Durch diesen Eingang betrat der Mann, der inzwischen Hausverbot hat, den Eingang des Hemmoorer Jobcenters. Foto: Schröder
Durch diesen Eingang betrat der Mann, der inzwischen Hausverbot hat, den Eingang des Hemmoorer Jobcenters. Foto: Schröder
Blaulicht

Mitarbeiterin in Hemmoorer Jobcenter bedroht?

von Egbert Schröder | 24.12.2018

HEMMOOR. Vorfall im Hemmoorer Jobcenter: Eine Mitarbeiterin fühlte sich von einem jungen Mann bedroht. Der Kunde hatte ein Messer in der Tasche.

Nach Informationen unserer Zeitung ist es im Hemmoorer Jobcenter am Donnerstag zu einer Bedrohung gekommen: Ein Kunde rastete in einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin aus. Als sie bemerkte, dass er ein Messer in der Tasche hatte, drückte sie einen Alarmknopf, um ihre Kollegen zur Hilfe zu holen. Der Mann wurde aus dem Büro gedrängt. Derartige Bedrohungslagen sind kein Einzelfall: In immer mehr Behörden wird ein Alarmsystem installiert, um bei (drohenden) Übergriffen schnell reagieren zu können.

Yvonne Echtermeyer ist Geschäftsführerin des Hemmoorer Jobcenters und bestätigte auf Anfrage den Vorfall, der sich am Donnerstagnachmittag ereignet hat. Demnach hatte ein Mann aus Somalia das Büro einer ihrer Mitarbeiterinnen betreten. Im Laufe des Gespräches habe sich der Kunde dann durch "Gebärden und lautstarkes Verhalten" ungewöhnlich verhalten. Schließlich habe die Mitarbeiterin gesehen, dass er ein Messer bei sich führte: "Sie fühlte sich bedroht", so Echtermeyer.

In solchen Fällen können per Alarmsystem Kollegen informiert werden - dies geschah auch am Donnerstag. "Dem Mann wurde ein Hausverbot erteilt", sagt die Geschäftsführerin.

Die Polizei wurde nach Angaben ihres Pressesprechers Carsten Bode am Freitagmorgen darüber informiert. Welche Folgen aus dem Vorfall resultieren, ist noch ungewiss.

Sollte der Mann zur notwendigen Abwicklung seiner Jobcenter-Angelegenheiten noch einmal das Gebäude betreten müssen, soll er nach unseren Informationen begleitet werden - entweder von einem Dolmetscher oder der Polizei.

Hemmoor ist kein Einzelfall: Auch in anderen Behörden im Cuxland werden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Nur ein Beispiel: So engagierte die Kreisverwaltung einen Sicherheitsdienst, um während der Öffnungszeiten des Kreishauses zu gewährleisten, dass Mitarbeiter, die in kundenintensiven und gleichzeitig sensiblen Bereichen arbeiten, bei Gefahr Hilfe rufen können.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes Niedersachsen ist zu beobachten, dass sich solche Vorfälle häufen: "Der Kundenkontakt und die Arbeit mit Ratsuchenden und Leistungsberechtigten in Behörden wird immer häufiger durch Konflikte belastet. Die Auswertung von Unfallmeldungen des Bundes verweisen auf teilweise extreme Formen von Übergriffen - bis hin zu Bedrohungen mit Messern, Äxten und Schusswaffen." Seit "Hartz IV" seien auch die Jobcenter "einer verschärften Lage" ausgesetzt. Ähnliche Entwicklungen seien bei Gerichten und Staatsanwaltschaften sowie den Sozialbehörden zu beobachten.

Für das Landeskriminalamt sind die bekannt gewordenen Fälle allerdings nur die Spitze des Eisbergs: "Viele kleine bis mittlere Übergriffe werden erst gar nicht erfasst, weil Beschäftigte und Vorgesetzte sie als ,zu gering‘ oder ,nicht anzeigewürdig‘ bewerten. So nehmen Beschäftigte in Behörden und kommunalen Einrichtungen viel zu häufig Beschimpfungen und Gewalt als Teil ihrer Arbeit hin. Dass diese Taten möglicherweise Straftaten und Arbeitsunfälle sind, bleibt dabei unberücksichtigt."

Yvonne Echtermeyer als Geschäftsführerin des Hemmoorer Jobcenters will sich nicht damit abfinden, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Aufgabenwahrnehmung beschimpft oder gar bedroht werden: Der Umgangston werde rauer und auch die Gewaltbereitschaft wachse. Das sei nicht zu akzeptieren.

Fallzahl steigt:

Die Gewalt gegen Behörden-Mitarbeiter nimmt bundesweit dramatisch zu, wie der Deutsche Beamtenbund (dbb) auf seiner Homepage mitteilt.

10 432 Beschäftigte sind laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) 2016 bei der Arbeit Opfer von Gewalt geworden. Die Dunkelziffer dürfte allerdings sehr viel höher ausfallen, da nicht jeder Vorfall gemeldet werde.

Eine Statistik von Statista aus dem Jahr 2016 zeigt, in welchen Bereichen es am häufigsten zu Gewalt am Arbeitsplatz kommt. Platz 1 belegen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, auf Platz 2 ist der öffentliche Bereich aufgeführt.

Fast täglich, manchmal sogar mehrfach am Tag, würden Personen im öffentlichen Dienst zur Zielscheibe für Gewalttaten, wie eine Online-Zeitleiste des DBBs zeigt: www.angegriffen.info/zeitleiste-uebersicht/.

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