Heimatserie

Lebenswert - aber es könnte mehr los sein in Cuxhaven

26.06.2018

CUXHAVEN. Ich will raus, am liebsten nach Hamburg. Die frische Nordseeluft eintauschen gegen das Großstadtfeeling. Von CN-Praktikantin Paula Thode

Nach dem Abi erst einmal wegziehen in die große Welt. Die steht einem als junger Mensch auch offen, also warum nicht die Chance nutzen und aus der Kleinstadt fliehen? So denken die meisten Jugendlichen und auch ich. Aber was sind die Gründe dafür? Um diese Frage zu beantworten, habe ich andere Jugendliche meines Alters gefragt, was sie unter Heimat verstehen und was sie in Cuxhaven halten könnte.

Der Strand, die Bucht, das „Janssen“: Diese drei Begriffe nennen jugendliche Cuxhavener nahezu immer bei der Frage, wohin man in der Stadt gehen kann – vor allem abends. Denn die meisten Kneipen und Bars schließen unter der Woche früh, auf viele andere Jugendliche trifft man meist nicht. Das begrenzte Freizeitangebot betrifft viele junge Menschen. Natürlich ist der Sommer in Cuxhaven schön, vor allem wenn man als Cuxhavener kostenlos an den Strand gehen kann und sich dort fast jeden Tag mit Freunden trifft. Bei schlechtem Wetter bietet die Kleinstadt allerdings nur wenig Alternativen an.

Doch die Freizeit ist längst nicht alles, worum es sich im Leben eines Schulabsolventen dreht. Studium, Ausbildung, oder doch eher was Duales? Ich werde im Moment dreimal in der Woche von Freunden, Familie und ehemaligen Lehrern gefragt, was meine noch nicht vorhandenen Pläne für die Zukunft sind und frage mich: Warum will ich überhaupt weg aus Cuxhaven?

Heimat ist für mich Cuxhaven, das ist klar. Aber ich denke, es ist wichtig, einmal in seinem Leben seine Heimat zu verlassen, um neue Perspektiven zu gewinnen.

Cuxhaven ist für viele Jugendliche eine Kleinstadt ohne viele Angebote, aber durchaus mit viel Potenzial zur Verbesserung. Das hat auch eine kleine Trendumfrage ergeben. Ich habe mich unter Jugendlichen in der Stadt ein wenig umgehört. „Was ist für Dich Heimat und wie würdest Du deine Heimat verbessern wollen?“, habe ich gefragt. Dabei wurde deutlich, dass sich viele Jugendliche mehr Freizeitangebote und mehr Diskotheken und Bars, die auch unter der Woche geöffnet haben, wünschen.

Im Sommer ist besonders die Grimmershörnbucht in Cuxhaven der Treffpunkt für viele Jugendliche, aber bei schlechtem Wetter bietet Cuxhaven zu wenig Möglichkeiten. Treffpunkte für Jugendliche fehlen.

Der Abiturient Henrik Lührsen (18) will nach dem Sommer weg aus Cuxhaven. Aus Cuxhaven wolle er erst mal herauskommen, um in einer anderen Stadt etwas Neues zu erleben. Grundlegend schlecht findet er es im Cuxland aber nicht. Er meint, man könne hier durchaus viel machen. Den ein oder anderen Sommertag könne man mit Freunden in der Bucht genießen und bei schlechtem Wetter gehe man eben in eine Kneipe. „Ich finde aber, dass man hin und wieder eine Veränderung braucht“, begründet er seine Entscheidung, aus Cuxhaven wegzuziehen. Einen genauen Plan habe er, wie viele andere Jugendliche, noch nicht. Die Stadt Hannover reizt ihn aber wegen des Studienangebotes. Außerdem leben dort bereits Freunde, die da studieren.

„Familie ist meine Heimat“: Das betont die Abiturientin Judith Steinhorst (17). Sie hat einen Teil ihrer Kindheit in Berlin verbracht und hat keine Wurzeln in Cuxhaven, weshalb sie die Stadt auch nicht als ihre Heimat sieht. Nach dem Abitur plant Judith einen elfmonatigen Aufenthalt in Afrika und möchte danach auch nicht unbedingt zurück nach Cuxhaven.

Für die Neuntklässlerin Sally Wienke (15), weckt Cuxhaven hingegen Heimatgefühle. „Das Leben in einer Kleinstadt ist wie das Leben in einer großen Gemeinschaft. Das mag ich.“ Deshalb möchte sie auch nach der Schule in Cuxhaven bleiben. Denn: In einer kleineren Stadt gebe es zwar kein großes Freizeitangebot, „aber dafür hat Cuxhaven die Natur, den Strand und das Meer“. Sally sagt außerdem: „Großstädte bedeuten für den einzelnen Menschen eine gewisse Anonymität. Ich lebe lieber in einer Stadt, in der man seine Nachbarn auch wirklich kennt“.

Alina Hass (16) und Lotta Plath (17) meinen, es sollte mehr Möglichkeiten zum Shoppen geben. Die Elftklässlerinnen finden, dass die Infrastruktur der Innenstadt noch erweitert werden sollte. „Ein paar mehr nette Cafés wären toll.“ Beide wollen nach dem Abitur nach Hamburg ziehen, um zu studieren. „Es ist ja nicht so weit weg von Cuxhaven. Das ist sehr wichtig.“

Die Umfrage macht deutlich: Die Jugendlichen wünschen sich für ihre Heimat bessere Ausgehmöglichkeiten und brauchen, um in Cuxhaven zu bleiben, mehr Berufsperspektiven und -chancen. Nach dem Schulabschluss wollen viele raus aus der Stadt, um die Welt zu entdecken. Doch ob sie nach dem Studium wieder nach Cuxhaven zurückkehren, wissen die meisten noch nicht. Vorstellen können sie es sich häufig aber schon.

So geht es auch mir. Der Begriff „Heimat“ ist sehr vielschichtig. So sehen manche ihre Heimat als festen Wohnsitz an, andere wiederum binden sich nicht an einen Ort, sondern eher an die Familie. Für mich bedeutet Heimat nicht direkt die Stadt Cuxhaven, sondern nach Hause zu kommen. Zu meiner Familie. Das ist Heimat für mich.

Ein Video zum Thema finden Sie hier.

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