Der Metronom hat zuletzt die Erwartungen der Bahnreisenden zwischen Cuxhaven und Hamburg nicht annähernd erfüllen können. Foto: Kolbenstetter
Zugausfälle

Metronom werden Zuschüsse gestrichen

von Maren Reese-Winne | 05.11.2018

KREIS CUXHAVEN. Auf der Metronom-Strecke zwischen Cuxhaven und Hamburg geht es im Moment drunter und drüber.

Anfang vergangener Woche fielen an zwei Tagen 14 Verbindungen (allein an einem Tag 10) aus. Die Lage ist insbesondere für Pendler mehr als nervenaufreibend. Unsere Zeitung hat darüber mehrfach berichtet. Täglich gibt es Beschwerden, dass der Zugverkehr mehr und mehr ausdünnt. Züge fallen aus, Schienenersatzverkehr fährt mal und mal nicht. Oftmals bleiben die Fahrgäste ohne Informationen. Metronom gibt die Strecke bald an das Unternehmen "Start" ab, hinter dem die Deutsche Bahn steht.

Mitunter hat es den Eindruck, als sei das Personal schon abgewandert, denn als Grund für die Ausfälle wird auf der Metronom-Homepage offen fehlendes Personal angegeben. Unsere Zeitung hat die Misere zum Anlass genommen, einige Fragen an die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) in Hannover zu stellen. Als 100-prozentige Tochter des Landes Niedersachsen ist es Aufgabe der LNVG, ein bedarfsgerechtes Verkehrsangebot auf der Schiene zu schaffen. In der Funktion als Aufgabenträger übernimmt LNVG die Verkehrsplanung auf der Schiene und konzipiert den Fahrplan, führt Wettbewerbsverfahren durch und schließt Verträge mit Eisenbahnverkehrsunternehmen. Rainer Peters, LNVG-Pressesprecher, gab unserer Zeitung in einer schriftlichen Stellungnahme Auskunft:

Frage: Herr Peters, wie fällt die Bestandsaufnahme der LNVG in Sachen Zugausfälle auf der Cuxhaven-Hamburg-Strecke besonders in den vergangenen Tagen aus?

Peters: Vom 1. bis 26. Oktober gab es nur vereinzelte Ausfälle wegen Personalmangels - insgesamt 19 betroffene Fahrten. Das ist weniger als eine Fahrt pro Tag. Im Zeitraum vom 27. bis 29. Oktober ist die Zahl fühlbar angestiegen, insgesamt 30 Fahrten fielen aus. Das sind durchschnittlich zehn Fahrten pro Tag, was viel zu viel ist. Die negative Tendenz hat sich am 30. Oktober leider fortgesetzt, es sind sechs Fahrten personalbedingt ausgefallen. Positiv ist allein anzumerken, dass von Metronom ein Busnotverkehr eingerichtet wurde. Aktuell werden uns keine Ausfälle gemeldet.

Frage: Welche Handhabe hat die LNVG, um die Metronom-Gesellschaft zur Einhaltung ihrer vertraglich übernommenen Pflicht zu bewegen?

Peters: Generell sieht der Verkehrsvertrag mit Metronom vor, dass ausgefallene Zugleistungen nicht bezuschusst werden. Davon werden wir Gebrauch machen und die sogenannten Bestellerentgelte kürzen. Über die Größenordnung kann ich aktuell nichts sagen, das werden wir Anfang nächsten Jahres für das Jahr 2018 insgesamt bilanzieren.

Frage: Besteht für die betroffenen Fahrgäste ein Entschädigungsanspruch?

Peters: Ja, es bestehen Ansprüche, die aus den gesetzlichen Fahrgastrechten resultieren. Diese gelten seit dem Inkrafttreten der europäischen Verordnung über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr am 3. Dezember 2009. Die Regeln gelten einheitlich im Eisenbahnverkehr in Deutschland und in Europa. Sie räumen den Reisenden gleiche Rechte bei allen Eisenbahnunternehmen ein. Neben den gesetzlichen Fahrgastrechten im Eisenbahnverkehr gibt es innerhalb des HVV-Verbundgebiets die HVV-Garantie. Eine doppelte Inanspruchnahme ist aber nicht möglich.

Bei Einzeltickets zum Beispiel wird 25 Prozent des Fahrpreises als Entschädigung bei einer Verspätung des Zuges von mindestens 60 Minuten gezahlt. Ab einer Verspätung von 120 Minuten sind es 50 Prozent des Fahrpreises.

Frage: Wie wird die Zukunft dieser Bahnstrecke beurteilt, was die baulichen Voraussetzungen angeht? Zugbegleiter sprechen zum Beispiel von maroden Weichen, die ebenfalls oft Ursache für Verspätungen seien. Damit wird sich dann ja auch der neue Streckenbetreiber "Start", hinter dem die Deutsche Bahn steht, auseinanderzusetzen haben. Neu ist das Problem ja nicht.

Peters: Grundsätzlich wird die Strecke vom Eigentümer "in Schuss" gehalten, was auch durch viele Baustellen und damit verbundene Einschränkungen ersichtlich wird.

Richtig ist aber auch, dass die im regionalen Eisenbahnnetz vorhandenen Bahnübergangsanlagen und die inzwischen in die Jahre gekommene Stellwerkstechnik Probleme machen. Da gibt es für den Eigentümer der Schienentrassen, die DB Netz AG, noch einiges zu tun und zu modernisieren.

Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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