Bermuda - Cuxhaven

"Malizia Yacht Club Monaco" siegt bei Atlantikregatta

19.07.2018

CUXHAVEN. Mit einem Vorsprung von knapp einer Stunde raste am Mittwochmorgen gegen 5 Uhr die Hochgeschwindigkeitssegeljacht "Malizia Yacht Club Monaco" (18 Meter) über die Ziellinie vor Cuxhaven. Von Thomas Sassen

Überglücklich lag sich die fünfköpfige Crew in den Armen. Geschafft!: 3500 Seemeilen Atlantik von den Bermudainseln nach Cuxhaven in einer rekordverdächtigen Zeit von unter zehn Tagen.

Während des gesamten Rennens hatten die beiden führenden Jachten die Ausläufer eines Hurrikans im Rücken. Das beschleunigte die extrem leicht gebauten Boote auf Geschwindigkeiten von bis zu 34 Knoten (70 Stundenkilometer).

Nach Passieren der Kugelbake entzündete die Mannschaft der „Malizia“ eine rote Leuchtrakete als Zeichen der Freude über die herausragende Teamleistung. Mit einem Abstand von nur 54 Minuten rauschte dann als zweites Schiff die „Varuna“ mit Schipper Jens Kellinghusen über die Ziellinie vor der Seebäderbrücke.

„Das war ein Duell auf Messers Schneide“, erzählte ein sichtlich erleichterter Boris Herrmann (37). „Bis kurz vor Schluss waren wir uns nicht sicher, ob der Vorsprung reichen würde.“ Der „Varuna“-Eigner, Jens Kellinghusen, lieferte später seine Erklärung: „Uns ist am vorletzten Tag das Spinnakerfall gebrochen. Das hat uns die entscheidenden Seemeilen gekostet.“ Kellinghusen dürfte es verschmerzen, hat er doch mit dem etwas kleineren Schiff (56 Fuß) nach berechneter Zeit durch Handikapfaktor den Bug in der Gesamtwertung vorne.

Beide Mannschaften zollten sich nach dem Zieldurchlauf ihren gegenseitigen Respekt. An der Reling stehend applaudierten sie sich gegenseitig. Dabei war die „Malizia“ zahlenmäßig im Nachteil. Während sie bei Wacheinteilung und Segelwechsel mit fünf Mann auskommen musste, segelten auf der „Varuna“ 15 Männer, ein Großteil davon Profis.

Bis zu 34 Knoten schnell

„Wir sind hochzufrieden mit dem Ausgang der Regatta, denn über weite Strecken mussten wir mit achterlichen oder raumen Winden schräg von hinten vorlieb nehmen“, berichtete Herrmann weiter. Immer wenn genug Halbwind von der Seite wehte, wurde die „Malizia Yacht Club de Monaco“ auf ihren Foils angehoben und war nicht mehr zu halten. 34 Knoten über Grund war die absolute Höchstgeschwindigkeit –  rund 70 Stundenkilometer.

„Dreimal hat es uns platt auf die Seite gedrückt, nachdem das Boot in Böen aus dem Ruder gelaufen war“, erzählte Crewmitglied Claus Löwe, „und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir wieder aufrecht segelten.“ Am vorletzten Renntag wurde es in der Nordsee noch einmal furchtbar eng. „Da hatten wir eine Tonne übersehen, die wir um ein Haar gerammt hätten“, berichtet Boris Herrmann von einer Schrecksekunde. Am Ende überstanden Mensch und Material den harten Wettkampf ohne Blessuren, ein Beleg für die Robustheit der „Malizia Yacht Club de Monaco“. Mit ihr will Herrmann 2020 als erster Deutscher mit der Unterstützung von Sponsor BMW an der berühmten Vendée Globe Regatta teilnehmen und allein und nonstop die Erde umsegeln.

Nach einem kurzen Stopp im Cuxhavener Hafen und einer Fotosession von Herrmann an Bord des Cuxhavener Rettungskreuzers „Anneliese Kramer“ sausten die beiden Jachten auch schon wieder weiter die Elbe hinauf in Richtung Hamburg, wo Familie, Freunde und Vereinskameraden warteten. Im Sandtorhafen bei der Elbphilharmonie war eine Willkommensparty für die „Seehelden“ geplant.

Veranstalter der Atlantic Anniversary Regatta (AAR) ist der Norddeutsche Regattaverein aus Hamburg, der in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert. Vom noblen Vereinshaus aus hat der Gast einen freien Blick auf die Außenalster.

Wie nah Erfolg und Misserfolg auf hoher See beieinanderliegen, spürten zwei prominente Teilnehmer der Regatta. Die Hamburger „Red“ von Matthias Müller von Blumencron meldete die Kollision mit einem Wal und lief zur Reparatur eines Heckschadens die Azoren an. Der Maxiracer „Rambler 88“ aus den USA war bereits nach zwei Tagen wegen eines Ruderbruchs ausgeschieden, nachdem die Jacht mit einem unObjekt unter Wasser kollidiert war. Damit waren am Mittwochnachmittag nur noch 13 Jachten im Rennen. Die schnellsten Verfolger dümpelten vor der Küste von Cornwall in einer Flaute. Die Nachzügler hatten noch fast die Hälfte der Strecke vor sich.

3500 Seemeilen über den Atlantik

Boris Herrmann und seine vierköpfige Crew von der „Malizia“ haben das Transatlatik-Rennen nach gesegelter Zeit in 9 Tagen, 12 Stunden, 14 Minuten und 16 Sekunden gewonnen.

Die 18 m lange Jacht segelt auf Foils.

Im Abstand von nur 54 Minuten folgte die „Varuna“, die nach berechneter Zeit siegte.

Herrmann will mit seiner Jacht „Malizia“ 2020 beim „Vendée Globe“ allein und nonstop die Erde umrunden.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Lesen Sie auch...
Blaulicht

+ + Aus dem Polizeibericht + +

Einen berauschten Autofahrer zogen Polizeibeamte am Sonntagnachmittag in der Raiffeisenstraße in Bad Bederkesa aus dem Verkehr.

In Otterndorf

Treffen der Kreisgemeinschaft Labiau/Ostpreußen

OTTERNDORF. Mit einer Gedenkfeier am Labiauer Stein begann der zweite Tag des Treffens der Kreisgemeinschaft Labiau/Ostpreußen am Sonnabend in der Medemstadt. (sm)

Politik

Cuxland-CDU-Abgeordnete Weritz und Fühner im Interview

KREIS CUXHAVEN. Erst seit einem knappen Jahr gehören sie dem niedersächsischen Landtag in Hannover an. Von Egbert Schröder

Jahresversammlung

25 Jahre Voß-Gesellschaft: Treffen in Otterndorf

OTTERNDORF. Vor 25 Jahren wurde die Johann-Heinrich-Voß-Gesellschaft in Eutin gegründet. (red)