Mit dem Tierarzt im Cuxland unterwegs
KREIS CUXHAVEN. Wer ein Tier besitzt, ist nach dem Gesetz für dessen Wohlbefinden und Gesundheit verantwortlich. Dazu gehört neben einer artgerechten Haltung auch die medizinische Versorgung im Krankheitsfall. Dies gilt sowohl für Haustiere in privater Haltung wie auch für Nutztiere in landwirtschaftlichen Betrieben.
Jeder Tierhalter wird irgendwann einen Tierarzt konsultieren müssen. Im Idealfall ist dies nur für vorbeugende Behandlungen wie beispielsweise Impfungen erforderlich. Im Ernstfall geht es aber um Leben oder Tod für den geliebten Hausgenossen oder das Nutztier. Unsere Zeitung durfte den Altenbrucher Tierärzten Jan-Heinrich Ahlemeyer und Peter Burfeindt einmal bei der Arbeit über die Schulter schauen.
Derweil trifft Tierarzt Jan-Heinrich Ahlemeyer ein. Er war bereits auf zwei landwirtschaftlichen Betrieben tätig. Schwergeburten und Koliken sind die häufigsten Ursachen für nächtliche Einsätze. Nun geht es nach Holte-Spangen. Hier betreibt Kai Stelling ein Fuhrunternehmen mit sechs Wattwagen. Der 53-Jährige hat 20 Pferde in seinen Boxen stehen. Absolute Gesundheit seiner Tiere ist der Grundstein fürs Geschäft. Er arbeitet - wie übrigens viele Pferdehalter aus dem Cuxland und von der Insel Neuwerk - mit den Altenbrucher Tierärzten zusammen.
Heute steht Zahnpflege auf dem Programm. Die 14-jährige Stute von Stelling bekommt von Ahlemeyer eine leichte Sedierung. "Damit ist gewährleistet, dass das Pferd keinen Stress hat und wir in Ruhe arbeiten können." Anschließend legt der Tierarzt ein Maulgatter an, mit dem verhindert wird, dass das Tier sein Maul schließen kann: "Wäre nicht so gut für meinen Arm", erklärt Ahlemeyer schmunzelnd, als dieser bis zur Schulter im Pferdemaul verschwindet. Kurz abtasten, dann kommt der Schleifer zum Einsatz und nach 20 Minuten ist alles in Ordnung - die 500-Kilo-Dame kann wieder problemlos kauen. "Die drömmelt jetzt noch ein Stündchen vor sich hin, dann ist sie wieder topfit." Instrumente im Wagen verstauen und schon geht es zurück nach Altenbruch. In der Tierarztpraxis geben sich die Hunde- und Katzenbesitzer mittlerweile die Klinke in die Hand. Ehefrau Rebekka, ausgebildete Tierarzthelferin, Kollege Burfeindt und Arzthelferin Britta Borst können sich über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen. Röntgen, Zahnpflege, Wunden versorgen und impfen - die Kette der Patienten scheint endlos. Bis auf den Giftfall ein ganz normaler Tag in der Altenbrucher Praxis ...
Die stetig wachsenden und spezieller werdenden Aufgaben veranlassten Jörg Heinrich Ahlemeyer nach der alleinigen Übernahme der Praxis im Jahr 1991, den jungen Tierarzt Peter Burfeindt einzustellen, der bereits 1995 als Teilhaber mit in die Praxis einstieg. Im Jahr 2002 beendete Sohn Jan-Heinrich Ahlemeyer sein Studium, verstärkte ab 2006 das Ärzteteam und übernahm 2012 die Anteile seines Vaters.
Mit den wachsenden medizinischen Möglichkeiten wurde die alte Praxis in der Langen Straße zu klein und man entschied sich für den Neubau einer modernen Tierarztpraxis direkt an der B 73, die im September 2013 bezogen wurde und seitdem von den Tierärzten Jan-Heinrich Ahlemeyer und Peter Burfeindt gemeinsam betrieben wird. Zum Team gehören außerdem die Tierarzthelferinnen Rebekka Ahlemeyer und Melissa Benz sowie Arzthelferin Britta Borst. Um die Buchhaltung kümmert sich Silke Hachtmann und für die - gerade in einer Arztpraxis eminent wichtige - Sauberkeit ist Sabine Arndt zuständig. "Allerdings packt hier jeder auch in den Bereichen des anderen mit an - wir sind ein gut eingespieltes und harmonierendes Team", erklärt Chefin Rebekka Ahlemeyer.
In der neuen Praxis stehen modernste Geräte für Diagnostik und Behandlung zur Verfügung. "Operativ machen wir hier alles im Bereich der Weichteilchirurgie," erklärt Peter Burfeindt. Neurologische Fälle werden in der Regel in die Tierkliniken nach Bremen und Posthausen überwiesen und für spezielle chirurgische Eingriffe am Knochengerüst arbeitet man mit dem Bremer Spezialisten Dr. Carsten Rosenhagen zusammen. Die Nachbehandlung wird dann wieder von den Altenbrucher Tierärzten übernommen.
Der Job eines Tierarztes ist wesentlich komplexer und schwieriger als der eines Humanmediziners. Das beginnt bereits bei der Lokalisierung der Krankheit. Ein Tier gibt dem Veterinär keinen Hinweis, wo es ihm wehtut. "Das müssen wir - bestenfalls mithilfe des Besitzers - ganz alleine herausfinden, die entsprechende Diagnose stellen und dann richtig und gezielt behandeln", erklärt Peter Burfeindt. Außerdem gibt es in der Humanmedizin mittlerweile für nahezu jede Krankheit Spezialisten. Zahnarzt, Gynäkologe, Chirurg - ein Tierarzt ist eben alles in Personalunion und wenn er nicht aufpasst, bekommt er vom Patienten als Dankeschön einen herzhaften Biss oder Tritt.
Das Honorar für die ärztlichen Leistungen wird durch die Gebührenordnung der Tierärztekammer geregelt. "Hier wird ein Rahmen vorgegeben, in dem sich der Tierarzt bewegen kann." Die Kammer verlangt außerdem auch jährlich mindestens 20 Stunden an Fortbildungsmaßnahmen.
In der Kleintierpraxis gehören Hunde und Katzen zu den häufigsten Patienten, bei den Groß- und Nutztieren sind es Rinder und Pferde sowie in geringerem Maße Schweine. "Besonders während der Lammzeit haben wir es aber auch oft mit Schafen von Hobbyhaltern zu tun", erzählt Ahlemeyer. Viele landwirtschaftliche Betriebe gehörten bereits zum Kundenstamm seines Vaters und einige sogar zu dem seines Großvaters, wie beispielsweise der Hof von Martin Buck. Der Lüdingworther hat den alteingesessenen Betrieb seiner Familie von Milchvieh auf Bullenmast umgestellt.
"Die Mehrheit unserer landwirtschaftlichen Klientel betreibt allerdings Milchviehhaltung", erzählt Jan-Heinrich Ahlemeyer. Dass die Landwirte immer heftiger an den Pranger gestellt werden, sieht er besonders im Bereich des Tierwohls als nicht gerechtfertigt an. "Mit der Produktivität ist auch das Wohl der Tiere gestiegen, denn nur wenn es den Tieren gut geht, kann man mit ihnen Geld verdienen."
Auf allen Milchviehbetrieben, die von den Altenbrucher Tierärzten betreut werden, haben die Kühe im Sommer Weidegang und es gibt Tiere, die sind über zehn Jahre alt. "Früher standen die Tiere den ganzen Winter angebunden im Stall, heute sind sie in hellen, geräumigen Ställen mit eigener Liegebox untergebracht, in denen sie sich frei bewegen können."
Die medizinische Betreuung aller Tiere, die zur Erzeugung von Lebensmitteln genutzt werden, wird streng überwacht, was für die Praxis einen erheblichen bürokratischen Aufwand bedeutet. Für jedes einzelne Tier, dem ein Medikament verabreicht wird, muss ein sogenannter Abgabebeleg ausgestellt werden. In diesem Dokument sind unter anderem Tierart, Ohrmarkennummer, verabreichte Medikamente, Wirktage sowie die vorgeschriebene Wartezeit bis zur Nutzung von Milch/Fleisch des Patienten eingetragen.
Der Abgabebeleg muss vom Tierarzt und vom Landwirt - der eine Kopie erhält - fünf Jahre aufbewahrt werden. Die Einhaltung dieser Vorschriften wird vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) streng überwacht. "Bei flächendeckenden Behandlungen großer Bestände, kann man sich ungefähr ausmalen, was da für ein Haufen Papierkram anfällt", weiß Rebekka Ahlemeyer.
Trotz aller Bürokratie, im Vordergrund steht beim Team der Altenbrucher Tierarztpraxis stets die Arbeit am Tier - 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.
Google News
Wenn Sie etwas googeln, bekommen Sie neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn Sie CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinterlegen, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Sie auf. Hier CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinzufügen.
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.