Museum in Otterndorf erregt Aufsehen
OTTERNDORF. Mehr als eine Ausstellungseröffnung war das, was am Sonnabend im Museum gegenstandsfreier Kunst in Otterndorf vor sich ging.
Die Präsentation des Kunstwerks von Esther Stocker an der Museumsfassade, aber auch ihre Ausstellung im Inneren des Gebäudes traf auf großes Interesse des Publikums.
"Jetzt ist alles gut", meinte Landrat Kai-Uwe Bielefeld zur Begrüßung und spielte damit auf die monatelangen Auseinandersetzungen um die Genehmigung des Kunstwerks im öffentlichen Raum an, die rechtlicher aber auch politischer Natur waren. "Otterndorf ist ein guter Ort für das Projekt", so Bielefeld. "Es war eine gute Entscheidung für die Kunst- und Kulturfreiheit. Man kann sich daran reiben, aber die Stadt hält das aus."
Zeitgenössische Kunst könne, ja müsse verunsichern, sagte Museumsleiterin Dr. Ulrike Schick. Sie trage dazu bei, dass das Sehen zum Denk- und Lernprozess werde, und auch dazu, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen. Die in den Ausstellungsräumen gezeigten Arbeiten schlügen eine Brücke zur Außenwelt mit der neuen Museumsfassade. Dr. Schick dankte Esther Stocker für die Chance zur Neuverortung des Museums.
Die Arbeit Esther Stockers unterliege einem strengen Prinzipienkanon, erläuterte der Berliner Galerist Matthias Seidel in seiner Einführung. Es gehe um Ordnung, Störung und schließlich Auflösung der Ordnung. Als Malerin, die zugunsten des maximalen Kontrasts auf Farbe verzichte, gehe Stocker in den dreidimensionalen Raum und schaffe Muster und Strukturen, die durch einfache visuelle Wahrnehmung nicht zu erfassen seien, weil ihnen keine Formel zugrunde liege. So wirke auch die neue Museumsfassade auf die Umgebung, lege sich über vorhandene Strukturen, schaffe neue Bezüge, etwa wenn die Fenster des Museums sich zu geometrischen Objekten innerhalb des Kunstwerks wandelten. Störung und Brechung des Gegebenen, das sei das Grundprinzip.