen ist unheimlich harte Arbeit, Verzicht, Aufgabe und Training. Jeder kommt dabei irgendwann an seine Grenzen. Alle Parameter haben darauf hingedeutet, dass ich ganz schlecht fahren werde. Auf der Fahrt dorthin, dachte ich "Oh Gott, oh Gott!". Dann habe ich von elf Rennen sieben gewonnen und bin als Weltmeister zurückgekommen. Das war eines der größten Aha-Erlebnisse meines Lebens. Ich habe die Erkenntnis gewonnen: Man lernt am besten durch Niederlagen, Krankheit oder Krisen. Der Kontrast zwischen dem, was ich erwartet habe und dem, was dabei rausgekommen ist, war so krass, dass der Eindruck mein Leben lang geblieben ist.

In der Region um Cuxhaven und den Spots der Stadt hat sich das Bild in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt: Früher waren viele Windsurfer auf dem Wasser zu sehen, jetzt sind überwiegend Kites am Himmel. Woran kann das liegen?

30 Jahre galt Windsurfen als Trendsport Nummer eins und hat sich lange als solcher gehalten. Selbst Leute, die nicht selbst gesurft sind, mochten den Lifestyle. Der Sport ist aber kompliziert und schwierig: Du brauchst das Revier und das Material, was nicht günstig ist. Dazu sind die Bedingungen oft wechselhaft. Jetzt kommt eine neue Sportart, Kitesurfen, die den Vorteil hat, bei schwierigen Bedingungen einfacher zu sein. Schon alleine aufgrund der Physik: In 25 Metern Höhe ist der Wind konstanter. In jeder Sportart gibt es Sportler-Profis, die sich innovativ damit auseinandersetzen. Die ersten Kitesurfer waren alle solche Windsurfer. Ich sehe sie noch heute vor meinem geistigen Auge im Wasser von Hawaii. Kiten hat bei vielen Windsurfen zu schnellen Erfolgserlebnisse beim Kiten geführt, die beim Windsurfen zuvor ausgeblieben waren. Daraus hat sich dann ein Trend entwickelt.

Sie waren als Botschafter der Seenot-Rettung (DGZRS) schon einmal in Cuxhaven surfen, um einen Rettungseinsatz nachzustellen. Was ist Ihnen in Erinnerung geblieben?

Ein großes Problem in Cuxhaven ist, dass der Spaß abhängig von den Tiden ist. Dadurch kann man nur zwei Stunden vor oder nach Hochwasser auf das Wasser gehen. Das tut mir für die Surfer immer leid. Denn, wenn das Niedrigwasser naht, musst du rechtzeitig zurück sein, sonst hast du einen weiten Weg vor dir. Durch diese anspruchsvolle Dynamik ist die Nordsee aber grundsätzlich für mich ein viel interessanteres Revier als beispielsweise die Ostsee. Ich würde jedem empfehlen, der dort das erste Mal surfen geht, sich immer an "Locals" zu heften!

Kitesurfen hat lange einen schlechten Ruf unter den Wassersportlern gehabt. Woran lag das?

Das lag an der zweiten Generation Kiter, die zuvor nichts mit Wassersport zu tun hatten. Die waren von der Performance, schnell etwas Radikales lernen zu können, angetan. Das waren leider Leute, die wenig Respekt vor anderen auf dem Wasser hatten, keine Rücksicht genommen und viel Mist gebaut haben. Das hat dem Sport überhaupt nicht gut getan. Außerdem können beim Kitesurfen in kurzer Zeit wahnsinnige Sprünge gemacht werden, ohne entsprechende Erfahrung und großartiges Können. Es hat dadurch schwere Unfälle gegeben. Mittlerweile hat die Industrie Material und Technik entsprechend angepasst, um dem entgegen zu wirken.

Standen Sie selbst schon einmal auf einem Kiteboard?

Das werde ich oft gefragt. Ich habe es mal ausprobiert. Aber solange ich als Profi-Windsurfer unterwegs war, gab es kein Zeitfenster indem ich mal sagen konnte: "Ich gehe jetzt kiten." Heute gehe ich Foil-Windsurfen. Das ist für mich das Allergrößte.

Würden Sie sagen, dass Windsurfen eine aussterbende Sportart ist?

Aussterben wird Windsurfen nie. Dafür ist sie zu faszinierend und schön. Ich schätze, dass der Sport seine Wassersport-Nische behalten wird. Denn die Mutter all dieser Trendsportarten ist Windsurfen. Daraus hat sich alles entwickelt. Darum ist der Sport für mich die Königsdisziplin. Und am Ende sage ich immer: Es ist eine Industrie. Windsurfen, Kitesurfen und die neue Trendsportart Wing Foilen gehören für mich zusammen.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Lesen Sie auch...
OB Santjer will sich "unterhalten"

Hamburg verklappt vorerst keinen Schlick vor Scharhörn: Cuxhaven ist das nicht genug

CUXHAVEN. Eine geplante Verklappung von Hafenschlick vor der Vogelinsel Scharhörn wird es in 2022 nicht mehr geben. Diese Nachricht erhielt Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer als Mitglied des Aktionsbündnisses Unterelbe vom Hamburger Staatsrat Andreas Rieckhof.

Der Countdown läuft

Raketen von See ins All starten lassen? Bremerhaven im Mittelpunkt

BREMERHAVEN. Um den Plan, Raketen von See aus ins All zu schicken, ist es still geworden. Was passiert nun? Bremerhaven, Ausgangshafen für die Raketenstarts, ist besorgt.

Mobilität

Zunehmende Verschlickung der Elbe: Elbfähre-Betreiber sendet SOS

von Wiebke Kramp

WISCHHAFEN/GLÜCKSTADT. Bei Ebbe kann die Überfahrt mit der Elbfähre zwischen Wischhafen und Glückstadt zu einem echten Abenteuer werden.

Energieinsel

Idee für Bauprojekt: Strom von einer künstlichen Insel in der Elbe vor Cuxhaven

von Tim Larschow

CUXHAVEN. Ein Projekt, dass gleich zwei Probleme gleichzeitig lösen könnte - die "Elbinsel". Doch wo und wie könnte so ein Großbauprojekt überhaupt umgesetzt werden?