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Nach dem bekanntgewordenen Corona-Fall an Bord der "Mein Schiff 3" steht das gesamte Schiff nun unter Quarantäne. An dem Krisenmanagement von TUI-Cruises gibt es deutliche Kritik. Foto: Sassen
Nach dem bekanntgewordenen Corona-Fall an Bord der "Mein Schiff 3" steht das gesamte Schiff nun unter Quarantäne. An dem Krisenmanagement von TUI-Cruises gibt es deutliche Kritik. Foto: Sassen
Corona in Cuxhaven

"Mein Schiff 3" in Cuxhaven: Crew-Mitglied kritisiert TUI für Krisenmanagement

04.05.2020 Zuletzt aktualisiert: 17.07.2022 09:44 Uhr

CUXHAVEN. Nach einem bekanntgewordenen Corona-Fall auf der "Mein Schiff 3" hat ein Crew-Mitglied, das in Cuxhaven von Bord gehen durfte, deutliche Kritik am Krisenmanagement von TUI-Cruises geäußert.

Für 2899 Menschen ist das Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 3" zum Gefängnis geworden. Zunächst hatte der größte Teil gehofft, nach einer wochenlangen Odyssee in Cuxhaven endlich von Bord gehen zu dürfen. Ein am Wochenende bestätigter Coronafall unter der Besatzung macht diese Hoffnung nun abermals zunichte. Bis auf Weiteres darf das Schiff keiner verlassen. Sonntagfrüh ist der Kreuzliner dennoch ausgelaufen, um nach Angaben des Hafenagenten auf See Brauchwasser zu entsorgen und Frischwasser zu produzieren, weil die Einrichtungen am Steubenhöft dafür nicht ausreichten.

Leichter Krankheitsverlauf

Wie TUI-Cruises und das Gesundheitsamt des Landkreises übereinstimmend mitteilen, hatten sich 15 Besatzungsmitglieder nach Einlaufen in Cuxhaven mit leichten grippeähnlichen Symptomen im Bordhospital gemeldet. Wie sich später herausstellte, war darunter ein junger Mann, bei dem das Corona-Virus nachgewiesen wurde. Obwohl es sich nur um einen leichten Krankheitsverlauf handele, werde der Mann im Cuxhavener Krankenhaus behandelt und gesundheitlich überwacht, erklärte Amtsarzt Dr. Kai Dehne. Gesundheitsamt und hafenärztlicher Dienst ordneten daraufhin umgehend einen Test bei 250 Personen an, die in den zurückliegenden Tagen Kontakt mit dem Erkrankten gehabt haben könnten, Crew-Kollegen sowie Schiffsführungspersonal.

Robert-Koch-Institut unterstützt Tests

Wie Dr. Dehne mitteilte, haben Mitarbeiter der Cuxhavener Helios-Klinik und die beiden Bordärzte die Abstriche vorgenommen. Um auf Nummer sicher zugehen haben sich Dehne und das Landesgesundheitsministerium noch im Laufe des Sonnabends darauf verständigt, auch die restliche Besatzung auf eine Corona-Infektion hin zu testen. Das Robert-Koch-Institut unterstützt die aufwendige Aktion mit vier Mitarbeitern.

Crew-Mitglieder sollen sich in Quarantäne begeben

Darüber hinaus würden alle Crewmitglieder, die seit vergangenen Dienstag das Schiff verlassen haben, informiert und aufgefordert, sich in ihrer Heimat umgehend in häusliche Quarantäne zu begeben und bei Auftreten von Krankheitssymptomen das örtliche Gesundheitsamt oder den Hausarzt zu informieren.

Deutliche Kritik an TUI-Cruises

Auf Britta B. (Name von der Redaktion geändert) trifft genau das zu. Die junge Deutsche durfte am Mittwoch, nach insgesamt 44 Seetagen endlich in Cuxhaven das Schiff verlassen und sich von ihren Eltern abholen lassen. Sie übt Kritik an der Krisenpolitik der TUI. Alles habe sich zulange hingeschleppt und aus Kostengründen habe man die Crew mehrerer Kreuzliner auf einem Schiff zusammengepfercht, um sie nach Europa zu bringen.

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Eine Hängepartie

Die vergangenen Wochen beschreibt sie als eine einzige Hängepartie, immer wieder hin und hergeworfen zwischen Hoffnung und Enttäuschung. "Dabei gehöre ich ja zu den Glücklichen, die nun endlich zu Hause sind und sich von dem Stress erholen können", erzählt sie. Mit Kollegen, die noch auf dem Schiff festsitzen, steht sie täglich in Kontakt. Das Schlimmste sei das Gefühl der Machtlosigkeit, beschreibt die junge Frau. Einen Fünfmonats-Kontrakt im Service-Bereich hatte sie für die "Mein Schiff 1" im vergangenen Jahr unterzeichnet. Im Januar ging es dann los. Die ersten Wochen machte ihr der Job großen Spaß. Von Costa Rica aus ging es dann Richtung Barbados, der schon als Nothafen angelaufen wurde, weil die regulären Anlaufhäfen geschlossen waren. Sonne, Meer, Ferienstimmung waren aber noch angesagt.

Schlägereien an Bord

Dann breitete sich das Corona-Virus immer schneller aus. Nachdem am 23. März die letzten Gäste von Bord gegangen und nach Hause geflogen worden waren, lebten die Crewmitglieder unter sich. Ihr Schiff steuerte nun Richtung Kanarische Inseln. Vor Teneriffa kam es am 17. und 18. April zu einem großen Crewaustausch unter den dort liegenden TUI-Schiffen "Mein Schiff 1" und "2" und "Mein Schiff Herz". Der Großteil der Besatzungsmitglieder wurde auf der "Mein Schiff 3" zusammengezogen, bevor dieser 295 Meter lange Kreuzliner dann mit über 3000 Menschen an Bord am 18. April Richtung Deutschland abfuhr. Zwei Tage später stand fest, dass Cuxhaven der Zielhafen sein würde, erzählt Britta B. "Während wir vorher die Gästekabinen einzeln belegen durften, wurde es nun richtig eng, mit zwei Personen auf einer Kammer. Es war supervoll", erzählt die Mitarbeiterin. Das große Restaurant "Anckermannsplatz" sei meistens total überfüllt gewesen und die Verpflegung wurde von Tag zu Tag schlechter, nachdem die frischen Lebensmittel knapp wurden. Aus den versprochenen fünf bis acht wurden am Ende elf Seetage, bevor das Schiff endlich in Deutschland ankam und nun erst einmal vor Helgoland auf Reede ging für einen erneuten Crewtausch, diesmal mit den TUI-Schiffen "Mein Schiff 4" und "Mein Schiff  6": "Es war furchtbar. Alles hat sich ständig geändert. Es gab kaum Informationen. Dabei wurde die Angst immer größer, dass wir nie mehr runterkommen. Und es war niemals Land in Sicht", so Britta B. Inzwischen war die Stimmung auf dem schwimmenden Hotelkomplex auf dem Nullpunkt. Einige ertranken ihren Frust in Alkohol. Es kam zu Schlägereien. Die Disco wurde gesperrt. "Ein Wunder, dass in dieser Zeit keiner von Bord gesprungen ist", sagt die junge Frau.

Reihentest durchführen

Ob das Virus beim Crew-Transfer in Teneriffa, vor Helgoland oder erst später in Cuxhaven eingeschleppt wurde, ist die Frage, die die Verantwortlichen nun beantworten müssen. Die Antwort wird man möglicherweise finden, wenn man einen Reihentest auch unter der Besatzung der anderen Schiffe durchführt, von denen es bisher hieß, dass sie coronafrei sind. Doch das hatte es ja bis zum Einlaufen in Cuxhaven auch von der "Mein Schiff 3" geheißen.

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