Lebenshilfe Cuxhaven: Doppelte Leistung, aber keine Finanzierung?
CUXHAVEN/HEMMOOR. Die Lebenshilfe im Kreis Cuxhaven fordert eine Weiterfinanzierung der Werkstattangebote während der Corona-Krise.
Seit über fünf Wochen befinden sich die Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Niedersachsen in Ungewissheit darüber, wie ihre Einrichtungen und Dienste in der Corona-Krise weiter finanziert werden. Dass das Land sich nur auf eine 75-prozentige Weiterfinanzierung einlassen will, hat helle Aufregung ausgelöst - auch bei der Lebenshilfe Cuxhaven.
Seit Wochen Ausnahmezustand
In der Werkhof und Wohnstätten Lebenshilfe Cuxhaven gGmbH mit ihren Standorten in Cuxhaven und Hemmoor herrscht seit Wochen Ausnahmezustand. Die Menschen mit Behinderungen dürfen nicht arbeiten und werden in ihren Wohnheimen (offiziell "Wohnhäuser"), Wohngruppen oder zu Hause begleitet, wo die Lage zunehmend angespannter wird. "Wir beobachten die belastenden Auswirkungen der Isolierung und der fehlenden Tagesstruktur auf die Menschen, die ja nicht mal Besuch bekommen dürfen, und auch auf deren Familien", so Geschäftsführer Werner Ludwigs-Dalkner.
Aufwand und Kosten gestiegen
Das Personal der Werkstätten übernehme die Betreuung der Menschen mit Behinderung mit - eine ihnen fachfremde Arbeit - und versähen dafür auch Schichtdienste, ohne dass die Finanzierung gesichert sei. Andere führten in den Werkstätten die Aufträge für die systemrelevanten Cuxhavener Lebensmittel- und medizinischen Betriebe fort. Unter diesen Umständen anzunehmen, dass für geringere Arbeit auch geringere Summen fließen könnten, sei ein Trugschluss. Aufwand und Kosten seien massiv gestiegen. "Je länger der derzeitige Zustand anhält, desto gravierender sind die Auswirkungen für den Bestand und das Angebot sozialer Dienstleister vor Ort", warnt die Lebenshilfe in einem Brief an die lokalen Landtagsabgeordneten.
Hilflos vor Preisexplosion
Bei einer dauerhaften Unterdeckung von 25 Prozent stehe die Lebenshilfe vor "sehr einschneidenden Maßnahmen". Durch Einsparungen könnten die fehlenden Einnahmen nicht kompensiert werden. Lebenshilfe-Sprecherin Susanne Klose berichtet von horrenden Preissteigerungen für Desinfektionsmittel (Literpreis vorher zwei Euro, heute 50 Euro) oder Masken (statt 0,49 Euro nun 5,90 Euro pro Stück). Von all dem werde dazu wesentlich mehr als sonst benötigt; Schutzkleidung werde im üblichen Betrieb überhaupt nur selten benötigt.
Einnahmen fallen weg
Einnahmen durch den Verkauf von Werkstattprodukten, Kubi-Veranstaltungen oder -Raummieteinnahmen fielen weg. Der CAP-Markt in Groden war die ganze Zeit geöffnet, die "Bookbinner" arbeiten seit Montag wieder, aber nicht mit behinderten Menschen. Von der Rückkehr zum Alltag ist aber noch lange nicht die Rede, und das auf unbestimmte Zeit. Das fängt schon in der kommenden Woche mit der Maskenpflicht an, die natürlich auch überwacht werden muss.
Newsletter zur Corona-Krise
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.