Kurioser Krimi-Klassiker: Tatort "op Platt" wurde vor 40 Jahren in Hadeln gedreht
KREIS CUXHAVEN. Vor 40 Jahren wurde im Cuxland der NDR-Tatort "Wat Recht is, mutt Recht bliewen" gedreht - ein echtes Kuriosum in der Krimi-Historie.
Sonntagabend ist Tatort-Zeit. Bis zu zwölf Millionen Deutsche sitzen allwöchentlich um 20.15 Uhr vorm Fernseher, um in der ARD Krimi zu gucken. Eine der kuriosesten Folgen wurde im Herbst 1981 - vor 40 Jahren - in Cuxhaven und Hadeln gedreht: der plattdeutsche Tatort "Wat Recht is, mutt Recht bliewen".
Kriminalhauptkommissar
"Wie schön ist doch unser Marschenland." Der Kriminalhauptkommissar wendet seinen Blick von der Leiche auf dem roten Boot ab, betrachtet Wiesen, Kühe und die nahe Elbe. "Wie schlecht doch die Menschen sind", sinniert der Mann im Columbo-Look. Der Tatort: Altenbruch. Der Kommissar: Nikolaus Schnoor alias Uwe Dallmeier.
Eine der wortkargsten Produktionen
"Wat Recht is, mutt Recht bliewen" ist wahrlich ein Kuriosum unter den Tatort-Krimis. Diese Folge dürfte eine der wortkargsten Produktionen in der TV-Krimi-Geschichte sein, und wenn gesprochen wird, dann ausschließlich plattdeutsch. Der NDR hatte den Fernsehfilm phasenweise sogar mit Untertiteln versehen müssen, damit auch die Zuschauer im Süden Deutschlands der Handlung sprachlich folgen konnten. Gedreht wurde die 136. Tatort-Folge vor 40 Jahren - in den Herbstmonaten des Jahres 1981 - in Cuxhaven, Altenbruch, Neuhaus und der weiteren Umgebung. Das Drehbuch schrieben Boy Lornsen und die im Cuxland bekannte Autorin Elke Loewe, die auch die Trickfilm-Schweine "Piggeldy und Frederick" erfand.
Eine kleine Rolle im Tatort
Schon vor Drehbeginn herrschte in Hadeln helle Aufregung: Als die Film-Profis vom NDR im Deutschen Haus in Altenbruch 100 Komparsen aussuchen wollten, stürmten 400 Menschen das Hotel. Mehr als zwei Stunden Wartezeit nahmen die filmbegeisterten Nordlichter für eine kleine Rolle im Tatort in Kauf. Gesucht wurden vor allem originelle Typen von der Küste, aber auch Schüler und Polizisten. Die Cuxhavener Polizeiinspektion stellte sechs Männer für die Aufnahmen bereit. Eine etwas größere Rolle bekam der neunjährige Schüler Eren Gündogdu, den das Filmteam in der Abendrothschule entdeckte.
Ochsenknecht in einer Nebenrolle
Die Hauptrolle des Ermittlers übernahm der Volksschauspieler Uwe Dallmeier, bekannt aus dem Hamburger Ohnsorg-Theater und vielen TV-Serien. Es sollte sein einziger Auftritt in der Rolle des Kriminalhauptkommissars Nikolaus Schnoor bleiben. In Nebenrollen sind unter anderem die Schauspieler Ralf Richter und Uwe Ochsenknecht zu sehen, die damals noch am Anfang ihrer Karriere standen.
Die heimlichen Stars von "Wat Recht is, mutt Recht bliewen" aber sind Harry Oehlrichs, Helmut Block, Willam Denker und Friedrich Wichers, Mitglieder der Helgoländer Börte. Regisseur Volker Vogeler entdeckte die Seebären bei einem Besuch auf der roten Felseninsel und beobachtete sie beim Ausbooten. Bei Kaffee und Schnaps im Kurhaus wurde dann alles klargemacht.
Hamburger Segler
Die vier Männer spielten im Tatort die schweigsamen Eigenbrötler Peter Burmeester, Rufus Beller, Jakob Mühlensiepen und Johannes Hannsen. Tagaus, tagein sitzen sie auf ihrer Bank an der Elbmündung, beobachten die See - und können (oder wollen) dennoch zu dem Mord an einem Hamburger Segler nichts sagen.
Gedreht wurde hauptsächlich im Altenbrucher Hafen, in der Gaststätte "Zur Schleuse" und in einigen Cuxhavener Straßen. Auch in Neuhaus machte das Filmteam Station. Mitte Oktober 1981 funktionierten Volker Vogeler und sein 30-köpfiger Produktionsstab das Gebäude der Familie Tiedemann an der Deichstraße zum Haus des Hafenmeisters Gustav Simoneit um.
Annähernd Kinoformat
Rasante Szenen und eine wendungsreiche Handlung sucht man im Platt-Tatort vergebens. Regisseur Volker Vogeler und Kameramann Günther Wulff nehmen sich sehr viel Zeit, um die Landschaft zu entdecken. Dass sie den Fokus auf die Bilder legen, wird auch bei der Wahl des Filmformats deutlich: Das Super-16-Material wurde für die Ausstrahlung nicht - wie damals üblich - auf 4:3 editiert, sondern erreicht annähernd Kinoformat, sodass der Horizont des Küstenlandstrichs eindrucksvoll zur Geltung kommt.
Erwartung des Publikums
Weit und statisch sind die Einstellungen hintereinander geschnitten, kaum ein Schwenk und - das gilt für die gesamten 78 Minuten des Films - fast immer verharrt die Einstellung länger auf Gesichtern und Landschaften, als es der Erwartung des Publikums entspricht und als es für die Handlung notwendig ist. Verzögerung wird zum Stilmittel.
Noch weiter verlangsamt wird die 136. Tatort-Folge dadurch, dass die Untertitel, die die plattdeutschen Dialoge übersetzen, nie simultan, sondern deutlich verschleppt eingeblendet werden.
1982 in der ARD
14,39 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer saßen vor den Bildschirmen, als "Wat Recht is, mutt Recht bliewen" am 2. Mai 1982 in der ARD ausgestrahlt wurde. Die Folge erreichte eine Einschaltquote von 41 Prozent. Kultstatus erreichte dieser entschleunigte NDR-Tatort, der nur selten wiederholt wird (zuletzt am 7. Juli), allerdings nicht.
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