Er ist zum Sinnbild für die intensive Landwirtschaft geworden: der Mais, der mehr als die Hälfte der Ackerflächen im Cuxland belegt. Foto: dpa
Er ist zum Sinnbild für die intensive Landwirtschaft geworden: der Mais, der mehr als die Hälfte der Ackerflächen im Cuxland belegt. Foto: dpa
Landwirtschaft

Maisanbau keine Monokultur im Cuxland: Fruchtfolge ist das Geheimnis

21.02.2021

KREIS CUXHAVEN. Warum der Mais im Cuxland trotz Masse keine Monokultur ist und wie er selbst Insekten eine Heimat bieten kann.

Bauen die Bauern zu viel Mais an? Nehmen sie so den Bienen den Lebensraum und tun nichts für die Artenvielfalt? Das Landvolk hat das bei seiner Aktion "Fakten statt Fake-News", in der es sich mit (Vor-)Urteilen gegenüber Landwirtschaft auseinandersetzt, für den Landkreis Cuxhaven verneint. Viele Bürger hier klagen aber über eine "Mais-Monokultur". Unsere Zeitung ist der Frage nachgegangen. Das Ergebnis: Der Mais-Anbau hat in den letzten Jahrzehnten kräftig zugenommen, von Monokultur kann man trotzdem nicht reden. Die Zahl der Insekten ist deutschlandweit dramatisch gesunken. Aber wenn die Bedingungen stimmen, findet man sie selbst im Mais.

Die meterhohen grünen Recken, die im Spätsommer das Landschaftsbild beherrschen, sind vielen ein Dorn im Auge. Der Mais ist zum Sinnbild für eine intensive Landwirtschaft geworden, die in der Bevölkerung auf immer mehr Skepsis stößt.

Tatsächlich ist der Siegeszug der Superpflanze, der in den 80ern begann, eng mit dem Wachstum der Viehhaltung verknüpft. Mit seinem enormen Energiegehalt hat der Mais die Milchleistung der Kühe in ungeahnte Höhen getrieben und ist für die Bauern, die schlechte Preise durch mehr Milch wettmachen, unverzichtbar geworden.

So hat sich der "grüne Riese" in der Vieh-Region Cuxland in den letzten 25 Jahren breit gemacht. 1995 belegte Mais laut Zahlen des Landesamtes für Statistik 15.000 Hektar im Landkreis, heute sind es 35.000 - mehr als die Hälfte der Ackerflächen. Den größten Anteil nehmen aber nach wie vor die Wiesen ein, mit fast 74.000 Hektar wächst auf weit mehr als der Hälfte aller landwirtschaftlichen Flächen im Landkreis Gras.

Wechsel der Frucht

Von einer Mais-Monokultur kann man nicht reden. Eine Monokultur ist laut Bundesforschungsministerium der Anbau einer einzigen Pflanzenart als Reinkultur (ohne Untersaaten) über mehrere Jahre hinweg auf derselben Fläche. Sobald man dazwischen andere Früchte sät wie Ackergras oder Getreide, gilt es nicht mehr als Monokultur. Und ein solcher Wechsel der Frucht findet immer öfter statt.

Nicht zuletzt, weil die EU 2014 mit Änderungen bei den Agrarsubventionen die Ausbreitung der bei den Bauern beliebten Futterpflanze gestoppt hat. Seither sind die Landwirte verpflichtet, mindestens drei verschiedene Pflanzensorten anzubauen - und fünf Prozent ihrer Flächen der Natur zu überlassen. Sonst gibt es kein Geld aus Brüssel. Dieses sogenannte "Greening" hat dazu geführt, dass Flächen stillgelegt wurden, Blühwiesen neu angelegt und der Mais immer öfter mit einer Grassaat "unterlegt" wird, die im Herbst nach der Ernte sprießt.

Das spiegelt sich in den Zahlen wider: Der Mais-Anbau, der 2013 noch 38.000 Hektar im Landkreis Cuxhaven einnahm, ist laut Zahlen der Landwirtschaftskammer um 3000 Hektar heruntergegangen. Zugleich wird immer mehr Ackergras untergesät, zuletzt fast 5500 Hektar. Daneben haben die Bauern laut Landkreis auf 75 Hektar Blühstreifen angelegt und laut Landvolk etliche Maisflächen nach der Ernte den Winter über freiwillig begrünt, mit Zwischenfrüchten oder Grünroggen. Das hat große Vorteile: Die Pflanzen nehmen den überschüssigen Stickstoff auf, der noch im Boden steckt, und verhindern, dass er als Nitrat im Grundwasser landet.

1000 Insektenarten im Feld

Fazit: Richtig angebaut ist der Mais offenbar nicht der "Bösewicht", als den ihn die Öffentlichkeit wahrnimmt. Damit argumentiert auch das Landvolk. Zum Beispiel unter Hinweis auf die Insekten. Deren Zahl ist bundesweit dramatisch gesunken, das weiß man spätestens seit der "Krefelder Insektenstudie", die internationale Wissenschaftler 2017 veröffentlicht haben.

In Berlin ringt man gerade um die Verschärfung des Insektenschutzes. Das Landvolk hat auf Untersuchungen der Uni Hohenheim und des Julius-Kühn-Instituts verwiesen, wonach ausgerechnet in einem Maisfeld 1000 Insektenarten nachgewiesen wurden. Professor Jens Dauber, Leiter des Thünen-Instituts für Biodiversität in Braunschweig, gibt zu: "Ein tolles Ergebnis. Das zeigt, dass Äcker sehr wertvolle Lebensräume sein können", so der Biologe. Aber nur, wenn man Fruchtfolgen einhält und den Insekten durch Untersaaten wie Klee genug Nahrung bietet, sagt er.

Das Problem ist für den Biologen nicht der Mais an sich. "Schwierig wird es nur, wenn Mais in Dauerkultur und in hoher Dichte angebaut wird." Und genau das sei in Regionen, die durch intensive Tierhaltung und Biogas-Produktion geprägt seien, der Fall. "Diese 1000 Insektenarten hat man am Oderbruch an der polnischen Grenze gezählt. In einer intensiven Vieh-Region wie in Vechta wäre das Ergebnis bestimmt anders ausgefallen", ist Dauber überzeugt.

Mais im Landkreis Cuxhaven

70 Prozent der über 200.000 Hektar großen Fläche des Landkreises Cuxhaven werden landwirtschaftlich genutzt. Das ergibt 136 000 Hektar. Der größte Teil davon sind Weiden und Wiesen, sie machen 74.000 Hektar aus. Der Rest, also 62.000 Hektar, sind Äcker. Und auf mehr als der Hälfte davon, nämlich rund 35.000 Hektar, wird Mais ausgesät.

Zum Vergleich: 1995 belegte die Tropenpflanze aus Südamerika nur etwa 15.000 Hektar. In den darauffolgenden beiden Jahrzehnten nahm der Maisanbau rasant zu und kletterte bis auf über 38.000 Hektar. Seitdem die EU Greening-Kriterien vorschreibt, ist die Maisfläche im Cuxland wieder geschrumpft und hat sich jetzt auf 35.000 Hektar eingependelt.

Von Inga Hansen

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