Die Kurklinik "Strandrobbe" gleich hinter dem Steinmarner Deich in Duhnen. Archivfoto: Reese-Winne
Die Kurklinik "Strandrobbe" gleich hinter dem Steinmarner Deich in Duhnen. Archivfoto: Reese-Winne
Eltern-Kind-Kur: Geht wieder

Nach Corona-Pause in Cuxhaven: Kurkliniken wieder am Start

von Maren Reese-Winne | 13.08.2020

CUXHAVEN-DUHNEN. Nach der Corona-Pause sind die Kurkliniken "Nordseeküste" und "Strandrobbe" wieder geöffnet - allerdings mit einigen Einschränkungen und Änderungen.

"Bitte setzen Sie eine Maske auf", sagt die Computerstimme, dann heißt es Gesicht in Richtung Monitor halten. Schon folgt die Ansage der Körpertemperatur. Ab dem ersten Tag ist diese Prozedur Routine für alle, die die Mutter/Vater-Kind Kurklinik "Strandrobbe" - hinter dem Deich gleich beim Freibad Steinmarne gelegen - betreten. Schließlich wollen alle die Kur ohne Ansteckung überstehen. "Dafür haben wir einiges getan", sagt Geschäftsführer Heinz Rüsch.

Das Haus wurde vom Lockdown Mitte März kalt erwischt. Eltern und Kinder mussten nach Hause geschickt werden. Der überwiegende Teil der rund 110 Beschäftigten ging in Kurzarbeit. Die "Strandrobbe" stand wie alle Mutter-(Vater)-Kind-Einrichtungen in Deutschland - über 130 an der Zahl; eine weitere, die Klinik Nordseeküste, liegt ebenfalls in Duhnen und hat den Betrieb wieder aufgenommen - vor der wirtschaftlichen Ungewissheit. Denn im ersten Entwurf zum staatlichen Rettungsschirm für medizinische Einrichtungen ("Covid 19-Krankenhausentlastungsgesetz") waren sie schlicht vergessen worden.

Petition zeigte Wirkung

Dass eine von einem ehemaligen "Kurvater" der Strandrobbe initiierte Online-Petition mit deutschlandweit fast 10.000 eingesammelten Unterschriften dabei geholfen hat, auf Gesundheitsminister Jens Spahn einzuwirken, davon ist Heinz Rüsch überzeugt.

Die Kliniken wurden nachträglich aufgenommen; die Mittel ermöglichten es seinem Haus, das Kurzarbeitergeld der Mitarbeitenden von 60 beziehungsweise 67 Prozent auf 100 Prozent aufzustocken. "Im Gegenzug erklärten diese sich bereit, Teile ihres Urlaubs einzubringen", betont er.

Im Haus startete zunächst ein großes Umbau- und Sanierungsprogramm: Kindergarten und Außenbereich wurden neu gestaltet, ein großer Wasserschaden im Solebad beseitigt, das komplette unterirdische Abwasserleitungssystem repariert, das ganze Haus mit LED-Leuchten ausgestattet, eine neue Kochecke und Spülmaschinenwaschstraße installiert und die gesamte Fassade gestrichen. "Man kann sagen, dass wir die Grundlagen für die nächsten zehn Jahre geschaffen haben."

Anfang Mai wurde dann ein Corona-Zirkel eingerichtet. Heinz Rüsch: "Wir haben uns einmal komplett neu erfunden. Logistik, Therapien, Kinderbetreuung, Gruppengröße, sportliche Veranstaltungen - alles musste angepasst werden." Das Hygienekonzept werde mit dem Kreis-Gesundheitsamt jeweils aktuell abgestimmt.

Der Geschäftsführer ist überzeugt: "Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben." Allerdings unter hohen Sicherheitsvorkehrungen.

Dazu gehörte auch Geduld: Erst am 1. Juli startete der Kurbetrieb wieder; gerade läuft der zweite Durchgang, nach dem Auftakt mit einer 80-Prozent-Auslastung ist er mit 64 Familien (immer ein Erwachsener plus Kind oder Kinder) wieder vollständig. "Vorher war mir die Lage einfach zu unsicher", so Rüsch. "Nicht auszudenken, wenn wir - in einer Tourismus-Hochburg wie Cuxhaven - zum Auslöser eines Corona-Hotspots würden."

Die Patientinnen und Patienten kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Lokale Ausbrüche werden dabei genau verfolgt - mit Konsequenzen: Zwei Familien aus dem Kreis Gütersloh mussten ihre Kuren verschieben.

Untersuchung per Video

Die Klinik verlangt von allen Anreisenden einen aktuellen Corona-Test. Kassenleistung ist dies noch nicht; ebenso wenig wie die routinemäßige Testung der Belegschaft; ein Schwachpunkt, bei dem sich Heinz Rüsch Nachbesserungen wünscht, zumal dieser Service ja nun auch zurückkehrenden Urlaubern offensteht.

Alle aktuellen Infos rund um die Entwicklung und Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf die Region rund um Cuxhaven lesen Sie hier.

Und so sieht eine Kur heute unter Corona-Bedingungen aus:

- Bereits eine Woche vor Kurbeginn erfolgen die Eingangsuntersuchungen als Videokonferenz. Rüsch: "Das erleichtert allen den Einstieg. Die Familien erhalten schon bei der Anreise ihren Kurplan." Auch die Abschlussuntersuchung erfolgt per Videoschalte in die Appartements der Klinik.

- Es werden drei Kleingruppen ("Kohorten") à etwa 20 bis 23 Familien gebildet, die Mahlzeiten zusammen einnehmen und Gruppenaktivitäten möglichst nur untereinander stattfinden lassen. Die Hoffnung: Sollte es doch zu einer Ansteckung kommen, müssen nur Mitglieder dieser Kohorte vorzeitig abreisen.

- Die Gäste müssen sicherstellen, dass sie im Notfall in Eigenregie abreisen können, ohne öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.

- Es gibt drei Essenszeiten. Zur Essenausgabe ist im Innenhof ein Zelt errichtet worden. So gibt es drinnen mehr Platz für Tische (einer pro Familie).

- Kinderbetreuung gibt es während der Therapiezeiten nur für Drei- bis 13-Jährige bei eingeschränkten Öffnungszeiten.

- Bad, Spielplatz und Gemeinschaftsräume werden zu abgestimmten Zeiten für einzelne "Kohorten" geöffnet.

- Sport wird mehr draußen gemacht. Im Garten wird ein Beachvolleyballfeld neu installiert.

- In festgelegten Bereichen herrscht Maskenpflicht.

- Erhöhte Körpertemperatur wird ärztlich abgeklärt. Bei Verdacht auf Infektionskrankheiten aller Art können Familien in Appartements außerhalb des Gebäudes umziehen.

Erstmals über Weihnachten

16 Kurdurchgänge bietet die Klinik üblicherweise pro Jahr an. In diesem Jahr wird ein Novum hinzukommen, die "Weihnachtskur" in der sonst üblichen Schließzeit zwischen Mitte Dezember und Anfang Januar. Heinz Rüsch erklärt: "Die Familien drängen natürlich und wünschen sich neue Termine."

Rund 30 000 von ihnen hätten in Deutschland in vier Monaten ihre genehmigten Kuren nicht antreten können. Dabei hätten es viele dringend nötig, weil Angst um die Gesundheit, Lockdown, Homeoffice und Home-Schooling, wirtschaftliche Nöte und räumliche Enge zusätzlich an den Nerven gezerrt hätten.

Die Rückmeldung der Gäste sei entsprechend: "Zurzeit haben wir 25 Prozent Kurwiederholer hier. Alle sehen den Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und schätzen die neuen Abläufe."

Rüsch gibt aber zu bedenken, dass der Rettungsschirm am 30. September endet und die Kliniken dann wieder mit eigenen Mitteln wirtschaften müssen. Eine höhere Vergütung für den coronabedingten Mehraufwand gebe es bislang nicht. Diese Frage sei ebenso offen wie die nach der Kostenübernahme für Tests vor und während der Kurmaßnahme. "Nur wenn diese Fragen zufriedenstellend beantwortet sind, können wir auch in Zukunft qualitativ hochwertige Mutter/Vater-Kind-Kuren anbieten."

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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