Die Landeplattform und Ladestation in einem kleinen Container am Heck der "Selandia Seaways" Foto: Fischer
Die Landeplattform und Ladestation in einem kleinen Container am Heck der "Selandia Seaways" Foto: Fischer
Innovative Technologie

Warum bald Drohnen über dem Hafen von Cuxhaven kreisen könnten

von Tim Larschow | 23.09.2022

CUXHAVEN. Eine Drohne, die auf Knopfdruck alleine starten und landen kann, das Anlegen in Cuxhaven erleichtern soll und sogar Menschenleben auf hoher See retten könnte. Genau daran arbeitet ein dänisches Unternehmen in Cuxhaven.

An Bord der "Selandia Seways", einem sogenannten Ro-Ro-Schiff der dänischen Reederei DFDS, arbeitet das dänische Unternehmen Upteko an einem vollständig automatisierten unbemannten Luftfahrtsystem (UAS). Die Aufgabe: kritische Herausforderungen in rauen Umgebungen effizient lösen. An Bord soll die Drohne ganz einfach per Knopfdruck aktiviert werden können. Sogar starten und landen soll bei Wind und Seegang kein Problem sein. Die "Selandia Seaways" sei ausgewählt worden, da sie im Liniendienst im Einsatz ist und regelmäßig in Cuxhaven festmacht. "Außerdem ist das Schiff über 20 Jahre alt und wenn es hier funktioniert, funktionieret es überall", erzählt Per Breum, Technischer Direktor des dänischen Unternehmens Upteko.

Das Anlegen erleichtern

"Sobald das System einsatzbereit ist, könnte es unter anderem als Assistenz beim Anlegen genutzt werden", erklärt Marcus Braue, Niederlassungsleiter DFDS Germany. Und effizienteres Anlegen könne Zeit sparen - gerade im Liniendienst sei das besonders wichtig.

Das Drohnensystem befindet sich in einem Container an Deck und ist mit einer KI-gestützten Software ausgestattet. Das Fluggerät kann von fahrenden Fahrzeugen aus autonom operieren und soll der Besatzung einen sicheren und effizienten Betrieb auch in komplexen Umgebungen ermöglichen.

Aufgaben für die Besatzung übernehmen

"Die Drohne kann eine Reihe von Aufgaben für die Besatzung übernehmen und dazu beitragen, den Betrieb eines Schiffes sicherer und effizienter zu machen", verspricht sich Per Breum von dem Projekt. Das Upteko-Mehrzweckdrohnensystem soll das bieten, was wir heute als Einparkkamera für ein modernes Auto kennen. Der Kapitän könne einfach per Knopfdruck auswählen, wo er den Blick der Kamera für den Andockvorgang des Schiffes platzieren möchte. Diese Ansichten sollen sowohl mit dem Hafen als auch mit den schiebenden und ziehenden Schleppern beim Anlegen geteilt werden können. Außerdem ist das Flugobjekt mit einer Wärmebildkamera ausgestattet, die in Notfällen Leben retten kann.

Einsatz im Seenotfall

Bei Mann über Bord (MOB) kann eine Person im Wasser bereits nach wenigen Minuten bewusstlos werden. Eine Rettungsaktion gestalte sich daher aus diesem und anderen Gründen sehr schwierig - besonders das Auffinden der Person im Wasser sei eine große Herausforderung. Deshalb arbeitet das dänische Unternehmen an einer Systemlösung zur Berechnung der Position von über Bord gefallenen Personen. Es handelt sich um eine Anwendung, die standardmäßig auf der Drohne installiert ist. Die Ladestation der Drohne ist mit dem AIS-Signal des Schiffes verbunden (Ein Funksystem, das durch den Austausch von Navigations- und anderen Schiffsdaten die Sicherheit und die Lenkung des Schiffsverkehrs verbessert). Auf diese Weise kennt sie die Geschwindigkeit des Schiffes, die Windrichtung, die Unterwasserströmung und die Fahrtroute. Mit diesen Informationen könne dann die Position eines MOB berechnet werden. Die Drohne fliegt dann zu diesen Koordinaten und erkennt die Wärmesignatur. So haben der Kapitän und die Besatzung die exakte Position um das Rettungsboot loszuschicken.

Die Vogelperspektive

Lars Madsen ist seit zwei Jahren Kapitän auf der "Selandia Seaways" und schon über 37 Jahre bei DFDS. Der erfahrene Kapitän verfolgt gespannt die Entwicklung der technischen Möglichkeiten. "Gerde beim Festmachen an der Rampe in Cuxhaven oder der Passage durch die enge Schleuse in Immingham könnte die Vogelperspektive helfen", sagt der Kapitän. Und auch Marcus Braue ist gespannt, welche Vorteile das Drohnen-Projekt in Zukunft mit sich bringen wird.

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Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tlarschow@no-spamcuxonline.de

 

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