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1. August 1977

Landkreis Cuxhaven vor 40 Jahren "geboren"

01.08.2017 Zuletzt aktualisiert: 09.09.2022 14:05 Uhr

KREIS CUXHAVEN. Vor 40 Jahren entstand der Landkreis Cuxhaven - unter erschwerten Bedingungen... Von Egbert Schröder

Die Kreisreform in Niedersachsen, die vor genau vier Jahrzehnten in Kraft trat, brachte die Altkreise Land Hadeln, Wesermünde und die Stadt Cuxhaven zusammen ie Kreisreform in Niedersachsen schaffte es 1977 problemlos in den „Spiegel“. Unter der Überschrift „Gebietsreform: Alle Macht den Bürokraten“ griff das Nachrichtenmagazin die heftigen Proteste in vielen Teilen Niedersachsens angesichts der von oben verordneten neuen Grenzziehung auf und prophezeite gar eine „Rebellion“ im Norden der Republik.

Nun, ganz so rebellisch verlief der Fusionsprozess trotz zahlreicher Proteste dann doch nicht, aber bis zur Umsetzung der Gebietsreform zum 1. August 1977 durch den Beschluss des Landtages wehte auch aus dem Norden Niedersachsens den Politikern ein rauer Wind ins Gesicht. Die Zusammenlegung war natürlich auch an der Küste – je nach Region, Interesse und auch parteipolitischem Interesse – umstritten.

Was vor vier Jahrzehnten umgesetzt wurde, hat seinen Ursprung in den 60er-Jahren. Die nach ihrem Leiter Werner Weber benannte und von der Landesregierung eingesetzte „Weber-Kommission“ hatte Vorschläge entwickelt, um die Verwaltungs- und Gebietsstruktur Niedersachsens zu erneuern und zu verbessern. 1969 präsentierte die Kommission ihr Konzept und löste damit heftige Reaktionen aus. Kein Wunder: Ihrer Meinung nach sollte die Zahl der Kreise und kreisfreien Städte um die Hälfte reduziert werden.

Bevor es den Landkreisen „an den Kragen“ ging, wurden die Hebel bei den Gemeinden angesetzt. So auch im Hadler und Cuxhavener Raum. Gemeinden wie Holte-Spangen oder auch Altenbruch, Altenwalde und Lüdingworth, die zuvor noch dem Kreis Land Hadeln angehörten, wurden der Stadt Cuxhaven zugeschlagen. Mit jeder Kommune, die Hadeln verlor, sank die Bedeutung des Landkreises.

Auch im Wesermünder Bereich erfolgten Neustrukturierungen. Einige Kommunen gehörten nicht mehr zu Wesermünde, sondern zu Bremervörde, andere Bürger „wechselten“ in den Landkreis Osterholz.

Doch nach den Gemeinden waren dann auch die damals eigenständigen Landkreise Land Hadeln und Wesermünde sowie die Stadt Cuxhaven an der Reihe. Hinter den Kulissen tobte der Machtpoker. In der Öffentlichkeit stand die Frage im Raum, welche positiven und negativen Folgen die Fusion von Wesermünde und Land Hadeln mit der damals noch kreisfreien Stadt Cuxhaven haben würde.

Beim Zusammenschluss im Jahre 1977 lebten rund 85000 Menschen in Wesermünde, während die Stadt Cuxhaven rund 60000 Einwohner zählte. „Junior-Partner“ war Land Hadeln mit knapp 50000 Einwohnern.

Dass die Fusion in Otterndorf nicht gerade Euphorie auslöste, liegt auf der Hand. Durch den drohenden Verlust des Kreissitzes stand die Frage im Raum, wie die Stadt den Verlust von Arbeitsplätzen durch die Verlagerung nach Cuxhaven ausgleichen könnte. Dort, wo sich früher das Kreishaus befand, sind aber auch heute noch Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes beschäftigt: Im ehemaligen Kreishaus am „Großen Specken“ sind unter anderem die Polizei, Teile des Amtsgerichtes und das Katasteramt untergebracht.

Auf der anderen Seite war man in der bis dato „kreisfreien“ Stadt Cuxhaven ebenfalls unschlüssig, wie man auf den Zusammenschluss reagieren sollte: „Als am 1. August 1977 das Gesetz in Kraft trat, endete – von noch folgender Anrufung der Gerichte durch die Stadt Cuxhaven abgesehen – ein langjähriges und erbittertes Ringen im Raum zwischen Elb- und Wesermündung“, schrieb der damalige Archivdirektor Dr. Rudolf Lembcke in einem Beitrag anlässlich der Einweihung des neuen Cuxhavener Kreishauses im Jahre 1984.

Bei der symbolischen Schlüsselübergabe für den zentralen Sitz des neuen Landkreises Cuxhaven standen übrigens ein Hadler und ein Wesermünder im Mittelpunkt: der erste Cuxhavener Landrat Martin Steffens aus Lamstedt und der erste Cuxhavener Oberkreisdirektor Jürgen Prieß. Prieß war seit 1969 bereits Verwaltungschef im Landkreis Wesermünde.

Die Zeiten haben sich geändert, die Altkreise Land Hadeln, Wesermünde und die Stadt Cuxhaven sind zusammengewachsen. Nur ab zu schimmert sie noch durch – die Suche nach der Ausgewogenheit zwischen Wesermünde, Land Hadeln und Cuxhaven. Etwa bei der Wahl der stellvertretenden Landräte: Durch Richard Schütt (Cuxhaven), Annette Faße (Geestland) und Sabine van Gemmeren (Belum) sind alle Regionen des Kreises vertreten...

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